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Kindererziehung in Amerika : Früher war mehr Mut

Der Sprung ins kalte Wasser: Einst ließen Eltern ihre Kinder eigene Wege gehen, heute lassen sie den Nachwuchs keine Sekunde aus den Augen. Bild: Caro / Waechter

Die Amerikaner verhätscheln ihre Zöglinge. Das schwächt Kreativität und Gründergeist. Was läuft falsch in den Kinderzimmern auf der anderen Seite des großen Teichs?

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          Was ist los mit dem American Spirit? Die Vereinigten Staaten zeigen an allen Ecken und Enden Zeichen einer nachlassenden Dynamik. Im Land, das mit dem Ruf „Young man, go west!“ groß geworden ist, ziehen Leute immer seltener um, und schon gar nicht in andere Bundesstaaten, selbst wenn sie dort ihre wirtschaftliche Lage verbessern könnten. Viele wohnen noch mit knapp dreißig bei ihren Eltern und zwar nicht einmal ungern. Der sprichwörtliche Unternehmergeist, der die größte wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des 20.Jahrhunderts erst möglich gemacht hat, ist im Schwinden begriffen. Vor knapp dreißig Jahren zählte die Kauffmann Foundation, eine Denkfabrik, 160 Start-ups je 100.000 Einwohner, im Jahre 2013 fanden die Forscher der Stiftung nur noch halb so viele. Und nicht nur das: Der Anteil der jüngeren Unternehmer unter den Neugründern verkleinert sich.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die nüchternen Kennziffern sagen: Amerikas Wirtschaft liegt mit einer Wachstumsrate von zuletzt einem Prozent nahe an der Stagnation. Noch erschreckender ist Produktivitätsentwicklung. An schrumpfende Zuwachsraten hatte man sich gewöhnt, aber nun verringert sich die Produktivität seit drei Quartalen. Das ist ein starker Beleg für eine schwindende Innovationskraft. Das Land eines Henry Ford (Autos), eines Graham Bell (Telefon) und eines Ray Kroc (Hamburger) bringt offenbar nichts großes Neues mehr hervor?

          Paradebeispiel für unbegründete Vorurteile, Rassismus und Islamphobie

          Halt! Was mit dem Silicon Valley? Überbewertet, sagt der Wirtschafts-Nobelpreisträger Edmund Phelps. Das Silicon Valley stehe bei all seiner beeindruckenden Innovationskraft für gerade mal drei Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Hier trifft sich der Ökonom mit dem Investor Peter Thiel, der sein Geld in dem kalifornischen Tal gemacht. Er nennt das Valley einen kleinen Platz. „Sobald man über die Brücke nach Oakland fährt, sieht man nicht mehr die gleiche Blüte.“

          Die Erklärung für den erlahmenden Spirit des Landes ist wie ein Puzzlespiel, sagt Phelps. Ein wichtiges Puzzleteil allerdings liefert nach seiner Ansicht die amerikanische Kindererziehung. Der New Yorker Ökonom hat den Verdacht, dass Schulen und Eltern die Erfinder von morgen frühzeitig entmutigen. Er sieht einen großen Trend im Gange: Werthaltungen wie Solidarität, Bedürfnis nach Kontrolle und Streben nach Sicherheit hemmen junge Leute dabei, etwas Ungewöhnliches zu wagen. Das sind nicht nur philosophische Gedanken eines alten Ökonomen.

          In September vergangenen Jahres wurde der 14 Jahre alte Amerikaner Ahmed Mohamed im texanischen Irvine von Polizisten aus seiner Schule abgeholt und in Handschellen gefesselt aufs Revier gebracht. Seine Schule suspendierte den Jungen. Sein Vergehen: Der Sohn sudanesischer Einwanderer hatte eine Uhr gebaut und mit in die Schule gebracht. Eine Englisch-Lehrerin hielt das tickende Gerät für eine Bombe und alarmierte die Polizei. Die Medien griffen die Geschichte auf, Mark Zuckerberg lud den Jungen in Silicon Valley ein und Präsident Barack Obama lobte Mohamed für die „coole Uhr“. Obamas Sprecher verlieh der Story den entscheidenden Dreh. Er bezeichnete den Fall Ahmed Mohamed als Paradebeispiel für unbegründete Vorurteile, Rassismus und Islamphobie. Doch die Geschichte lässt sich auch anders erzählen, nämlich unter der Überschrift „Der Sicherheitswahn der Amerikaner“.

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