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Gute Konjunktur in Amerika : Die zarte Blüte des Aufschwungs

Hoffnung auf Erholung: Im Einzelhandel und in der Gastronomie konnten die Umsätze im Mai wieder deutlich zulegen – trotzdem bleibt die Lage angespannt. Bild: AP

Amerika präsentiert überraschend gute Konjunkturdaten. Vor allem der Einzelhandel und die Gaststätten meldeten deutlich höhere Einnahmen. Das nährt die Hoffnung auf ein schnelles Comeback.

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          Neue Konjunkturdaten nähren die Hoffnung, dass die amerikanische Wirtschaft schnell wieder Fahrt aufnehmen wird. Vor allem der Einzelhandel und die Gaststätten meldeten deutlich höhere Einnahmen. Doch der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, warnt vor zu viel Überschwang. Die Konsumenten würden ihr Zögern erst dann komplett hinter sich lassen, wenn die Viruserkrankung gebannt sei.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Vor allem zwei Konjunkturdaten waren in jüngerer Zeit deutlich besser, als die Marktbeobachter erwartet hatten. Die amerikanische Wirtschaft stellte im Mai 2,5 Millionen Personen zusätzlich ein und drückte damit die Arbeitslosenquote auf 13,3 Prozent nach 14,7 im April. Die Zahl veranlasste den Wirtschaftsberater des Präsidenten, Larry Kudlow, in mehreren Interviews seine These von einem V-förmigen Konjunkturverlauf zu verbreiten. Rund 80 Prozent aller kleinen Unternehmen und Geschäfte würden ihre Arbeit aufnehmen, Anträge auf Unternehmensgründungen schössen nach oben.

          Gute Konjunkturnachrichten lieferte dann zu Beginn der Woche der Einzelhandel: Das Wirtschaftsministerium hatte mitgeteilt, die Umsätze im Einzelhandel einschließlich der Restaurants stiegen im vorigen Monat so stark wie nie zuvor mit einem Plus von 17,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, der allerdings den tiefsten Einschnitt zu verzeichnen hatte. Allerdings liegt der Sektor damit immer noch rund 6 Prozent hinter den Umsätzen im Mai des Vorjahres zurück. Für viele Gastronomen und Inhaber von Bekleidungsgeschäften bleibt die Lage immer noch düster. Boutiquen verzeichnen gerade 40 Prozent des Vorjahresumsatzes.

          Die Zentralbank glaubt an ein Wirtschaftswachstum

          Eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt auch der Markt für Hypothekenkredite. Die Anzahl neuer Baukreditanträge steigt seit elf Wochen beständig und hat das höchste Niveau seit Jahren erreicht. Darin spiegeln sich zum großen Teil Bemühungen von Familien, ihre alten Kredite durch neue günstigere zu ersetzen, doch offenbar auch die gestiegene Nachfrage nach Häusern.

          Zu den guten Nachrichten gesellt sich die Feststellung des Fed-Vizechefs Richard Clarida, dass sich die Finanzmärkte nach dramatischen Interventionen der Notenbank normalisiert hätten und ihre wichtige Rolle in der Refinanzierung der Wirtschaft spielten. Unternehmen könnten inzwischen selbst Hochzinsanleihen wieder plazieren. Die Zentralbank glaubt, dass nach Einbrüchen im ersten Halbjahr das dritte Quartal wieder Wirtschaftswachstum produzieren wird.

          Clarida ließ gleichwohl keinen Zweifel an der großen Unsicherheit, die auf der Konjunktur laste. Ihr Verlauf hänge vom Verlauf der Pandemie und der Fähigkeit der Politik ab, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Tatsächlich steigt in einzelnen Bundesstaaten wie Texas oder Arizona, die bei der Lockerung von Geschäftsbeschränkungen besonders forsch vorgingen, die Zahl der Infizierten.

          Powell und Clarida bekräftigen neues Konjunkturprogramm

          Powell und Clarida bekräftigen vor diesem Hintergrund die Forderung nach einem neuen Konjunkturprogramm vom Kongress. Das hat auch die Unterstützung führender Ökonomen gefunden. Doch die Politik ist sich uneins. Das Repräsentantenhaus hat mit den Stimmen der Demokraten schon ein Konjunkturgesetz im Volumen von drei Billionen Dollar verabschiedet, das aber keine Chance auf Verwirklichung hat. Präsident Donald Trump selbst liebäugelt mit seiner alten Idee eines Infrastrukturprogramms und mit Steuersenkungen und Finanzspritzen für das besonders angeschlagene Gastgewerbe.

          Die republikanische Mehrheit im Senat dagegen will lieber noch bis Juli abwarten und sieht sich von konservativen Fiskalfalken unter Duck gesetzt, die das Geld zusammenhalten wollen. Zu den Unterzeichnern eines offenen Brandbriefs gegen ruinöse Neuverschuldung gehören Gefolgsleute von Trump wie die Wirtschaftsexperten Arthur Laffer und Stephen Moore sowie Freunde der alten Tea-Party-Bewegung.

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