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Amerika in der Corona-Krise : Zu großzügige Hilfe

Infolge der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit in Amerika so schnell gestiegen wie nie zuvor. Bild: AFP

Die größte Volkswirtschaft der Welt erlebt gerade die schwerste Krise seit der Großen Depression. Auf eine schnelle Erholung am Arbeitsmarkt braucht niemand zu hoffen – schuld sind die Hilfsmaßnahmen.

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          Die Vereinigten Staaten erleben die schwerste Arbeitsmarktkrise seit der Großen Depression. Die Geschwindigkeit des Niedergangs ist atemberaubend. Alle Hoffnung richtet sich darauf, dass die Erholung ähnlich schnell ausfällt, doch diese Hoffnung dürfte vergebens sein – die großzügige Arbeitslosenhilfe bremst.

          Die Stütze wird von den Bundesstaaten ausgezahlt und beträgt im Schnitt knapp 400 Dollar pro Woche. Dazu kommen nun im Rahmen des Krisenprogramms 600 Dollar pro Woche aus Bundesmitteln. Im vergangenen Jahr hat rund die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten in den Vereinigten Staaten weniger als 1000 Dollar in der Woche verdient.

          Das heißt, ein Teil der freigestellten Arbeitnehmer verspürt keinen Drang, an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Das nachvollziehbare Kalkül lautet: Warum für weniger Geld die Gesundheit riskieren?

          Die Folgen sind paradox. In der größten Arbeitsmarktkrise seit Jahrzehnten haben Unternehmen Schwierigkeiten, Personal zu finden. Für Arbeitgeber, die Subventionen im Rahmen des Lohnschutzprogramms erhalten haben, kann die Lage brenzlig werden. Denn wenn ihre freigesetzten Arbeitnehmer nicht innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zurückkehren, dann wandelt sich die Subvention in einen Kredit um.

          Das Ausmaß der Verwerfungen ist schwer zu beziffern. Doch die Klagen der Arbeitgeber mehren sich. In Bundesstaaten, die ihre Wirtschaft öffnen, haben Gouverneure freigestellte Arbeitnehmer aufgefordert, zurück an den Arbeitsplatz zu kommen. Andernfalls werde die Stütze gestrichen.

          Die Bundeszuschüsse zur Arbeitslosenhilfe laufen Ende Juli aus, doch der Kongress arbeitet an einer Nachfolgeregelung, die wieder direkte Zuwendungen an die Arbeitnehmer vorsieht. Problematisch ist, dass sich die freigesetzten Arbeitnehmer an ein Einkommensniveau gewöhnt haben, das viele nach der Rückkehr in schwer gebeutelte Unternehmen nicht mehr erreichen können.

          Jene 600 Dollar in der Woche haben eine Vorgeschichte: Sie entsprechen den 15 Dollar Mindestlohn in der Stunde, die die Demokraten zum Ziel erhoben haben. Viele Amerikaner sind nun auf den Geschmack gekommen – in einer Zeit, in der viele Betriebe diesen Lohn aber nicht zahlen können.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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