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Angst vor Handelsstreit : Amerika gegen China – vielleicht haben wir Glück!

„Wir alle sind ein bisschen China“

Aufgrund dieser wirtschaftliche Verwobenheit gibt es naturgemäß unzählige Möglichkeiten, wie sich die beiden Ländern gegenseitig Schaden zufügen können. Neue Zölle sind eine Möglichkeit. Der angesehene Ökonom Olivier Blanchard, ehemals Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, nannte über den Kurznachrichtendienst eine subtilere: „Du bist China und unglücklich über die neuen Zölle. Du identifizierst ein paar chinesische Fabriken, die essentiell sind für die Lieferketten einiger amerikanischer Unternehmen. Du schickst einen Hygiene-Inspektor dorthin, der eine Ratte findet und die Fabrik für einen Monat schließt. Dann bist du fertig.“

Kein Wunder also, dass die Aktienkurse rund um den Globus erst einmal ordentlich gefallen sind in der vergangenen Woche infolge der Drohung Trumps. Und dass Unternehmenslenker (aus Amerika!) wie Apple-Chef Tim Cook oder Politiker etwa aus Europa beide Seiten dazu mahnen, den Handelsstreit nicht weiter eskalieren, und die angedrohten weiteren Maßnahmen nicht wahrmachen. „Wir alle sind auch ein bisschen China, denn wir sind ja sehr stark Kunden und Lieferanten von China", hat das der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, gerade auf den Punkt gebracht.

Doch womöglich kommt es nicht zum Äußersten. Offenbar arbeiten beide Regierung, die in Peking und die in Washington, daran, einen ausgewachsenen Handelskrieg zu vermeiden. Offiziell äußern sich die entsprechenden Stellen bislang nicht, aber inoffizielle Kanäle melden zumindest, dass es hinter den Kulissen durchaus Bewegung gibt. Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer haben nach Angaben der an den Finanzmärkten viel gelesenen Zeitung „Wall Street Journal“ einen Brief an den wichtigsten Wirtschaftsberater des mächtigen chinesischen Parteichef Xi Jinping, Liu He, geschrieben und darin Forderungen Washingtons aufgeführt: China soll die Zölle für aus Amerika eingeführte Autos senken, mehr amerikanischen Halbleiter kaufen und außerdem amerikanischen Banken den Zugang auf den chinesischen Markt erleichtern.

Am Samstag hatte Mnuchin zudem mit Liu telefoniert, der gerade zum stellvertretenden Ministerpräsidenten aufgestiegen ist und nun wesentlich die Wirtschaftspolitik Xis verantwortet. „Finanzminister Mnuchin rief Liu He an, um ihm zu seiner offiziellen neuen Rolle zu gratulieren“, sagte ein Sprecher des Finanzministerium ins Washington und fügte hinzu: „Sie diskutierten auch das Handelsdefizit zwischen unseren beiden Ländern und bekannten sich dazu, den Dialog fortzusetzen, um einen für beide Seiten akzeptablen Weg zu finden, es zu reduzieren.“

Nun heißt es in einem Bericht der „Financial Times, der sich ebenfalls auf mit der Angelegenheit vertraute Personen bezieht, diesmal in Peking, dass die chinesische Führung hierzu bereit sei: Schon im Mai könnte es ausländischen Banken erlaubt werden, die Mehrheit an chinesischen Wertpapierhäusern zu übernehmen. Außerdem sei China bereit, mehr Halbleiter aus Amerika zu kaufen – zu Lasten von in Südkorea und Taiwan angesiedelten Herstellern. Ob das nun genau so kommt, ist natürlich nicht gesichert. Und ob die genannten Forderungen Amerikas wirklich schon alles sind, was Washington möchte (sicher nicht), ist ebenfalls unklar. Aber deutet dies daraufhin, dass die komplette Eskalation nicht programmiert ist. Hoffentlich jedenfalls.

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