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Amerika entdeckt Meeres-Windstrom : Siemens beliefert ersten Offshore-Park in Amerika

  • -Aktualisiert am

Modelle einer Windkraftanlage von Siemens Bild: dpa/dpaweb

Offshore-Parks spielen in den Vereinigten Staaten bislang noch keine Rolle. Aber das könnte sich ändern. Den ersten großen Turbinenauftrag hat nun Siemens ergattert.

          Auf dem amerikanischen Windenergiemarkt kann der Siemens-Konzern kurz vor Jahresende einen weiteren Erfolg feiern. Die Münchner werden für den ersten großen Meereswindpark der Vereinigten Staaten die Turbinen und den Service liefern – insgesamt geht es um 101 Windräder mit jeweils 3,6 Megawatt Leistung. Hinzu kommt eine Option für weitere 29 Anlagen. Der Park mit dem Namen Cape Wind soll 2016 ans Netz gehen und im Endausbau eine Leistung von 468 Megawatt haben – damit wäre er deutlich größer als die einzelnen Parks in der deutschen Nordsee, aber kleiner als das Areal London Array in der Themsemündung, das mit geplant 1 Gigawatt Leistung der größte Offshore-Park der Welt ist.

          Zum Auftragswert machte Siemens am Montag keine Angaben, den branchenüblichen Rechnungen zufolge dürfte er aber rund 1,5 Milliarden Dollar haben. Amerikanischen Presseberichten zufolge hat das Gesamtprojekt Cape Wind ein Volumen von rund 2 Milliarden Dollar, für das die japanische Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ als Hauptfinanzierer unterschrieben hat.

          In der vergangenen Woche erst hatte Siemens den größten jemals erteilten Einzelauftrag für Windturbinen an Land mit einer Gesamtkapazität von rund 1 Gigawatt in Amerika vermeldet. Dieses Mal spricht der Münchner Konzern sogar von einem Durchbruch für einen neuen Markt, weil Meereswindparks in den Vereinigten Staaten bislang praktisch keine Rolle gespielt haben und derzeit auch noch kein Park im Bau ist.

          Bau ist einfacher als in Deutschland

          Einer Studie zufolge, welche das Analysehaus Navigant im Auftrag des amerikanischen Energieministeriums erstellt hat, sind  in amerikanischen Gewässern aber zur Zeit neun Meereswindparks in der erweiterten Planung. Zusammen kommen sie  auf eine Kapazität von 3,8 Gigawatt. Für zwei kleinere Areale mit jeweils rund 30 Turbinen ist Siemens dabei ebenfalls als Lieferant vorgesehen. All diese Offshore-Parks  liegen  an der Atlantikküste   um die großen Metropolen von Texas und  der Neuengland-Staaten mit Strom versorgen zu können. Auch das von Siemens belieferte Projekt Cape Wind ist vor der Küste von Massachusetts gelegen, 20 Kilometer entfernt von der Insel Nantucket.

          Siemens muss die Anlagen dort in ungefähr 10 Meter tiefem Wasser anbringen, was den amerikanischen Park eher vergleichbar macht mit europäischen Projekten in England oder Dänemark und nicht dieselben logistischen Herausforderungen mit sich bringt wie in den deutschen Gewässern, wo die Entfernung zur Küste größer ist und der Meeresgrund deutlich tiefer. Allerdings fehlt in Amerika noch jegliche Infrastruktur für große Meereswindparks; die Errichterschiffe zum Beispiel dürften deshalb aus Europa über den Atlantik geschickt werden.  Siemens wird seine Offshore-Turbinen im dänischen Produktionswerk von Esbjerg bauen und dann nach Nordamerika verschiffen. Windturbinen, die an Land zum Einsatz kommen, fertigt Siemens in Amerika  dagegen in eigenen Fabriken

          An dem Park Cape Wind laufen die Vorarbeiten schon seit mehreren Jahren, 2010 erhielt er die ersten behördlichen Genehmigungen. Auf den Weg gebracht hat das Projekt der amerikanische Energieunternehmer Jim Gordon, der auch Präsident der Gesellschaft Cape Wind ist, aber schon im Jahr 2001.  Gordon gründete 1975 das Unternehmen Energy Management Inc. und machte es in den Folgejahren zu einem der größten unabhängigen Energieerzeuger Amerikas.

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