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Amerika : Der Fracking-Krieg am Gartenzaun

Die einen sorgen sich um die Umwelt: Demonstranten vor einer Veranstaltung der Demokratischen Partei Bild: Polaris /Studio X

Fracking hat Amerika einen Rohstoff-Boom beschert. Die umstrittene Methode zur Förderung von Erdgas und Öl könnte bald ins New Yorker Umland kommen. Die einen fürchten Umweltrisiken, die anderen hoffen auf einen Geldsegen.

          6 Min.

          Bauer Joe ist bei Sue Rapp untendurch. „Früher habe ich bei dem meine Äpfel gekauft, das ist jetzt vorbei“, schimpft sie, während sie an einem Grundstück in ihrem Heimatort Vestal vorbeifährt. Bei einer Spritztour durch die Kleinstadt im Bundesstaat New York hat die 57 Jahre alte Psychotherapeutin über viele Nachbarn etwas zu erzählen, und Kontrahenten wie der einstige Obstlieferant kommen dabei nicht gut weg. Denn der würde nur allzu gerne sein Grundstück für „Hydraulic Fracturing“ oder „Fracking“ zur Verfügung stellen, die umstrittene Methode zur Förderung von Erdgas und Öl, die hier bald Einzug halten könnte. Sue Rapp hat sich an die Spitze einer Bürgerbewegung in Vestal gesetzt, um das zu verhindern.

          Sue Rapp hat sich an die Spitze einer Bürgerbewegung in Vestal gesetzt, um das Fracking zu verhindern.
          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Gouverneur Andrew Cuomo will in Kürze entscheiden, ob Fracking in dem Bundesstaat erlaubt wird. Vor ein paar Monaten sickerte durch, dass er über eine eingeschränkte Freigabe in dem dünnbesiedelten Landstrich um Kleinstädte wie Vestal und Binghamton nachdenkt, gut drei Autostunden von der Metropole New York City entfernt. Diese Region sitzt auf riesigen Erdgasvorkommen, sie ist zudem strukturschwach und könnte einen Impuls dringend gebrauchen. Seit Bekanntwerden von Cuomos Erwägungen tobt der Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern, und in Vestal lässt sich gut beobachten, wie unversöhnlich die Lager sind. Viele Einwohner haben Schilder pro oder contra Fracking vor ihren Häusern aufgestellt. In manchen Straßen gibt es ein wahres Schildermeer, oft wechselt die Botschaft von einem Haus zum nächsten ins Gegenteil. Das schafft Animositäten, wie Sue Rapp selbst weiß: „Mein Nachbar und ich sprechen nicht mehr miteinander.“

          Goldgräberstimmung in vielen Regionen

          Fracking hat Amerika einen Rohstoff-Boom beschert, der aber mit einer Fülle von Fragezeichen und Kontroversen verbunden ist. Die Technik erlaubt es, Erdgas oder Öl aus Schiefergestein tief in der Erde abzubauen. Das ist viel komplizierter als aus konventionellen Quellen und galt lange als unwirtschaftlich, bis ein texanischer Unternehmer in den späten neunziger Jahren mit der Fracking-Methode den Durchbruch schaffte: Beim Fracking wird erst vertikal oft mehrere Kilometer tief bis zum Schiefergestein gebohrt, bevor die Bohrung eine Kurve macht und horizontal weiter verläuft. In die Bohrstelle wird dann unter hohem Druck eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien gepresst, um das Gestein aufzubrechen, damit das eingeschlossene Erdgas oder Öl frei wird. Die horizontale Bohrung erlaubt es, große Vorkommen auf einmal zu erschließen.

          Die anderen wollen die Arbeitsplätze: Fracking-Werbung an der Grenze zu Pennsylvania

          Die Methode eröffnete Zugang zu gewaltigen Rohstoffreserven und sorgte für Goldgräberstimmung in vielen Regionen Amerikas. Fracking kam zunächst vor allem zur Förderung von Erdgas zum Einsatz. Dieses Schiefergas hat zwischen 2005 und 2010 die amerikanische Erdgasproduktion um fast 20 Prozent steigen lassen, und die Vereinigten Staaten haben mittlerweile Russland als größten Erdgasförderer der Welt abgelöst. Das bringt das Land, das seine Vorräte fossiler Brennstoffe noch vor wenigen Jahren zur Neige gehen sah, auf einmal in eine ganz andere Position und verringert die Abhängigkeit von Rohstoffen anderer Staaten.

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