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Aufschwung : Amerika befreit sich aus der Stagnation

Amerikas Arbeiter haben auch mehr verdient. Bild: dpa

Die Einkommen sind 2015 so stark gestiegen wie noch nie in den letzten 50 Jahren.

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          Der Aufschwung kommt endlich beim amerikanischen Normalbürger an: Der durchschnittliche Haushalt in den Vereinigten Staaten hatte 2015 ein um 5,2 Prozent höheres Einkommen als 2014. „Das ist eine große Sache“, kommentierte Präsident Barack Obama diese außergewöhnlich positive Entwicklung. Die frischen Zahlen kommen  vom amerikanischen Statistischen Bundesamt, das weiter präzisierte: Das reale Jahres-Einkommen eines mittleren Haushalts (Median-Haushalt) betrug voriges Jahr 56.516  Dollar, 2800 mehr als im Jahr 2014. Das ist nicht nur der höchste Anstieg seit 49 Jahren, als dieser Art Messungen begannen, Es ist auch der erste Anstieg seit 2007, als die Rezession in Amerika ihren Anfang nahm.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Alle Einkommensklassen haben 2015  mehr Geld eingenommen als 2014, die größten Gewinner waren aber die zehn Prozent am unteren Ende der Einkommensskala, die ein um acht Prozent höheres Einkommen erzielten, die prozentualen Zuwächse nehmen tendenziell ab, je höher die Einkommensklasse ist Die Mittelschicht verzeichnet Zuwächse um 5 Prozent, die 20 Prozent am oberen Ende verzeichnen Zuwächse zwischen drei und vier Prozent. Damit bleibe zwar  die Ungleichheit groß, doch die Indikatoren zeigten eine bescheidene Dämpfung der Ungleichheit.

          Gleichzeitig kann die Regierung Fortschritte in der Armutsbekämpfung vermelden: 3,5 Millionen Menschen sind von 2014 bis 2015 der Armut entronnen, die Armutsquote sank auf 13, 5 Prozent oder 43,1 Millionen Menschen. Das ist der größte Erfolg seit den neunziger Jahren. Mehr als 10 Prozent der Familien waren 2015 arm, im Vorjahr waren es mehr als elf Prozent. Als Armutsgrenze ist für eine vierköpfige Familie ein Einkommen  von 24.257 Dollar definiert.

          Die Einkommen von Frauen in Vollzeitarbeitsplätzen sind etwas schneller gewachsen als die der Männer, weshalb auch die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern langsam zu schwinden scheint. Dem Weißen Haus zufolge weisen erste Daten von 2016 in eine ähnlich positive Richtung. Die Regierung nährt damit die Hoffnung, dass der Aufschwung robuster sein könnte als gedacht. Vor wenigen Wochen hatten Ökonomen noch vor der Möglichkeit einer neuen Rezession gewarnt.       

          Eine einzige Gruppe allerdings scheint abgekoppelt von der positiven Entwicklung: Das rurale Amerika, wo die Einkommen im Jahresverlauf um zwei Prozent schrumpften. In den Kernen der Metropolen dagegen stiegen die Einkommen sogar um mehr als sieben Prozent, in den Vorstädten wenigstens noch um vier Prozent. Damit werden Konturen eines neuen Bildes der wirtschaftlichen Erholung deutlich. Sie konzentriert sich mehr und mehr auf die Großstadtregionen, die auch das spärliche Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten fast alleine produziert haben.      

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