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American Airlines : Chapter 11 ist in Amerika häufig der letzte Rettungsanker

NEW YORK/FRANKFURT, 28. März. Für amerikanische Unternehmen ist der Gläubigerschutz häufig der letzte Rettungsanker. Ein Verfahren nach Chapter 11 des dortigen Konkursrechts schützt angeschlagene Gesellschaften vor ihren Gläubigern, während sie ihr Geschäft neu ausrichten.

          Für amerikanische Unternehmen ist der Gläubigerschutz häufig der letzte Rettungsanker. Ein Verfahren nach Chapter 11 des dortigen Konkursrechts schützt angeschlagene Gesellschaften vor ihren Gläubigern, während sie ihr Geschäft neu ausrichten. Darum bemühen sich zur Zeit Unternehmen mit so prominenten Namen wie Worldcom, Global Crossing, Kmart oder Enron. Am Ende steht jedoch nicht immer ein Erfolg.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Zahlreiche Reisende zum Beispiel, die im vergangenen Herbst zur Computermesse Comdex Flüge mit der Gesellschaft National Airlines gebucht hatten, erfuhren erst kurz vor Messebeginn, daß die Flugzeuge von National leider nicht mehr nach Las Vegas abheben würden. Zwar hatte National mit Hilfe des Chapter 11 die Wettbewerber zuvor mit Kampfpreisen geärgert, die Sanierung aber war nicht gelungen.

          Das Leben schwergemacht

          Beim Telekommunikationskonzern Worldcom sieht es besser aus. Doch in diesem Fall weisen Kritiker der Chapter-11-Regelungen darauf hin, daß das Konkursrecht dringend notwendige Marktbereinigungen oft verhindere. Gesunden Unternehmen werde durch Gesellschaften, die bei ihrer Preisgestaltung auf Aktionäre und zum Teil auch auf Kreditgeber keine große Rücksicht mehr nehmen müssen, das Leben schwergemacht.

          Die UAL Corp., die Muttergesellschaft der zweitgrößten Fluggesellschaft United Airlines, hat die Möglichkeiten des Verfahrens bisher ebenfalls stark genutzt. So konnte United von Angestellten und Geschäftspartnern höhere Konzessionen durchsetzen, als es ohne den Schutz durch Chapter 11 möglich gewesen wäre. Schließlich hatte United die Zahlungsunfähigkeit auch deswegen nicht vermeiden können, weil es der Geschäftsführung nicht gelungen war, ausreichende Zugeständnisse der Gewerkschaften auszuhandeln.

          Einigung mit Piloten über Tarifvertrag

          Mit den Piloten hat sich United jüngst auf einen vorläufigen neuen Tarifvertrag geeinigt. Damit kann die Fluggesellschaft über eine Zeitspanne von sechs Jahren 6,6 Milliarden Dollar einsparen. Im Gläubigerschutz muß ein Unternehmen bestimmte Sparziele erreichen. United etwa hat in dieser Woche nach eigenen Angaben die ersten Zielvorgaben für den Barmittelzufluß erfüllt, an die die Gewährung eines Zwischenkredits über 1,5 Milliarden Dollar gebunden war.

          Das hatte direkt mit einigen Möglichkeiten zu tun, die das Gläubigerschutzverfahren bietet. So mußte United in den ersten 60 Tagen nach dem Konkursantrag keine Zahlungen für geleaste Flugzeuge leisten. Der Konkursrichter hatte zudem die sperrige Mechanikergewerkschaft dazu verurteilt, freiwillige Lohnkonzessionen der anderen Berufsgruppen bei United zu übernehmen. Die Einsparungen bei den Lohnkosten belaufen sich jetzt auf 70 Millionen Dollar im Monat - einer der Gründe, warum United Ende Februar mehr Barmittel zur Verfügung hatte als erwartet.

          Neue Verträge senken die Kosten

          "Es ist keine Neuigkeit, daß Chapter 11 manchmal zur Liquidation führt", sagte UAL-Vorstandschef Glenn Tilton. United habe aber nicht vor, unterzugehen. Eine solche Befürchtung hatten einige Analysten vor dem Hintergrund des Krieges im Irak geäußert. United fordert nun auch die Aufhebung der bisherigen Tarifverträge mit den Gewerkschaften.

          Neue Verträge würden nach Ansicht des Unternehmens die Kosten senken und die Produktivität erhöhen. United will sich zudem vom Konkursrichter zusätzliche Zwangslohnkürzungen über eine Zeitspanne von drei Monaten absegnen lassen, falls verschiedene Gläubiger die Kreditkonditionen nicht verändern wollen.

          US Airways wiederum, die sechstgrößte amerikanische Fluglinie, steht sogar schon kurz vor dem Ende ihres Konkursverfahrens. Das Unternehmen konnte den Gläubigerschutz ebenfalls nutzen, um Kosten und Schulden zu minimieren. Gewinnbringend ist das Chapter-11-Verfahren in jedem Fall für die damit betrauten Berater. Fachleute schätzen, daß Anwälte und Umstrukturierungsfachleute von Worldcom rund 1 Milliarde Dollar an Honoraren erhalten werden. Beim untergegangenen Energiehändler Enron liegt die Summe bei geschätzten 700 Millionen Dollar.

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