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Streit um Regenwald : Bolsonaro wettert mit manipuliertem Video gegen Norwegen

  • -Aktualisiert am

Jair Bolsonaro setzt weiterhin auf Konfrontation. Bild: AFP

Brasiliens Präsident Bolsonaro ist wütend auf Norwegen, weil das Land seine Zahlungen für einen Regenwald-Fonds einstellt. Jetzt verbreitet er ein Video von blutigen Walfang-Szenen – die allerdings gar nicht aus Norwegen stammen.

          Erst legte sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro mit Deutschland an, jetzt begibt er sich in eine Fehde mit Norwegen. Nachdem auch Norwegen am Freitag die Zahlungen für einen Fonds für den Amazonas-Regenwald eingestellt hat, prangert Bolsonaro nun die Walfangtradition der Norweger an. „Schauen Sie sich das von Norwegen geförderte Gemetzel an den Walen an“, schrieb er auf Twitter und postete dazu ein Video.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Video dazu stammt allerdings gar nicht aus Norwegen, sondern von den Färöer Inseln. Darüber hatten zunächst brasilianische Medien berichtet. Die Tierschutzorganisation „Sea Shepherd“, die in dem Video als Quelle genannt wird, bestätigte das nun gegenüber der F.A.Z.: „Diese Aufnahmen stammen von den Grindwalfang-Jagden auf den dänischen Färöer-Inseln. Das Video ist nicht aus Norwegen und wurde auch nicht an dem angegeben Datum gedreht.“ Das von Bolsonaro verbreitete Video sei schlecht bearbeitet, greife aber auf das Material der Organisation zurück.

          Streit mit Deutschland

          Ende vergangener Woche hatte Norwegen angekündigt, seine Zahlungen an den Amazonas-Fonds einzustellen. Mit insgesamt 1,2 Milliarden Dollar finanzierte Norwegen bisher den größten Teil. Insgesamt belief sich das Budget auf 1,3 Milliarden Dollar.

          Zuvor hatte Deutschland mitgeteilt, seine Zahlungen einzustellen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) reagierte damit auf Meldungen, wonach der brasilianische Regenwald immer schneller abgeholzt werde. Die auf Eis gelegten Fördermittel der Bundesregierung beliefen sich auf 35 Millionen Euro.

          Bolsonaro hatte spöttisch auf die Ankündigung aus Deutschland reagiert: „Ich möchte der lieben Frau Merkel noch eine Nachricht übermitteln. Nehmen Sie die Knete, und forsten Sie damit Deutschland auf. Dort ist es viel nötiger als hier“, sagte Bolsonaro in einem Pressegespräch.

          Gemäß einem Frühwarnsystem des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung INPE waren allein im Juli 2254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Das sei fast viermal so viel wie im gleichen Vorjahresmonat und entspreche dem Verlust von drei Fußballfeldern Regenwald je Minute. Bolsonaro zieht die auf Satellitenbeobachtungen gestützten Daten des INPE ebenso wie den globalen Klimawandel in Zweifel.

          Vergangene Woche feuerte er den renommierten Wissenschaftler Ricardo Galvão vom Chefposten des INPE und ersetzte ihn durch einen hörigen Militär. Die Veröffentlichung solcher „unglaubwürdigen“ Daten sei unverantwortlich und beschmutze das Ansehen Brasiliens auf der Welt, hatte Bolsonaro bemängelt.

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