https://www.faz.net/-gqe-9q4gv

Wegen Regenwald-Abholzung : Norwegen stellt Zahlungen für Amazonas-Fonds ein

  • -Aktualisiert am

Ein Holzfäller fällt in Manaus in Brasilien einen Baum im Amazonas-Regenwald. Bild: dpa

„Nehmen Sie die Knete, und forsten Sie damit Deutschland auf“, riet Bolsonaro, weil Deutschland Zahlungen in einen Amazonas-Fonds eingestellt hatte. Jetzt zieht Norwegen nach. Der Betrag ist allerdings weitaus größer.

          Deutschland hat ein Ende seiner Zahlungen für einen Amazonas-Fonds angekündigt, jetzt zieht Norwegen nach. Der Klimaminister des Landes Ola Elvestuen sagte der Tageszeitung „Dagens Næringsliv“, Brasilien halte sich nicht an die Vereinbarung zum Schutz des Regenwaldes.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gestern hatte Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro mit seiner spöttischen Reaktion auf das teilweise Ende der deutschen Zahlungen für Aufsehen gesorgt: „Ich möchte der lieben Frau Merkel noch eine Nachricht übermitteln. Nehmen Sie die Knete, und forsten Sie damit Deutschland auf. Dort ist es viel nötiger als hier“, sagte Bolsonaro in einem Pressegespräch.

          Mit insgesamt 1,2 Milliarden Dollar finanzierte Norwegen bisher den größten Teil des Amazonas-Fonds. Insgesamt belief sich das Budget auf 1,3 Milliarden Dollar. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte am Wochenende angesichts der zuletzt alarmierenden Meldungen über eine beschleunigte Abholzung des brasilianischen Regenwaldes angekündigt, Fördermittel ihres Hauses von 35 Millionen Euro für die Aufforstung des Regenwaldes und den Schutz der Biodiversität auf Eis zu legen.

          Auch Frankreich droht

          Gemäß einem Frühwarnsystem des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung INPE waren allein im Juli 2254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Das sei fast viermal so viel wie im gleichen Vorjahresmonat und entspreche dem Verlust von drei Fußballfeldern Regenwald je Minute. Bolsonaro zieht die auf Satellitenbeobachtungen gestützten Daten des INPE ebenso wie den globalen Klimawandel in Zweifel. Vergangene Woche feuerte er den renommierten Wissenschaftler Ricardo Galvão vom Chefposten des INPE und ersetzte ihn durch einen hörigen Militär. Die Veröffentlichung solcher „unglaubwürdigen“ Daten sei unverantwortlich und beschmutze das Ansehen Brasiliens auf der Welt, hatte Bolsonaro bemängelt.

          Frankreichs Regierung droht, das jüngst vereinbarte Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur nicht zu ratifizieren, wenn Brasilien keinen ausreichenden Schutz von Umwelt und Menschenrechten garantiere. Vergangene Woche düpierte Bolsonaro den französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian. Nachdem Le Drian sich mit Umweltgruppen in Brasilien getroffen hatte, sagte Bolsonaro ein geplantes Treffen mit Le Drian ab und ging stattdessen zum Frisör.

          In der vergangenen Woche hatte sich Bolsonaro über Merkel und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und deren Kritik an Brasiliens Regenwaldpolitik lustig gemacht. Vor Unternehmern sagte er: „Ihr glaubt nicht, was für ein Vergnügen es war, mich mit Macron und Angela Merkel zu unterhalten.“ Macron und Merkel hätten noch nicht gemerkt, dass Brasilien eine neue Regierung habe, spottete Bolsonaro, der den vorangegangenen Regierungen vorwirft, unterwürfig alle Vorgaben des Auslands erfüllt zu haben.

          In der Bundesregierung ist die Haltung zu Brasilien offenbar umstritten. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte nach dem Finanzierungsstopp des Umweltministeriums, sein Haus werde an den Finanzhilfen für den Regenwaldschutz in Brasilien festhalten. Deutschland zahlte bisher 55 Millionen Euro in einen Amazonasfonds ein. Er habe bei seinem kürzlichen Besuch in Brasilien ein „offenes und konstruktives Gespräch“ mit dem brasilianischen Umweltminister Ricardo Salles geführt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.