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Amazon-Gründer Jeff Bezos : Im Höhenflug

Jeff Bezos: Außergewöhnliches Hobby Bild: AFP

Milliardäre lieben mitunter außergewöhnliche Hobbys, mit denen sie manchmal dann auch höchst exotische Arbeitsplätze schaffen. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat nun seine Raumfähre erstmals abheben lassen.

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          Milliardäre lieben außergewöhnliche Hobbys, mit denen sie manchmal dann auch höchst exotische Arbeitsplätze schaffen. Jeff Bezos zum Beispiel, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Internethändlers Amazon.com, ist sogar Multimilliardär. Sein Vermögen wird auf 4,7 Milliarden Dollar geschätzt. Damit kann man eine Menge machen. Zum Beispiel eine Raumfähre entwickeln und Raketeningenieuren Arbeit bieten. Der Amerikaner, der den Handel im Internet gleichsam erfunden hat und längst nicht mehr nur Bücher verkauft, blickt schon lange über die Grenzen des Internets hinaus. Bezos will ins Weltall fliegen. Dazu hat er im Jahr 2000 das Unternehmen Blue Origin gegründet, das in Seattle, dem Stammsitz von Amazon, und auf einer riesigen, abgelegenen Ranch in Texas Raumschiffe entwickelt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          "Blue Origin ist meine Passion. Der erste Start ins All wird zwar noch mindestens sechs oder sieben Jahre auf sich warten lassen. Aber es ist keine Frage - ich möchte definitiv da hochfliegen", hat der Amazon-Chef schon vor einiger Zeit dieser Zeitung gesagt. Die Raumfahrt fasziniert ihn, seitdem er ein kleiner Junge war. Die Weltraumfähre soll wiederverwendbar sein und drei oder vier Personen ins Weltall tragen. Sie wird "New Shepard" heißen und die Passagiere zumindest in einer Höhe von 100 Kilometer ein paar Minuten die Schwerelosigkeit erleben lassen. Und erst jetzt erfuhr die Welt von einem ersten Teststart, der schon am 13. November auf Bezos' Farm in Texas stattgefunden hat.

          Der Prototyp mit dem Namen "Goddard", der nach dem Raketenpionier Robert Goddard benannt worden ist, gleicht dem in den neunziger Jahren von der amerikanischen Raumfahrtagentur Nasa entwickelten Delta Clipper und hat beim Jungfernflug nach einem senkrechten Start eine Höhe von 90 Metern erreicht. Goddard wird von neun Antrieben mit Wasserstoffperoxyd und Kerosin in die Luft gehoben. Bezos schreibt auf der Website, dass man "geduldig, mutig und Schritt für Schritt" (getreu dem Wappenmotto "Gradatim Ferociter!") daran arbeiten werde, die Kosten für Weltraumflüge zu senken, "so dass wir Menschen besser die Erkundung des Sonnensystems fortsetzen können". Letztlich dürfte es Bezos aber wohl um nichts anderes als um den Einstieg in den Weltraumtourismus gehen.

          Mit der Vorstellung des Prototyps werden gleichzeitig weitere Ingenieure und vor allem ein technisch begabter und erfahrener Raketeningenieur als Teamleiter gesucht. Bezos, der 1964 im amerikanischen Bundesstaat New Mexico geboren wurde, gar nicht so weit von seinem Raketentestgelände entfernt, ist die Sache ernst. Dafür spricht schon die Geschichte von Amazon, eine typisch amerikanische Erfolgsstory, entstanden aus dem felsenfesten Glauben an eine Idee und einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit. Das dürfte auf das Weltraumabenteuer von Bezos übertragbar sein.

          Denn Jeff zeigte, so wird kolportiert, schon als Kleinkind eine herausragende technische Begabung, als er eines Tages sein Gitterbettchen mit Hilfe eines Schraubenziehers zerlegte. Die Garage seiner Eltern soll er in ein Labor für wissenschaftliche Projekte verwandelt und sich brennend für Computer interessiert haben. Schließlich studierte Bezos an der Princeton University und machte 1986 seinen Studienabschluss in Informatik und Elektrotechnik "summa cum laude". Auf der Amazon-Internetseite hat er eigene Rezensionen von Büchern über den Weltraum publiziert. Seinen Labrador hat er nach dem nur eingefleischten Fans bekannten Charakter "Kamala" aus der Weltraumserie "Star Trek" benannt.

          Der Brite Richard Branson ist mit seinem Unternehmen Virgin Galactic, das mit dem Raumschiff "SpaceShipOne" sechs Passagieren für 200 000 Dollar einen suborbitalen Flug anbieten will, allerdings sogar schon etwas weiter. Im Jahr 2004 hat das "SpaceShipOne" einen Preis für einen Flug auf eine Höhe von 100 Kilometern gewonnen.

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