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Amazons Alleinherrschaft : Kartellamt ebnet den Weg zum Monopol

  • -Aktualisiert am

Was sind damit die Aussichten im Fall „Bundeskartellamt gegen Amazon“? Wahrscheinlich ähnlich wie im Fall Facebook. Bild: AP

Im Missbrauchsverfahren gegen Amazon wird es schwerfallen, dem Online-Händler eine marktbeherrschende Stellung nachzuweisen. Die Schwierigkeiten hat sich das Amt selbst zuzuschreiben.

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          Nach Jahren des Abwartens hat das Bundeskartellamt den amerikanischen Anbieter Amazon ins Visier genommen und ein Missbrauchsverfahren eingeleitet. Es soll geprüft werden, ob der Online-Riese seine Marktposition zu Lasten seiner aktiven Marktplatz-Partner ausnutze. Dabei geht es vor allem um die Geschäftsbedingungen und die Verhaltensweisen von Amazon gegenüber den Marktplatz-Anbietern. Etliche dieser Händler hatten sich beklagt, dass Haftungsregeln zu ihren Lasten gingen. Darüber hinaus stehen intransparente Kündigungen und Sperrungen von Konten sowie einbehaltene oder verzögerte Zahlungen im Raum. Amazon sei der größte Online-Händler in Deutschland und betreibe den mit Abstand größten Online-Marktplatz in Deutschland. In dieser Kombination liege ein potentielles Risiko für Behinderungen von anderen Anbietern auf der Plattform, zumal viele Händler und Hersteller beim Online-Vertrieb auf die Reichweite von Amazon angewiesen seien.

          Ungewöhnlich an diesem Verfahren ist: An keiner einzigen Stelle der offiziellen Mitteilung über das Verfahren argumentiert das Bundeskartellamt, wie sonst üblich, mit dem Schutz des Verbrauchers vor einem Monopol. Dabei ist genau dieser Schutz die Grundidee hinter dem deutschen Kartellrecht. Es soll den Endkunden davor schützen, dass ein Monopolist nach Belieben Sortiment und Preise in einem Sektor bestimmen kann. Das Problem ist nur, dass aus dem durchaus diskutablen Verhalten Amazons gegenüber seinen Marktplatz-Händlern dem Endkunden eigentlich keine Nachteile erwachsen.

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