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Altersvorsorge : Die Sparer und der gierige Staat

Anleger sind dieser Tage unsicher, wie sie ihr Geld für die Altersvorsorgen am besten anlegen sollen. Bild: Wresch, Jonas

Erst drängt der Staat seine Bürger in die private Vorsorge. Dann greift er nach dem Vermögen. Sparen für das Alter ist so schwer wie nie. Neue Regeln sind nötig.

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          Spätestens seit Rentenministerin Ursula von der Leyen Alarm schlägt und das Wort „Altersarmut“ in die Mikrofone spricht, fühlt sich mancher unangenehm an seine größte Verdrängungsleistung erinnert: die Verweigerung des Nachdenkens über die eigene Rente.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer allerdings nun doch mit dem Kalkulieren beginnt, wird schnell ziemlich ärgerlich. Die seit Jahren formulierte Forderung der Politiker jeglicher Couleur, zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat vorzusorgen, kommt einem angesichts der Turbulenzen auf den Kapitalmärkten wie wohlfeiles Geschwätz vor.

          Was schlagen sie denn vor, die Freunde der Privatrente? Bundesanleihen oder Sparbriefe, deren mickriger Zins von der Inflation gefressen wird? Eine Bundesanleihe mit einer aktuellen Rendite von 1,5 Prozent ist in zehn Jahren nur noch rund drei Viertel wert, wenn etwa die jüngst vom renommierten Ökonomie-Professor Barry Eichengreen in dieser Zeitung als harmlos apostrophierte Inflation von vier Prozent Wirklichkeit wird. Selbst wenn das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent eingehalten werden sollte, schrumpelt die Bundesanleihe fast wie ein Boskop-Apfel im Winterkeller (auf 93 Prozent).

          Erträge schmelzen

          Anlagenotstand - ein sperriges Wort macht nun schon länger die Runde. Leider geht es nicht darum, dass ein paar anonyme Asset-Manager Probleme haben, Profite für ihre Fonds herauszuschlagen. Vielmehr wissen die Verwalter unserer für die private Vorsorge angesparten Milliardensummen im Moment nicht, wo sie das ganze Geld hinbringen sollen, auf dass es noch Rendite abwirft.

          Millionen Menschen zittern mit ihren Lebensversicherungen, ob diese den Garantiezins noch halten können. 17 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben überdies ihr Geld in Pensions- oder Betriebsrentenkassen, in Versorgungswerken oder bei ihrem eigenen Arbeitgeber angelegt. Bisher haben die Profis dieser Einrichtungen die verwalteten rund 190 Milliarden Euro in gewünscht spießige Titel investiert. Nach Schätzungen stecken bis zu 90 Prozent ihrer Anlagegelder in sicheren Staatsanleihen und Pfandbriefen mit langer Laufzeit. Noch retten die alten Bundesanleihen mit höheren Zinsen die Ertragsstatistik der Geldmanager, doch jeden Tag müssen große Summen neu zu Niedrigzinsen angelegt werden. Die Erträge schmelzen dahin.

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          Fonds, eine andere wichtige Säule der privaten Vorsorge, sind da nicht besser. Man vermutet ja, dass es statistisch nicht signifikant ist, wenn sich regelmäßig die Blicke von Gesprächspartnern verschleiern, sobald die Rede auf ihre Fonds kommt, auf Aktien-, Renten- oder Mischfonds. Gute Sache, hieß es einmal. Und die passende Aufforderung der Hypovereinsbank lautete: „Leben Sie. Wir kümmern uns um die Details.“

          Wie gerne hätte man es so gehalten, wären da nicht die Aktienfonds Europa. Fonds mit diesem Anlageschwerpunkt haben binnen fünf Jahren 27 Prozent verloren. Das geht aus einer Auflistung der deutschen Fondsgesellschaften-Vereinigung BVI vom 31. Juli hervor. Fonds der Klasse Aktien Deutschland büßten in dieser Zeitspanne dagegen nur 15 Prozent ein. Rentenfonds gewannen dagegen, Mischfonds lagen dazwischen. Das Bild wird erst dann deutlich besser, wenn man die Wertentwicklung für zehn Jahre oder 20 Jahre betrachtet.

          Die Ertragszahlen der Fondsvereinigung sind natürlich nur Durchschnittswerte. Es kann besser laufen, aber auch schlechter. Wer sich seine Fonds bei den größten deutschen Fondsgesellschaften besorgt, gehört in der Regel nicht zu den Gewinnern seiner Klasse.

          War da noch was? Ja. Offene Immobilienfonds, Schiffsfonds, Öko-Papiere. Diese einst vielversprechenden Anlageklassen leiden schon länger an Schwindsucht, entweder weil die Steuerprivilegien abgeschafft wurden oder weil sie die Anleger nicht mehr ausbezahlen können wie die Immobilienfonds.

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