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F.A.Z. exklusiv : Aus Angst vor Altersarmut zahlen viele freiwillig mehr Rentenbeiträge

Lohnt es sich, für einen entspannten Ruhestand freiwillig mehr in die Rentenkasse einzuzahlen? Bild: dpa

Besonders viele Versicherte stecken mehr Geld in die Rentenkasse, um spätere Abschläge zu vermeiden. Der Ausgleich einer Rentenkürzung von 108 Euro im Monat kostet zur Zeit rund 24.300 Euro.

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          Das Weihnachtsgeschäft mag nur langsam in Gang kommen, dafür läuft das Rentenzusatzgeschäft der Sozialversicherung besser denn je. Die gesetzliche Rentenversicherung profitiert aktuell davon, dass viele von der Möglichkeit Gebrauch machen, mit Sonderzahlungen Abschläge bei einem vorzeitigen Renteneintritt zu vermeiden – oder schlicht ihre Bezüge aufzustocken, wenn sie bis zum Schluss weiterarbeiten. So haben sich diese Einnahmen in diesem Jahr um nicht weniger als 25 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum erhöht.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wie die Deutsche Rentenversicherung Bund anlässlich ihrer Vertreterversammlung an diesem Donnerstag berichtet, überstiegen von Januar bis Oktober die Einnahmen aus Beiträgen zum Ausgleich von Rentenabschlägen die Schwelle von 600 Millionen Euro. Zum Vergleich: In den ersten zehn Monaten 2021 betrugen die freiwilligen Beitragszahlungen etwa 480 Millionen Euro. Im November und Dezember gab es zudem einen Jahresendspurt. Insgesamt wurden 2021 rund 752 Millionen Euro an Beiträgen zum Ausgleich von späteren Rentenminderungen an die Rentenversicherung gezahlt. Schon das war ungewöhnlich viel gewesen. Fünf Jahre zuvor waren es gerade einmal 86 Millionen Euro gewesen.

          Kommendes Jahr wird es noch teurer

          Weshalb gibt es dieses Jahr nochmals ein so kräftiges Plus? „Ein Grund für den Anstieg der Beiträge in diesem Jahr wird wohl sein, dass Versicherte noch von günstigeren Rahmenbedingungen beim Ausgleich von Abschlägen profitieren können, wenn sie sich bis zum Jahresende für eine Sonderzahlung entscheiden“, meint Christian Amsinck, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund. Von Januar 2023 an werden nach seinen Angaben die Beiträge, die für den Ausgleich von Rentenabschlägen zu zahlen sind, rund 11 Prozent höher sein. Grund ist, dass das Durchschnittsentgelt aller Versicherten im kommenden Jahr höher sein wird als in diesem. Es steigt von 38.901 Euro auf 43.142 Euro. Das Durchschnittsentgelt entscheidet, wie viel ein Rentenpunkt kostet, also der künftige Rentenanspruch.

          Das reguläre Rentenalter steigt derzeit schrittweise von 65 auf 67 Jahre, der Jahrgang 1958 geht mit 66 in Rente, der Jahrgang 1961 mit 66,5 Jahren. Wer beispielsweise drei Jahre früher aufhören will mit der Arbeit, muss einen Rentenabschlag von 10,8 Prozent in Kauf nehmen – rentenlebenslang. Wer das nicht will, kann die Abzüge mit Sonderzahlungen ausgleichen. Das dürfen alle, die mindestens 50 Jahre alt sind und zum geplanten Renteneintritt mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen können.

          Die Rentenversicherung nennt folgendes Beispiel: Bei einer Rente von 1000 Euro macht sich der 10,8-Prozent-Abschlag mit monatlich 108 Euro weniger bemerkbar. Um diesen Abschlag auszugleichen, müssten zurzeit rund 24 300 Euro eingezahlt werden. Alle Sonderzahler behalten das Recht, erst im regulären Alter in Rente zu gehen – mit erhöhten Rentenbezügen.

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