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Alternative Landwirtschaft : Neuer Garten dank Permakultur

Paradiesisch effizient: Der Anbau auf Hügeln vergrößert die Anbaufläche, erzählt Rose, die älteste Tochter des Gartenbesitzers. Hierher kommen Besucher aus aller Welt. Bild: Christian Schubert

Auf diesem Hof in der Normandie wachsen Würmer, Möhren und Euros. Die Besitzer brauchen weder Gift noch Traktoren – ihnen genügt die Natur. Doch reicht das, um ein Vorbild für eine neue Form der Landwirtschaft zu sein?

          8 Min.

          Auf diesem Hof ist nichts, wie es der erste Blick vermuten lässt. Ein verblichenes, wackeliges Holztor verbarrikadiert den Eingang, doch nach Eingabe eines Sicherheitscodes an einer Tastatur öffnet es sich wie ein moderner Tresorschrank. Im Innern schaffen normannische Fachwerkhäuser die Stimmung alter Bauernidylle, dabei ist hier fast nichts älter als zweieinhalb Jahrzehnte. Die Grünanlagen wirken durcheinandergewürfelt ohne jede Ordnung. Doch der Ansatz von Kraut und Rüben hat hier Prinzip.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Willkommen in einer der produktivsten Gemüseanbaustätten von Frankreich und darüber hinaus. Die „Ferme biologique du Bec Hellouin“ sieht aus wie von gestern, aber erhebt für sich den Anspruch, ein Modell für die Landwirtschaft der Zukunft zu sein – im Norden wie im Süden der Welt. Ist das berechtigt?

          Der Segler und die Wirtschaftsjuristin

          Vor seinem reetgedeckten Wohnhaus mit hellblauen Fensterläden bittet Charles Hervé-Gruyer am langen Holztisch Platz zu nehmen. Dass der 60 Jahre alte Franzose diesen persönlich zugesägt hat, versteht sich rasch von selbst. Der hochgewachsene Franzose mit schlohweißem Haar und drahtigem Körper ist ein Mehrfach-Aussteiger; einer, der sich über die Dinge in der Welt viele Gedanken macht, dabei aber auch gerne selbst anpackt. Seine Biographie zeugt davon und wirkt fast stereotyp: Gut zwei Jahrzehnte lang umsegelte er auf einem umgebauten Lastkahn die Welt, nahm im Rahmen eines Erziehungsprojektes Hunderte von Jugendlichen auf seinen Entdeckungen zu entlegenen Naturvölkern mit, schrieb Bücher und drehte Dokumentarfilme darüber.

          Später lernte er Perrine kennen, eine ehemalige Basketballspielerin, fünfzehn Jahre jünger. Auch sie hatte die Welt bereist, vor allem den asiatischen Teil, doch als etablierte Wirtschaftsjuristin. Bald darauf begann ihre gemeinsame Reise in die Welt des Obst- und Gemüseanbaus.

          Sie wurden sesshaft. Anfangs, im Jahr 2004, wollte das Ehepaar einfach in der ländlichen Normandie leben und die Familie, die sich bald um zwei Töchter erweiterte, auf natürliche Art ernähren. Doch vieles ging daneben. „Wir hatten ja von nichts eine Ahnung, wir mussten alles lernen. Zu Beginn war es schwer“, erinnert sich Charles. Doch die beiden sind ehrgeizig, sie kämpften. Sie durchstöberte abends das Internet nach den neuesten Forschungsberichten, er fand Schriften über die Mikro-Landwirtschaft in Kalifornien oder die Pariser Gemüsegärtner des 19. Jahrhunderts.

          Ohne Traktor, dafür nah an der Natur

          Die Suche nach einer sinnvollen Gegenwart führte sie also auch in die Vergangenheit. Das alte Paris: Auf kleinen Flächen und mit viel Pferdemist ausgerüstet, ernährten die Gärtner die französische Hauptstadt und exportierten darüber hinaus in die Nachbarländer. Hohe Produktivität auf wenig Raum zu erzielen – diese Idee faszinierte Charles und Perrine von Anfang an. Und so dauerte es nicht lange, bis sie auf das Konzept der Permakultur stießen. Sie ist ein Gegenentwurf zur konventionellen Landwirtschaft, der noch mehr als der klassische Bioanbau die Bedürfnisse der Natur berücksichtigt. Tiere, Pflanzen und Menschen sollen in weitgehender Harmonie auf ihre Kosten kommen – selbstverständlich ohne chemische Pflanzenschutzmittel und sogar ohne Mechanisierung.

          Für Charles gibt es in der Landwirtschaft von heute einen Bösewicht: den Traktor. „Sobald du einen Traktor hast, um den Boden zu bearbeiten, entfernst du dich von der Natur. Du bist gezwungen, einen Betrieb zu haben, der überhaupt nicht mehr dem Ökosystem gleicht.“

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