https://www.faz.net/-gqe-78jym

„Alternative für Deutschland“ : Haste mal ’ne Mark?

Die höchste Parteispende für die AfD waren 5000 Euro. Bild: Lüdecke, Matthias

Die Anti-Euro-Partei braucht dringend ein paar Euro. Die Großspender zögern, und die Kleinspender sind eben Kleinspender.

          4 Min.

          Vor dem bundesweiten Parteitag vom 14. April in Berlin kannten 22 Prozent der Bundesbürger die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Das ergab einen Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach für die F.A.Z. Jetzt werden es etwas mehr sein, nachdem auch Fernsehsender in die Berichterstattung eingestiegen sind. Für die kurze Lebensdauer der Partei ist das nicht schlecht, sagt der Wahlkampfprofi Frank Stauss, Chef der Werbeagentur „Butter“. Gemessen an der Ambition der Partei, in den Bundestag zu kommen, ist es allerdings wenig.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Partei müsste dafür unbedingt bekannter werden. Wenn man kein Geld für Reklame hat, dann behilft man sich mit PR, sagt Stauss: „Man muss Aussagen treffen, die so richtig durchschlagen.“ Gemeint sind Sätze, die von Medien aufgegriffen werden, weil sie griffig und einprägsam sind. Auf einem Sonderparteitag der Berliner SPD im Jahre 2001 sagte Klaus Wowereit den Satz: „Ich bin schwul. Und das ist auch gut so.“ Das war kostenlos. Später wurde Wowereit Regierender Bürgermeister der Hauptstadt und gerne eingeladener Gast in vielen Talkshows. Rund 92 Prozent der Leute kennen den Mann, ergab eine Umfrage von TNS Infratest 2011.

          580.000 Euro hat die „Alternative für Deutschland“ gesammelt

          Die Wowereit-Nische ist besetzt. Die „Alternative für Deutschland“ ist überdies bisher noch nicht durch Sätze mit großer Durchschlagskraft aufgefallen. Das Führungspersonal besteht aus seriösen Leuten, der Frontmann Bernd Lucke ist ein Professor der Ökonomie, der viele andere forschende Volkswirte gewonnen hat, die er nicht durch zu forsche Aussagen verprellen will. Lucke habe das „Charisma eines Schluck Wassers“, sagt Stauss.

          Zu diesem Problem gesellt sich, unter PR-taktischen Gesichtspunkten betrachtet, ein weiteres, das mit Dramaturgie zu tun hat. Werbeprofi Stauss, der gerade das Buch „Höllenritt Wahlkampf“ fertiggestellt hat, sagt: „Eine Kampagne, die bis zum Wahltermin am 22. September am Leben bleibt, braucht ständig neue Höhepunkte, die von den Massenmedien bereitwillig begleitet werden.“ Der erste große Auftritt war die Gründungsversammlung am 14. April. Aber was kommt als Nächstes?

          Frontmann Bernd Lucke
          Frontmann Bernd Lucke : Bild: AFP

          Wenn also die Berichterstattung allein nicht reicht, um die Partei bekannt und beliebt zu machen, dann muss Geld für Marketing her. Die großen Parteien SPD und CDU hatten in den beiden vergangenen Bundestagswahlkämpfen jeweils 20 Millionen Euro und mehr zur Verfügung, die kleinen Parteien Grüne, Linke und FDP zwischen drei Millionen und fünf Millionen Euro. Alternative-Sprecher Bernd Lucke hatte die sehr grobe Zahl von drei Millionen Euro als Ziel seiner Fundraising-Bemühungen angegeben. Das ist Ausdruck besonderen Ehrgeizes, zumal die Partei ohne staatliche Zuwendungen auskommen muss. Wer noch nicht ein Prozent der Stimmen bei einer Landtagswahl oder 0,5 Prozent der Stimmen bei einer Bundestags- oder Europawahl bekommen hat, hat keinen Anspruch auf Staatshilfe. Ein echter Nachteil für die AfD. Ihre Wettbewerber decken ein Viertel bis ein Drittel ihrer Ausgaben aus staatlichen Mitteln.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Coinbase-Gründer Brian Armstrong in San Francisco im Jahr 2016

          Brian Armstrong : Der Mann hinter dem digitalen Goldrausch

          Keine 30 Jahre war Brian Armstrong alt, als er mit Coinbase ein Unternehmen gründete, das heute wertvoller als die New Yorker Börse ist. Er ähnelt den findigen Geschäftsleuten, die während des Goldrauschs im Wilden Westen Schaufeln und Spitzhacken verkauften.
          Quantencomputer von IBM

          Quantencomputer : Wunderwaffe für die deutsche Industrie?

          Eine Zukunftstechnologie, die von Google, IBM und Co. beherrscht wird, für den deutschen Mittelstand? Die Entwicklung beflügelt die Phantasie und könnte für manche Branchen ziemlich wichtig werden.
          Blick auf die Eliteuniversität Harvard in Cambridge, Massachusetts

          Exzellenzinitiative : Es gibt noch immer kein deutsches Harvard

          Die Exzellenzinitiative wollte deutsche Hochschulen in die Ranglisten internationaler Spitzenunis führen. Dieses Ziel wurde verfehlt – und doch der deutschen Forschung zu einer größeren Sichtbarkeit verholfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.