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Alter Bundesbank-Bunker : Fort Knox an der Mosel

So hätte das Ersatzgeld ausgesehen. Rückseite des 100-Mark-Scheins. Bild: Bundesbank

In einem Bunker an der Mosel hat die Bundesbank im Kalten Krieg eine geheime Ersatzwährung versteckt - für den Fall eines Krieges, einer Hyperinflation oder einer Falschgeldflut. Jetzt wird der Bunker Museum.

          Die Angst ums Geld ist eine besondere. Seit jeher manchen sich Menschen Sorgen um ihre Währung. Was wohl passiert, wenn Münzen und Scheine ihren Wert verlieren und noch nur ein Stück Metall sind, ein Fetzen Papier? Heute ist es die Währungspolitik der Europäischen Zentralbank, die sogar einen Versicherungskonzern wie die Munich Re dazu bringt, einen zweistelligen Millionenbetrag in bar und Gold in eigenen Tresoren zu bunkern, wie der Konzernchef erst dieser Tage einer verblüfften Öffentlichkeit beichtete.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Im Kalten Krieg war es die Angst vor einem Atomschlag, die selbst die Bundesbank zu ungewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen trieb. Im Moselörtchen Cochem, weit weg vom Trubel, bunkerten die Währungshüter sogar eine eigene Notstandswährung. Mitten in einem Wohngebiet lagerten dort über viele Jahre Millionen Scheine der Parallelwährung "BBk II". Geld im Gegenwert von 15 Milliarden Mark, übereinandergestapelt in einem Bunker 30 Meter tief unter der Erde. 

          Eine atomare Druckwelle, so hoffte man damals, würde über das enge Moseltal hinwegfliegen. Auch für den Fall einer  Hyperinflation oder einer Falschgeldflut aus dem Ostblock wollte die Bundesregierung zahlungsfähig bleiben. Ein kleines Team von Bundesbankern sollte vor Ort nach der Katastrophe die Einführung einer neuen Währung sicherstellen.

          Ein Büroraum im ehemaligen Bundesbank-Bunker in Cochem. Bilderstrecke

          Für die Bundesregierung war im Ernstfall die Bunkeranlage „Marienthal“ im Ahrtal vorgesehen - mit deren Bau etwa zur gleichen Zeit begonnen wurde.

          Für die neue Währung hatte die das ehemalige Anwesen eines Arztes samt angrenzender Grundstücke gekauft – ein  9000 Quadratmeter Areal, direkt an einem Berg gelegen, 100 Kilometer vom Hauptsitz in Frankfurt entfernt.

          Zwei Jahre benötigte Hochtief für den Bau des Bunkers, der offiziell als Schulungs- und Erholungsheim der Bank gekennzeichnet war. Eine eigene Stromversorgung samt Tiefbrunnen sollte den Bunker im Notfall eine zeitlang unabhängig machen.  

          Der 300 Meter lange Komplex beherbergte neben einer Küche mit kleinem Speisesaal auch zwei Dekontaminierungszonen sowie Schleusen in den Eingangsbereichen. Sogar an einen Totenraum war gedacht.

          Im Falle eines Atomkriegs hätten 175 Menschen bis zu 14 Tage in dem Bunker überleben können. Im Alltag sind Menschen aber nur selten in die „Monetenstollen“ gekommen. Alle drei Monate schickte die Bundesbank Prüfer vorbei, die das Geld sichteten, ansonsten herrschte Ruhe.

          Anwohner, die sich über den Baulärm beschwerten, war gesagt worden sie bekämen einen normalen Zivilschutzbunker. Die Banker in den Seminaren im Schulungsheim haben angeblich  am Swimmingpool des Vorbesitzers sogar nächtliche Feste gefeiert, ohne etwas vom Milliardenvermögen unter ihnen zu ahnen. Nur wenige eingeweihte Prüfer und der Schulungsleiter seien eingeweiht gewesen, der einzige Schlüssel zu dem als eine Art Doppelgarage getarnten Bunkereingang habe in der Hauptverwaltung der Bundesbank in Frankfurt gelegen.

          1994 verkaufte die Bundesbank die „Immobilie“ an die Vereinigte Volksbank Cochem, die in einem Teil Schließfächer einbaute. Der größere Teil des Bunkerkomplexes ist erhalten geblieben.

          An diesem Freitag wird der Bunker für die Öffentlichkeit frei gegeben, als Museum und Dokumentationsstätte. Das Geld allerdings ist schon weg. 1988, noch vor dem Mauerfall, wurde  der Milliardenschatz mit Lastwagen abtransportiert und durch den Reißwolf gejagt.

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