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Allensbach-Umfrage : Mehr Wirtschaft, weniger Staat

  • -Aktualisiert am

Der Abgeordnete Eckhard Gnodtke (CDU) sitzt während einer Debatte im Bundestag vor einer Reihe leerer Stühle. Bild: dpa

Laut einer Umfrage genießt die soziale Marktwirtschaft so viel Vertrauen wie lange nicht. So sieht eine Mehrheit der Befragten die wichtigste Herausforderung der kommenden Jahre darin, die Wirtschaft nach der Pandemie zu stabilisieren.

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          Das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft ist so hoch wie lange nicht. 54 Prozent der Menschen haben eine gute Meinung vom deutschen Wirtschaftssystem. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2005, als dies nur 25 Prozent der Bürger sagten. Allerdings machen sich viele Bürger Sorgen, ob durch die Corona-Krise die soziale Spaltung der Gesellschaft zunimmt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach unter rund 1000 Bürgern ab 16 Jahren, die im Auftrag der von der Metallindustrie finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) entstanden ist.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Als wichtigste Aufgabe in den kommenden Jahren betrachtet eine Mehrheit von 52 Prozent, dass es nach der Corona-Krise wirtschaftlich schnell wieder bergauf geht. Dagegen halten es nur 30 Prozent der Befragten für die vordringlichste Aufgabe, soziale Unterschiede zu verringern. Das ist insofern bemerkenswert, weil zugleich 73 Prozent erwarten, dass die Pandemie die sozialen Unterschiede in Deutschland vergrößert. Spannend wird sein, ob sich der gewünschte Vorrang von wirtschaftlichen vor sozialen Fragen auch in den Ergebnissen der anstehenden Wahlen widerspiegeln wird.

          38 Prozent der Befragten halten die aktuellen Eingriffe des Staates in die Wirtschaft für überzogen, 31 Prozent empfinden sie als angemessen, nur 5 Prozent wünschen sich stärkere staatliche Eingriffe. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn es um die grundsätzliche Haltung zum staatlichen Einfluss auf das Wirtschaftssystem geht. Nur eine Minderheit von 8 Prozent der Befragten ist davon überzeugt, dass es ihnen persönlich besser ginge, wenn der Staat stärker in wirtschaftliche Abläufe eingreifen würde. 39 Prozent sagen, ihnen ginge es wahrscheinlich schlechter. Im Jahr 2005 glaubten noch 12 Prozent der Befragten, dass es ihnen mit mehr staatlichem Einfluss besser gehen würde, nur 33 Prozent, dass dies schlechter wäre.

          „Der Wirtschaft wird ein hohes Maß an Effizienz zugeschrieben“, sagte Institutsleiterin Renate Köcher. Über den Staat würden das dagegen die wenigsten sagen. Auffällig seien allerdings die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. „Nach wie vor steht die ostdeutsche Bevölkerung dem Wirtschaftssystem deutlich distanzierter gegenüber als die westdeutsche“, heißt es in der Auswertung.

          Für bemerkenswert hält Köcher, dass 32 Prozent der Bürger erwarten, dass Corona die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft schwächen wird. „Die Bürger schätzen die Perspektiven deutlich schlechter ein als Wirtschaftsforschungsinstitute, Politik und die Wirtschaft selbst.“ Über die jüngsten Vorwürfe, die Wirtschaft teste zu wenig und ermögliche zu wenig Homeoffice, zeigte sich Köcher erstaunt. „Mich wundert, warum die Politik nicht würdigt, welche Anstrengungen die Wirtschaft unternimmt.“

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