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Allensbach-Umfrage : Bürger befürchten Zwei-Klassen-Medizin

Ärzte wechseln in einem Krankenhaus in Berlin einen Herzschrittmacher aus. Bild: dpa

Eine neue Untersuchung zeigt: Ärzte und Bevölkerung stellen der Gesundheitsversorgung in Deutschland grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus. Doch viele Menschen erwarten steigende Beiträge – und nicht nur das.

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          387 Milliarden Euro: So viel Geld wurde im vergangenen Jahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland ausgegeben, mehr als eine Milliarde Euro am Tag. Da ist es kaum verwunderlich, dass die große Mehrheit der Bevölkerung sowie der Ärzte der Gesundheitsversorgung in Deutschland weiter ein gutes Zeugnis ausstellt. Allerdings gibt es auch viele Klagen. Und die Sorgen wachsen, ob die flächendeckende ambulante Versorgung in Zukunft aufrecht erhalten werden kann – und was das kostet. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für den Finanzdienstleister MLP unter 1200 Bürgern und mehr als 500 Ärzten, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ein wesentlicher Grund für diese Sorgen ist der Personalmangel: Der Befragung zufolge verschärft sich der Ärztemangel, insbesondere in Ostdeutschland, in den strukturschwachen Gebieten und in den Krankenhäusern. So geben in Ostdeutschland schon heute 38 Prozent der Bevölkerung an, dass in ihrer Region Ärzte fehlen; unter den niedergelassenen Ärzten teilt sogar mehr als jeder Zweite diese Einschätzung. Aber auch in Westdeutschland sowie in eher groß- und mittelstädtisch geprägten Regionen wird die Lage kritischer gesehen als noch vor drei Jahren, dem Zeitpunkt der letzten Erhebung.

          Das hat auch mit der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte zu tun. Viele würden in den nächsten Jahren aus dem Beruf ausscheiden und die Mehrheit sehe Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden – besonders für Praxen auf dem Land, sagt Allensbach-Chefin Renate Köcher. Ein Großteil sieht medizinische Versorgungszentren als eine gute Möglichkeit, dem etwas entgegenzusetzen.

          Kritik an der Qualität der Versorgung wächst

          Zunehmend kritisch ist darüber hinaus die Personalsituation in den Krankenhäusern. Mehr als jeder zweite Klinikarzt berichtet, dass es an seinem Krankenhaus zu wenig Ärzte gebe, viele müssen deshalb nach eigener Auskunft mehr Patienten versorgen. Sowohl leitende Chef- und Oberärzte als auch Assistenzärzte geben an, dass die Belastung steige. So kommt es, dass mit 61 Prozent der Krankenhausärzte eine deutliche Mehrheit über fehlende Zeit für die Patienten klagt (2016: 50 Prozent). Rund drei Viertel sind zudem überzeugt, dass in den Krankenhäusern bei der Behandlung der Patienten verstärkt wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen und therapeutische Gesichtspunkte an Bedeutung verlieren.

          Solch strukturelle Probleme spiegeln sich auch in der Wahrnehmung der Qualität der Versorgung. Zwar beurteilen die weitaus meisten Ärzte diese als gut oder sehr gut. Und die Bevölkerung teilt diese Einschätzung, wie frühere Allensbach-Erhebungen zeigen. Allerdings mehren sich im Vergleich zu früheren Jahren die kritischen Stimmen. Immerhin jeder fünfte Klinikarzt urteilt heute, die Versorgungsqualität in den Krankenhäusern sei weniger oder gar nicht gut. Vor drei Jahren war es erst knapp jeder zehnte. Die Reformen der vergangenen Jahre im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes haben aus ihrer Ansicht bislang kaum etwas bewirkt.

          Eine Herausforderung bleiben auch die überfüllten Notaufnahmen: Klagen, dass in die Notaufnahmen viele Patienten kommen, die eigentlich keine Notfälle sind, sind weit verbreitet. Drei Viertel der Krankenhausärzte gibt an, das sei bei ihnen häufig der Fall. Die gute Nachricht lautet: Viele halten das Problem für lösbar. So plädiert ein Teil der Krankenhausärzte dafür, Gebühren von Patienten zu verlangen, die ohne Dringlichkeit die Notaufnahme aufsuchen. Viele versprechen sich Entlastung durch eine bessere Notfallversorgung der niedergelassenen Ärzte.

          Langes Warten auf den Arzttermin

          Viele Bürger treiben hingegen insbesondere die zum Teil langen Wartezeiten auf einen Arzttermin um. Die Klagen hierüber sind noch einmal gestiegen und viele erwarten durch die neu eingerichteten Terminservicestellen keine Verbesserungen. Jeder Dritte hat zudem das Gefühl, dass ihm schon einmal bestimmte Behandlungen oder Medikamente aus Kostengründen vorenthalten wurden, wobei gesetzlich Krankenversicherte von solchen Erfahrungen deutlich häufiger berichten. Offenbar nicht zu unrecht: Fast jeder zweite Arzt bestätigt, dass das bei ihm schon einmal vorgekommen sei.

          Wie wird sich die Gesundheitsversorgung in Deutschland in den kommenden zehn Jahren entwickeln? Viele Ärzte sind eher pessimistisch: 60 Prozent rechnen mit Verschlechterungen, jeder Vierte befürchtet sogar deutliche Qualitätsverluste. Die Bevölkerung hingegen ist in dieser Frage optimistischer. 72 Prozent erwarten jedoch, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung weiter steigen werden. In diese Richtung deuten auch Berechnungen des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Das Minus in der gesetzlichen Krankenversicherung werde sich im Jahr 2040 auf fast 50 Milliarden Euro belaufen, wenn die Politik nicht rechtzeitig gegensteuere, heißt es in der Studie. Der Beitragssatz müsste demnach von derzeit 14,6 Prozent schrittweise auf 16,9 Prozent erhöht werden.

          Der Allensbach-Umfrage zufolge sind zugleich 60 Prozent der Bevölkerung überzeugt, dass es immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Medizin kommen wird. Sie erwarten, dass Patienten die Kosten für Arztbesuche, Medikamente oder Operationen künftig verstärkt selbst tragen müssen und dass sich Wohlhabende eine gute Versorgung werden leisten können, während die Mittelschicht und finanziell schwächere Teile der Bevölkerung schlechter versorgt werden.

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