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Alan Greenspan : Der Magier der Geldpolitik

Nachdenklich wie immer Bild: AP

Gelegentlich wurde er als „mächtigster Mann der Welt“ bezeichnet. Die Börsianer hängen an seinen Lippen. Sein Ruf ist legendär - trotz einiger Fehltritte. Jetzt geht Alan Greenspan.

          4 Min.

          Alan Greenspan ist eine lebende Legende. "Einen Anspruch auf den Titel des größten Zentralbankers, der jemals gelebt hat", bescheinigen ihm die Princeton-Ökonomen Alan Blinder und Ricardo Reis. "Der beste aller amerikanischen Zentralbankpräsidenten", findet Allan Meltzer, einer der führenden monetaristischen Ökonomen. "Außerordentlich gute Noten" erteilt ihm auch der bekannte Stanford-Professor John Taylor, einer der möglichen Nachfolger Greenspans.

          Jackson Hole ist der Name eines Ferienorts im amerikanischen Bundesstaat Wyoming, umgeben von den majestätischen Teton-Bergen und nicht weit vom berühmten Yellowstone-Nationalpark entfernt. In Jackson Hole findet jedes Jahr die wichtigste geldpolitische Tagung der Welt statt, erstklassig besetzt mit prominenten Geldpolitikern und namhaften Ökonomen.

          „Mächtigster Mann der Welt“

          Das diesjährige Thema bildete die 18 Jahre währende Amtszeit Alan Greenspans als Vorsitzender der amerikanischen Zentralbank, des Federal Reserve Board (Fed). Alleine das Sujet verdeutlicht die außerordentliche Prominenz des 79 Jahre alten, immer noch sehr fit wirkenden Greenspan, um den sich ein Personenkult gebildet hat wie noch um keinen anderen Geldpolitiker. Gelegentlich wird der Amerikaner in Medien gar als "mächtigster Mann der Welt" bezeichnet - eine Überhöhung, auch wenn Greenspan fraglos zu den einflußreichsten Männern in der Wirtschaftswelt zählt.

          Denn obgleich die Fed nur für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten zuständig ist, beeinflußt sie als Zentralbank der größten Wirtschaftsnation der Welt auch die Geldpolitik auf anderen Kontinenten. "Wir können uns nicht vollständig emanzipieren", räumt ein europäischer Geldpolitiker ein.

          In seiner Bilanz gibt es auch Passivposten

          Der Grund, eine Bilanz der Ära Greenspan zu ziehen, bildet das Ausscheiden des Amerikaners aus seinem Amt Ende Januar 2006. Dann endet sein viertes und letztes Mandat. Manche der Lobeshymnen auf Greenspan, die zu hören und zu lesen sind, erinnern an verfrühte Nekrologe. Lob wird selbst von ansonsten zu ätzender Kritik neigenden amerikanischen Starökonomen großzügig verteilt, während sich Bedenken in Nebensätzen verstecken. Doch in Greenspans Bilanz gibt es auch Passivposten.

          Der wichtigste Grund für die hohe Wertschätzung des Fed-Chefs bildet die insgesamt sehr erfreuliche Wirtschaftsentwicklung in Amerika seit seiner Ernennung 1987 (siehe auch: Die wichtigsten Stationen des Alan Greenspan). In dieser Zeit hat das Land drei lange Konjunkturaufschwünge bei nur zwei kurzen und milden Rezessionen erlebt. Das Wirtschaftswachstum war rege bei fallender Inflationsrate, gleichzeitig entstanden 27 Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze. Von einer solchen Bilanz kann Europa nur träumen.

          Das große Greenspan-Rätsel

          Greenspans Leistung ist um so herausragender, als die politische und wirtschaftliche Großwetterlage während seiner Amtszeit unruhig war. Kurz nach seiner Ernennung fand im Herbst 1987 ein schwerer Börsenkrach statt, Amerika führte zwei Kriege gegen den Irak, Krisen in Rußland und Südostasien bedrohten die Stabilität der Finanzmärkte, und an den außerordentlichen Boom der "New Economy" Ende der neunziger Jahre schloß sich ein schwerer Zusammenbruch an. Außerdem weisen die Amerikaner ein sogenanntes "Zwillingsdefizit" auf - hohe Fehlbeträge in Leistungsbilanz und Staatshaushalt.

          Das große Greenspan-Rätsel beginnt mit der naheliegenden Frage, welcher Art von Geldpolitik der Amerikaner eigentlich seine Erfolge verdankt. Denn rasch zeigt sich, daß die Fed unter Greenspan überhaupt keine Strategie verfolgte, wie sie die moderne Wirtschaftstheorie empfiehlt. Damit steht die Fed im Gegensatz zur EZB und zu anderen Zentralbanken, die zumindest versuchen, ihrer Politik eine theoretische Fundierung zu geben.

          Geldpolitik als Kunst

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