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Nach Protestwochenende : Aktivisten besetzen nächsten Braunkohle-Bagger

  • Aktualisiert am

Ein Bagger im Tagebau Garzweiler Bild: Picture-Alliance

Schon wieder haben Aktivisten einen Braunkohle-Bagger besetzt. Dabei hatte „Ende Gelände“ seine Aktionen eigentlich für beendet erklärt. Laut Polizei haben sich die Aktivisten in Höhe von 70 bis 80 Metern festgemacht.

          Aktivisten haben am frühen Montagmorgen abermals einen Braunkohle-Bagger im Rheinischen Revier besetzt. Laut Polizei hat sich die Gruppe an einem Bagger im Tagebau Hambach in einer sehr großen Höhe von 70 bis 80 Metern festgemacht. In den Sozialen Medien waren am Morgen Fotos zu sehen, auf denen die Gruppe ein Banner am Bagger mit dem Spruch „Bagger und Macker wegboxen“ befestigt hatte.

          Die Polizei weiß nach eigenen Angaben noch nicht, wie viele Menschen sich auf dem Bagger befinden und zu welcher Gruppierung sie gehören. Das Bündnis „Ende Gelände“ teilte am Morgen im Internet zwar ein Foto der Besetzung, schrieb aber auch, dass ihre eigene Aktion beendet sei. „Ende Gelände“ hatte mit Hunderten Teilnehmern am Samstag unter anderem den Tagebau Garzweiler gestürmt. Seit Sonntagmittag war das Gebiet laut Polizei wieder geräumt.

          Am Wochenende hatten mehrere Hundert Klimaschützer den Braunkohle-Tagebau Garzweiler besetzt. Die Polizei war daraufhin bis zum frühen Sonntagmorgen im Dauereinsatz. Vielfach wurden Aktivisten von dem RWE-Betriebsgelände entfernt, während einige von ihnen nach offiziell unbestätigten Angaben ihres Bündnisses Ende Gelände auch auf dem Gelände festgehalten wurden.

          Der kürzlich ins EU-Parlament gewählte Michael Bloss (Grüne) twitterte, dass festgehaltene Menschen zusammenbrechen würden, weil sie nicht mit Nahrung und Getränken versorgt würden. Die Polizei dementierte diesen Vorwurf auf Twitter, die festgehaltenen Personen erhielten vielmehr „seit Stunden“ eine Versorgung mit Getränken. Zudem warnte die Polizei Nordrhein-Westfalen davor, die Abbruchkante im Tagebau hochzuklettern. Dort bestehe Lebensgefahr.

          Verletzte Polizisten

          Hunderte Demonstranten hatten am Samstag laut Polizei teils mit Gewalt Sperren durchbrochen, dabei wurden acht Polizisten verletzt. Die Beamten setzten ihrerseits Pfefferspray ein. Die Kohlegegner von Ende Gelände prangerten via Twitter „Polizeigewalt“ an.

          Über verletzte Aktivisten machte die Polizei in der Nacht keine Angaben, ebenso wenig wie über die Zahl in Gewahrsam genommener Menschen. Allerdings berichtete sie über eine versuchte „Gefangenenbefreiung“ im Tagebau Jackerath und rief die überwiegend in weiße Papier-Overalls gekleideten Demonstranten auf, friedlich und kooperativ zu sein.

          RWE hatte nach Angaben eines Sprechers zunächst vier von sechs Produktionseinheiten inklusive Baggern aus Sicherheitsgründen gestoppt.

          Zuvor am Samstag hatten sich einem Protestmarsch der Klimaschutzbewegung Fridays For Future am Vormittag auch Familien und ältere Menschen angeschlossen. Die Organisatoren sprachen von 8000 Teilnehmern bei den störungsfreien Aktionen.

          Im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe warnen Wissenschaftler: Der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl müsste viel stärker und schneller reduziert werden. Aber die Zusagen aller Länder der Welt reichen zurzeit bei weitem nicht, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Danach soll die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden.

          Diese ist schon voll im Gange: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um rund ein Grad aufgeheizt seit der vorindustriellen Zeit um 1750. Geht es weiter wie bisher, ist sie Ende dieses Jahrhunderts wohl gut drei Grad wärmer. Zu den Folgen gehören je nach Region mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

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