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Aktionärsschützer kritisiert Commerzbank-Chef : „Kann man mit 500.000 Euro nicht leben?“

Verdient wieder besser: Commerzbank-Chef Martin Blessing Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Commerzbank hat das Gehalt ihres Vorstandsvorsitzenden fast verdreifacht, nun regt sich heftige Kritik. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hält die neuen Bezüge für „vollkommen unangemessen“, die Commerzbank verteidigt sich nach Kräften.

          Für den Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank ist die Zeit der Bescheidenheit vorbei: Wie das Institut am Freitag bestätigte, erhält Blessing in diesem Jahr ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro. Hinzu kommen noch leistungsabhängige Boni. Bislang war sein Gehalt auf 500.000 Euro gedeckelt, weil sein Institut in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden musste. Da die Commerzbank im Mai vergangenen Jahres mehr als die Hälfte der Staatshilfe zurückgezahlt hat, entfiel diese juristische Obergrenze – und nach ein paar Monaten Wartezeit rief der Aufsichtsrat im Dezember auch das Ende der freiwilligen Bescheidenheit aus.

          Aktionäre „quasi enteignet“

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Ob die Gehaltserhöhung rechtlich gesehen in Ordnung ist, daran hat Markus Kienle seine Zweifel. Der Rechtsanwalt sitzt im Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die die Interessen von Kleinaktionären vertritt. Kienle weist darauf hin, dass Paragraph 87 des Aktiengesetzes bestimmt, dass die Gehälter von Vorständen „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds sowie zur Lage der Gesellschaft stehen“ müssen. Genau das bezweifelt Kienle. Das neue Geschäftsmodell der Bank habe noch nicht Fuß gefasst, der Aktienkurs liege derart niedrig, dass die Aktionäre der Bank „quasi enteignet“ worden seien.

          Kienle, der bei der SdK für den Bereich „gute Unternehmensführung“ verantwortlich ist, hat jenseits der juristischen auch jede Menge moralische Zweifel am neuen Salär des Commerzbank-Chefs. „Ich neide niemandem sein Geld, aber der Maßstab muss doch die Leistung sein.“ Trotz mancher Erfolge Blessings sei dessen Gehalt in dieser Hinsicht „vollkommen unangemessen“. Auch den Einwand, dass Blessing im Vergleich mit anderen Vorstandsvorsitzenden noch immer wenig verdiene, lässt Kienle nicht gelten: „Wenn Blessing doch angeblich so gut ist, warum geht er dann nicht zu einer anderen Bank?“, fragt er. Und: „Kann man mit 500.000 Euro etwa nicht leben?“

          Commerzbank: Reguläres Gehalt eingesetzt

          Die absolute Höhe von Blessings Gehalt darf der Sprecher der Commerzbank Armin Guhl nicht kommentieren. Die Festlegung sei Sache des Aufsichtsrats. Allerdings ist Guhl mit dem Begriff „Gehaltserhöhung“ nicht einverstanden. Blessings derzeit gültige Vergütung sei von den Aktionären während der Hauptversammlung 2010 genehmigt und anschließend im Geschäftsbericht ausgewiesen worden. In den vier Jahren seit 2008 sei Blessings Salär zwar gedeckelt gewesen, nun aber handele es sich lediglich um die „Einsetzung seines regulären Gehalts“.

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