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Weg aus der Staatshilfe : Aktionäre kritisieren vage Lufthansa-Pläne

Der Lufthansa-Konzern kauft zehn neue Langstreckenflugzeuge und will seine eigene Flotte in der Summe dennoch ausdünnen. Bild: dpa

Mit dem Kauf von zehn neuen Flugzeugen will der Konzern ein Zeichen der Hoffnung und für das Klima setzen. Aber die Anteilseigner hören wenig Konkretes, wann und in welcher Höhe sich die Lufthansa frisches Kapital besorgen will.

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          Los ging es mit dem Klima. Noch bevor die Deutsche Lufthansa am Dienstagmorgen ihre Aktionäre zur Hauptversammlung per Videoübertragung überhaupt zusammenschaltete, verkündete der staatlich gestützte Konzern den Kauf von zehn neuen Langstreckenflugzeuge. „Allein durch diese zehn neuen Flugzeuge werden wir in den nächsten zehn Jahren eine Million Tonnen CO2-Emissionen vermeiden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr den Anteilseignern.

          Timo Kotowski
          (tko.), Wirtschaft

          Nebeneffekt für Luftfahrtbegeisterte: Der Konzern wird schon zum Winter fünf sogenannte Dreamliner vom Boeing-Typ 787 einsetzen können. Andere Airlines nehmen diese schon weit gebauten Flieger vorerst nicht ab. Lufthansa dürfte sie günstig erhalten, man nutze „antizyklische Opportunitäten“, meinte Spohr.

          Zusammen mit dem Chemiekonzern BASF will der Konzern binnen eines Jahres zudem auf zehn Frachtflugzeugen einen neuen - Haifischhaut nachempfundenen - Film auftragen. Der soll die Luftreibung verringern und somit ebenfalls Emissionen senken – allerdings nur in begrenztem Maß: Der Schadstoffausstoß von umgerechnet 48 Hinflügen nach Schanghai ließe sich damit vermeiden.

          Dennoch soll der Schritt ein Baustein sein, um bis 2030 die CO2-Emissionen gegenüber dem Vorkrisenniveau zu halbieren, und bis 2050 will man CO2-neutral zu fliegen. „Nicht, weil wir müssen. Nicht, weil andere es wollen oder fordern. Sofern aus voller Überzeugung“, betonte Spohr. Mit den Klima-Ankündigungen baut der Lufthansa-Konzern vor, dass sich unter den 264 eingereichten Fragen von Aktionären viel Nachbohren zu Emissionen fand.

          Aktionäre blicken kritischer auf Emissionen

          „Wir werden die Lufthansa wie alle andere Unternehmen in Zukunft auch dran messen, wie glaubwürdig und verlässlich sie die Transformationen in eine nachhaltige Wirtschaft gestalten“, kündigte Michael Gierse, Fondsmanager von Union Investment, dem Vorstand schriftlich an. Die europäische Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) mahnte derweil, die jüngsten Kooperationen mit der Deutschen Bahn zur Verringerung von Inlandsflügen nicht überzubetonen. „Der Schritt bringt mehr für die Reputation der Lufthansa als für das Klima“, kritisierte T&E im Vorfeld der Versammlung. Inlandsflüge sorgten nur einen kleinen Teil der Luftfahrtemissionen.

          Ebenso wie das Klima standen auch die Finanzen des Konzerns – vor allem der Weg aus der im Sommer 2020 erhaltenen Staatshilfe – im Fokus. „Ohne das Rettungspaket wäre die Insolvenz unvermeidbar gewesen“, sagte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley noch zu Beginn der Versammlung. Mit anderen Worten: Der Konzern sei nur knapp einem schlimmeren Schicksal in der Corona-Pandemie entgangen. Der Weg zur Rückgabe des Hilfspakets ist dennoch zum Streitthema der Aktionäre geworden.

          Keinen „Blankoscheck“ ausstellen

          Umstritten war der Wunsch der Lufthansa-Führung , dass die Aktionäre den Weg frei machen für die Ausgabe neuer Aktien, die theoretisch 5,5 Milliarden Euro einbringen könnten. Diese Summe wäre schon erreichbar, wenn die Aktien nicht zum Börsenkurs, sondern lediglich zu ihrem Nennwert von 2,56 Euro ausgegeben werden würden. Einher ginge damit eine gewaltige Verwässerung der Anteile der bisherigen Aktionäre.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr wirbt auf der Hauptversammlung für die benötigten Eigenkapitalmaßnahmen.
          Lufthansa-Chef Carsten Spohr wirbt auf der Hauptversammlung für die benötigten Eigenkapitalmaßnahmen. : Bild: dpa

          Laut Plan könnten dreieinhalbmal so viele neue Aktien ausgegeben werden, wie es aktuell überhaupt gibt. Abermals betonte der Konzern, dass es in den Plan nur um einen theoretischen Wert gehe. Der ergebe sich aus der Höhe der zugebilligten stillen Einlagen des Bundes. Es sei nicht angestrebt, tatsächlich so viele Aktien zusätzlich in den Verkehr zu bringen. Wie viele es wann sein sollen, ließ der Konzern allerdings offen.

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