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Aktiensplit : Google schafft den Aktionär dritter Klasse

Umsatz und Ergebnis von Google sind im abgelaufenen Quartal gestiegen, die Werbeeinnahmen gingen allerdings zurück Bild: dpa

Die Google-Gründer sichern sich ihre Macht im Internetkonzern. Über einen Aktiensplit erhalten die Aktionäre weitere Papiere, das Sagen behalten jedoch Larry Page und Sergej Brin. Sinkende Werbeeinnahmen zwingen Google dazu, seine Strategie zu überdenken.

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          Der amerikanische Internetkonzern Google hat bei der Vorlage seiner Zahlen zum ersten Quartal mit Plänen für eine neue Aktienstruktur überrascht. Google will eine neue Klasse stimmrechtsloser Aktien schaffen, die an alle bisherigen Aktionäre ausgegeben werden. Das wird unmittelbar den Effekt eines Aktiensplitts haben, und die Aktien werden um die Hälfte billiger. Vor allem aber wird es auf längere Sicht dafür sorgen, dass die Kontrolle der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin erhalten bleibt, die zusammen mehr als 50 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Page und Brin wollen damit verhindern, dass ihr Stimmrechtsanteil verwässert wird, wenn Google Aktien zum Beispiel für Mitarbeitervergütung oder für Akquisitionen herausgibt. Für solche Zwecke sollen künftig die stimmrechtslosen Papiere eingesetzt werden, wobei Larry Page sagte, es sei derzeit keine „ungewöhnlich große Akquisition“ geplant.

          Die Google-Gründer haben schon anlässlich des Börsengangs im Jahr 2004 klargemacht, dass außenstehende Aktionäre nur begrenzten Einfluss bekommen werden. Von Anfang an gab es zwei Klassen von Anteilsscheinen: A-Aktien mit einem Stimmrecht und B-Aktien mit zehn Stimmrechten. Mit ihren B-Aktien sicherten sich Brin und Page mehr als die Hälfte der Stimmrechte. In einem Brief an die künftigen Aktionäre schrieben die Gründer damals: „Neue Investoren werden an der langfristigen wirtschaftlichen Zukunft von Google teilhaben, aber wenig Möglichkeiten haben, strategische Entscheidungen mit ihren Stimmrechten zu beeinflussen.“ Nun wiederholten die Gründer diese Philosophie und sagten, diese Struktur helfe Google, Entscheidungen mit einem längerfristigen Horizont zu treffen und nicht so sehr kurzfristigen Erwartungen der Finanzmärkte ausgesetzt zu sein. Sie nannten das Handy-Betriebssystem Android und die Videoplattform Youtube als Beispiele für Investitionen, die sich erst nach längerer Zeit ausgezahlt hätten.

          Mit dem nun angekündigten Schritt wird eine neue Klasse von C-Aktien ohne jegliche Stimmrechte entstehen, die an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden sollen. Page und Brin sagten, ihr vor rund zweieinhalb Jahren angekündigter Plan, bis 2015 einen kleineren Anteil ihrer Aktien zu verkaufen, sei von der neuen Struktur unberührt. Damals kündigten sie an, mit dem Verkauf würde ihr Anteil an den Stimmrechten von 59 auf 48 Prozent sinken und der Anteil am Gesamtkapital von 18 auf 15 Prozent.

          Dem Vorbild von Google mit einer Aktienstruktur, die viel Einfluss bei den Gründern lässt, sind auch andere Internetunternehmen gefolgt. Beim kurz vor dem Börsengang stehenden sozialen Netzwerk Facebook etwa hat der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg selbst Aktien mit einem Stimmrechtsanteil von 28 Prozent, zusätzlich hat er sich aber Stimmrechte von anderen Aktionären übertragen lassen und kommt damit auf 57 Prozent. Das im Dezember an die Börse gegangene Unternehmen Zynga hat drei Klassen von Aktien, der Vorstandsvorsitzende Mark Pincus hält rund 36 Prozent der Stimmrechte.

          Der Quartalsbericht von Google hatte Licht und Schatten zu bieten: Der Konzernumsatz legte im ersten Quartal um 24 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz abzüglich Provisionen an Partnerseiten, die von Analysten beobachtete Kennzahl, lag bei 8,1 Milliarden Dollar und damit auf Höhe der Erwartungen. Wie schon im vorangegangenen Quartal enttäuschte Google aber bei einer seiner Kennziffern für Anzeigen neben Ergebnissen von Suchanfragen, die für den größten Teil des Konzernumsatzes stehen. Google bekommt nur dann Geld, wenn Nutzer auf die Anzeigen klicken. Zwar stieg die Zahl der Klicks gegenüber dem Vorjahr deutlich, dafür gingen aber die Einnahmen je Klick ebenso wie im Schlussquartal 2011 zurück. Der Nettogewinn sprang um 61 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 10,08 Dollar war um 43 Cent besser als erwartet. Der Aktienkurs notierte am Freitag mit 2 Prozent im Minus.

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