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Tencent-Investor : Aktienrückkauf von Prosus verpufft

Bob van Dijk, CEO von Naspers und Prosus, posiert an der Amsterdamer Börse 2019. Viele Anleger kritisieren die Starke Abhängigkeit vom chinesischen Spielekonzern Tencent. Bild: Reuters

Ende November startete der für seine Beteiligung an dem chinesischen Internetriesen Tencent bekannte Konzern ein Rückkaufprogramm für eigene Aktien. Doch dessen Wirkung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

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          Warum in die Ferne schweifen? Eigentlich wollte Prosus-Chef Bob van Dijk international auf Einkaufstour gehen. Das hatte er beim Börsengang vor gut einem Jahr in Amsterdam angekündigt. Die Kasse des Unternehmens, des größten auf Konsumenten gerichteten Internetkonzerns Europas, ist gut gefüllt. Doch die Auswahl an Objekten ist begrenzt, die Preise sind hoch. Darum kauft Prosus nun bei sich selbst ein. Unlängst kündigte das Unternehmen ein fünf Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm an, um die Aktionäre bei Laune zu halten. Es sei ein vernünftiger und zeitgemäßer Einsatz des Kapitals, hieß es in einer Mitteilung.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Prosus ist eine Abspaltung des südafrikanischen IT-Konzerns Naspers. Im Gegensatz zu Apple, Facebook oder Amazon handelt es sich um eine Holdinggesellschaft mit einer bunten Sammlung von Beteiligungen an IT- und E-Commerce-Unternehmen rund um den Erdball, unter anderem am deutschen Essenslieferanten Delivery Hero. Häufig sind die Gesellschaften die Marktführer in ihren jeweiligen Ländern, oft ist Prosus der Hauptinvestor.

          Der mit Abstand größte „Fisch im Teich“ jedoch ist der chinesische Spiele- und Internetkonzern Tencent. Koos Bekker, Milliardär und früherer Naspers-Chef, war einst ein Glücksgriff gelungen, als sich Tencent noch in der Start-up-Phase befand. Die enorme Erfolgsgeschichte von Tencent führte dazu, dass Naspers für die Johannesburger Börse irgendwann zu groß wurde. Das Management entschied sich daher für die Abspaltung der internationalen Beteiligungen und den Gang an eine europäische Börse. Dort wollte es internationale Tech-Investoren gewinnen, um eine weitere Expansion außerhalb von Tencent zu finanzieren.

          Die Prosus-Anleger der ersten Stunde haben zumindest bis Ende vergangener Woche von den Rückkaufplänen profitiert. Der Aktienkurs kletterte seit dem Börsengang immerhin um rund 30 Prozent. Auch der Corona-Krise trotzt die Aktie. Doch so mancher Anleger blickt neidisch nach Fernost, wo der Tencent-Kurs noch stärker zugelegt hatte.

          Naspers-Investoren in Südafrika sind an Kursdifferenzen gewöhnt. Die Aktien von Holding-Gesellschaften zeigen häufig einen Preisabschlag gegenüber der Summe der Einzelteile. Im Falle von Prosus ist der Abschlag allerdings besonders hoch. Die gesamte Holdinggesellschaft mit einem Marktwert von knapp 140 Milliarden Euro ist weniger wert als der 31-Prozent-Anteil an Tencent.

          Der Preisabschlag ist daher schon seit Jahren zentrales Thema auf Hauptversammlungen. Immer wieder wird die Forderung laut, den Tencent-Anteil auszugliedern und an die Aktionäre zu verteilen. Ein solcher Schritt würde außerdem eine Bewertung der anderen Beteiligungen ermöglichen, die sich im Schatten von Tencent befinden und am Markt als wertmindernd betrachtet werden. Doch Management und Aufsichtsrat wollen davon nichts wissen. Einfluss haben die Aktionäre kaum, denn die Stimmrechte konzentrieren sich auf sogenannte A-Aktien, die eine kleine Gruppe rund um den Aufsichtsratschef Bekker hält. Am Markt sind lediglich „N-Aktien“ erhältlich.

          De Bruyn: „Ein kluger Schachzug“

          Mit dem Aktienrückkauf könnte Prosus nun einige Anleger beschwichtigen. Zumindest kurzfristig werde sich der Preisabschlag verringern, sagt Wayne McCurrie, Vermögensverwalter bei der First National Bank in Johannesburg. Ein Rückkauf von Aktien führt zu einer Verknappung des Angebots am Markt und treibt theoretisch den Kurs in die Höhe. Renier de Bruyn, Analyst bei Sanlam Private Wealth, sprach von einem klugen Schachzug. Angesichts der hohen Bewertungen im Technologiesektor solle das Management seine Barreserven lieber für Rückkäufe der eigenen Aktien nutzen. Andere Analysten indes warnten vor überzogenen Erwartungen. Der Preisabschlag werde sich nur „marginal“ verringern.

          Für Anleger, die auf weitere Großakquisitionen des agilen Prosus-Chefs und womöglich auf ein zweites Tencent gesetzt hatten, aber sind die Hoffnungen erst einmal verpufft. Seit dem Börsengang prüfte Prosus nach eigenen Angaben mehrere tausend potentielle Transaktionen. Doch der große Coup gelang bislang nicht. Im Januar gab Prosus im milliardenschweren Übernahmegefecht um den britischen Essenslieferanten Just Eat auf. Auch im Ringen um das Online-Anzeigengeschäft von Ebay ging der Zuschlag nicht an Prosus. Der Niederländer van Dijk setzt auf die Branchen Finanztechnik, Online-Handel und auf Essenslieferdienste. Die ersten beiden entwickelten sich positiv, sagt McCurrie. Die Essenslieferdienste aber seien noch weit von der Gewinnschwelle entfernt.

          Das Aktienrückkaufprogramm soll nach der Vorlage der Halbjahreszahlen am 22.November beginnen. Wie vorhergesagt, legte die Aktie seit der Ankündigung zu. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, die hohe Abhängigkeit von Tencent schlägt wieder zu. Seit der Ankündigung der chinesischen Regierung, Internetunternehmen stärker zu regulieren, trennen sich die Aktionäre von den Papieren. Der Prosus-Kurs hat seit Beginn der Woche um mehr als 12 Prozent verloren, ungefähr so viel wie Tencent an der Börse in Hongkong. Die große Frage bleibt: Warum in Prosus investieren, wenn sich der Aktienkurs fest im Schlepptau von Tencent befindet?

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