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Aktienoptionen : Wer wird Millionär?

  • Aktualisiert am

Aktienoptionsprogramme könnten in Deutschland noch attraktiver werden - wenn sich das im Bundeswirtschaftsministerium diskutierte Modell der Steuerfreiheit für Gewinne aus Optionsplänen durchsetzt.

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          Aktienoptionsprogramm - das Modell klingt vielversprechend, verknüpft es doch die Entlohnung des Arbeitnehmers mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

          Mitarbeiter erhalten das Recht, innerhalb eines Zeitraums eine festgelegte Zahl von Aktien der Gesellschaft zu erwerben. Der Kaufpreis für die unternehmenseigenen Aktien wird erst dann fällig, wenn der Mitarbeiter die Option wahrnimmt. Nicht nur ausgewählte Führungskräfte können durch Optionen auf Unternehmensaktien zusätzliche Anreize für ein dauerhaftes Engagement zur Steigerung des Unternehmenswertes belohnt werden. Auch anderen Mitarbeitern fließt mittlerweile bei entsprechender Vereinbarung im Falle einer positiven Wertentwicklung eigener Firmenanteile der Unternehmensgewinn in das eigene Portfolio.

          Halte Deinen Mitarbeiter

          Die Arbeitgeber versprechen sich durch die Einführung derartiger Optionsprogramme eine verstärkte Aufmerksamkeit für die Wettbewerbssituation des Unternehmens von seiten des Arbeitnehmers. Besonders in der New Economy ist das Modell beliebt, dient es doch dazu, der hohen Personalfluktuation gegenzuwirken. An Attraktivität könnten Stock Options noch gewinnen, wenn ein Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums umgesetzt würde.

          Dort wird schon seit längerem intern erwogen, Gewinne aus Aktienoptionsprogrammen steuerfrei zu stellen. Die Gespräche, die auf einem Modell des Bündnisses für Arbeit basieren, seien noch im Anfangsstadium, heißt es seitens des Ministeriums. Diskutiert wird auf Referentenebene, ob Aktienoptionen wie private Kursgewinne aus Aktienanlagen behandelt werden sollen. Für diese gilt eine einjährige Spekulationsfrist; nach Ablauf dieser Zeit können Gewinne steuerfrei eingestrichen werden. Bisher werden Gewinne aus Aktienoptionen in Deutschland voll der Einkommenssteuer unterworfen.

          System mit Schattenseiten

          Das System der Stock Options hat allerdings Schattenseiten. Der Würzburger Betriebwirtschaftsprofessor Stefan Winter wird nicht müde, die „Selbstbedienung“ nach amerikanischen Vorbild an den Pranger zu stellen. In den Vereinigten Staaten kassieren die Topmanager mittlerweile dank ihrer Aktienoptionen 419 mal soviel wie der durchschnittliche Fabrikarbeiter, 1980 hatte das Verhältnis beim 40-fachen gelegen. Die amerikanischen Ökonomen Robert Frank und Philip Cook sprechen daher von der „Gewinner-kriegen-alles-Gesellschaft“. Da in den Vereinigten Staaten auch die Aktienoptionspläne nicht als Aufwand verbucht werden müssen und infolgedessen nicht in der Bilanz auftauchen, kann hier von einer geschickten Verschleierung gesprochen werden. In Deutschland stecken die Optionspläne noch in den Kinderschuhen. Sollte sich aber die Steuerfreiheit durchsetzen, brechen für deutsche Führungskräfte bald goldene Zeiten heran.

          Stock Options - Made in Germany

          Mehr als die Hälfte aller im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen bieten entsprechende Programme an. Als Beispiel sei der Aktienoptionsplan von DaimlerChrysler erwähnt. Dieses Programm stellt eine zusätzliche erfolgsabhängige Vergütung in Form einer Option auf 96 Millionen Aktien für insgesamt 6.500 Manager des deutsch-amerikanischen Konzerns dar. Bei der Einführung des Modells wurde kritisiert, dass der Optionsplan nicht an einen Branchenindex gekoppelt sei. Dafür wird der Plan erst rechtskräftig, wenn der Kurs um mehr als 20 Prozent über dem Referenzkurs liegt.

          SAP war das erste Unternehmen, dass 1998 Aktienoptionen einführte - nicht nur für die Führungskräfte. Das derzeitige „Long-Term-Incentive-Plan“ der SAP besteht aus den Kernelementen Aktienoptionen und Wandelschuldverschreibungen. Das Programm lehnt sich damit an die Anforderungen des amerikanischen Marktes an, aber auch die Ansprüche des deutschen Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz in Unternehmen werden berücksichtigt. Zugeteilte Aktienoptionen dürfen nur ausgeübt werden, wenn die Kursentwicklung der SAP-Vorzugsaktie innerhalb eines definierten Zeitraums die „Performance“ des Referenzindex übertrifft, in diesem Fall der Software-Index von Goldman, Sachs & Co.

          Köder ohne Reiz

          Seit dem vergangenem Frühjahr haben die Optionsprogramme jedoch einen Teil ihres Charmes eingebüßt. Denn, seit sich an dem Neuen Markt gigantische Kursstürze drastisch häuften, muss sich jeder Mitarbeiter fragen, ob ihm nicht gar eine betriebliche Versorgungsleistung lieber ist. Ein Stock-Options-Angebot sollte den Kandidaten daher stutzig machen, wenn die Option utopische Höhen erreicht. Verspricht der Arbeitgeber bei der Verhandlung einen Optionspreis, der bei 100 Prozent des derzeitigen Aktienwerts liegt, ist guter Rat teuer und höchste Vorsicht geboten. Ein weiterer Haken: In den Genuss der Stock Option kommen meist nur Mitarbeiter mit einer längerjährigen Unternehmenszugehörigkeit. Zudem ist darauf zu achten, dass nicht massive Konkurrenzkämpfe folgen. Denn dann könnte zwar bei dem einen die Motivation gesteigert, bei dem benachteiligten Kollegen jedoch Unzufriedenheit auftreten. Und das wäre dem Unternehmensgewinn auf Dauer sicherlich auch abträglich.











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