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Aktiencrash : Der Bär im Portemonnaie

  • -Aktualisiert am

Turbulente Börsenwoche Bild: AP

An eine so turbulente Börsenwoche wie die vergangene können sich selbst altgediente Händler kaum erinnern. Wer oder was hat denn nun den Kurssturz ausgelöst? Eines ist klar: Wenn die Société Générale sagt, ihre Verkäufe hätten die Märkte nicht belastet, dann schwindelt sie.

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          Willkommen im Karussell, bitte festhalten! Montags tobt an der Börse der Bär. Panik macht sich breit. Dienstags springt wie von den Investoren gefordert als Retter in der Not Amerikas Zentralbank den Börsianern bei, mit einer kräftigen Zinssenkung. Mittwochs folgt der Markt dem gewohnten Drehbuch nicht.

          An der Börse stürzen die Kurse weiter, besonders tief in Europa. Donnerstags beichtet ein um Fassung ringender Daniel Bouton, der Chef der französischen Großbank Société Générale: Einer seiner Junghändler habe 5 Milliarden Euro verzockt - und keiner will etwas gemerkt haben. Freitags fragt der Boulevard: Wegen Börsen-Krise Lohnerhöhung futsch?

          Die Öffentlichkeit reibt sich verwundert die Augen

          An eine so turbulente Börsenwoche können sich selbst altgediente Händler kaum erinnern. Was in Paris passiert sein soll, ist unglaublich. Ein einzelner Händler hat auf den Anstieg der europäischen Börsenindizes gewettet, also zum Beispiel den Dax auf Termin gekauft. Er soll angeblich den unvorstellbaren Betrag von bis zu 50 Milliarden Euro eingesetzt und sich gründlich verspekuliert haben. Die Bank hat zum Auftakt der Börsenwoche sofort begonnen, die Positionen glattzustellen, hat also im großen Stil Kontrakte auf Aktienindizes wie den Dax-Future verkauft.

          Erst nach dem Ausbügeln der Spekulation, was die Société Générale - in Worten - fünf Milliarden Euro gekostet hat, wurde der Skandal der Öffentlichkeit mitgeteilt, die sich verwundert die Augen reibt. Eine Petitesse ist, dass danach die amerikanische Notenbank sich beeilte zu versichern, sie habe davon nichts gewusst.

          Die Bank schwindelt

          Wer oder was hat denn nun den Kurssturz ausgelöst? Die Verluste der Banken, die Furcht vor einer Rezession oder der von allen guten Geistern und Kontrolleuren verlassene Pariser Spekulant? Die Antwort muss die Société Générale liefern. Nur sie weiß, wann sie welche Kontrakte verkauft hat. Der Rest des Markts weiß nur, dass die Bank schwindelt, wenn sie beteuert, ihre Verkäufe hätten die Aktienkurse in Europa nicht belastet.

          Doch was hat die Börse mit den Löhnen zu tun? Weil in Amerika der Wirtschaftsabschwung drohe, sollten die Beschäftigten in Deutschland nur mäßige Lohnforderungen erheben, warnen Ökonomen. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe ist das immer gut. Aber noch ist die Rezession nicht da. Die Mitarbeiter erfolgreicher Firmen dürfen ihren Anteil am Gewinn fordern. Auch an der Börse dürfen im Aufschwung nicht nur Gewinne, sondern auch Löhne steigen, am besten über eine Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter.

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