Aktie im Aufschwung :
Microsoft trotzt Corona-Krise

Von Roland Lindner, New York
Lesezeit: 2 Min.
Microsoft steckt die Krise vergleichsweise gut weg.
Das wertvollste amerikanische Unternehmen sieht unter dem Strich bislang „minimale Auswirkungen“. Und sein Cloud-Geschäft wächst weiter rasant.

Microsoft sieht sich von der Corona-Krise bislang unter dem Strich kaum getroffen. Der Softwarekonzern teilte bei der Vorlage seiner Quartalszahlen am Mittwoch nach Börsenschluss mit, er sehe „minimale Nettoauswirkungen“ auf seinen Umsatz. Es gebe Geschäftsbereiche, die im Moment profitierten, und auch solche, die eine Abschwächung verzeichneten. Die Quartalszahlen lagen insgesamt über den Erwartungen von Analysten, und der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise um drei Prozent zu.

Seit Jahresbeginn hat die Microsoft-Aktie mehr als 15 Prozent an Wert gewonnen und sich damit deutlich besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Microsoft hat derzeit eine Marktkapitalisierung von fast 1,4 Billionen Dollar und ist damit das wertvollste amerikanische Unternehmen. Dahinter folgen der Elektronikkonzern Apple mit knapp 1,3 Billionen Dollar und der Online-Händler Amazon.com mit 1,2 Billionen Dollar.

Vorstandsvorsitzender Satya Nadella sagte in einer Mitteilung mit Blick auf die Pandemie und die Auswirkungen auf seine Branche: „Wir haben digitale Transformation, die sonst zwei Jahre in Anspruch nehmen würde, innerhalb von zwei Monaten gesehen.“ Microsoft sei dafür mit seinem Portfolio gut aufgestellt. Im ersten Quartal hätten internetbasierte Dienste von der Corona-Krise profitiert, darunter die „Cloud Computing“-Plattform Azure und die Kommunikationssoftware Teams. Auch beim Betriebssystem Windows und der Computerreihe Surface habe Microsoft eine stärkere Nachfrage verzeichnet, weil viele Menschen im Homeoffice statt im Büro arbeiteten. Das Geschäft mit Videospielen um die Konsole Xbox wiederum habe von den Ausgangsbeschränkungen profitiert. Negativ habe sich der gegenwärtige Notstand im Werbegeschäft niedergeschlagen. Zum Beispiel in den Anzeigen bei der Internetsuche oder im Karrierenetzwerk Linkedin.

Konkurrenz vor allem mit Amazon Web Services

Insgesamt steigerte Microsoft seinen Umsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf 35,0 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 33,7 Milliarden Dollar gerechnet. Ein Wachstumsmotor war abermals die Cloud-Plattform Azure mit einem Umsatzplus von 59 Prozent. Microsoft stellt damit Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen zur Verfügung.

Der Konzern konkurriert hier vor allem mit Amazon Web Services (AWS). Die Amazon-Sparte ist bislang Marktführer, Microsoft hat aber aufgeholt. Im vergangenen Herbst stach Microsoft AWS in einem Rennen um einen mit 10 Milliarden Dollar dotierten Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums aus. Auch andere Cloud-Produkte entwickelten sich gut. Mit Office 365, der internetbasierten Version seiner Bürosoftware, schaffte Microsoft zum Beispiel ein Umsatzplus von 25 Prozent.

Der Nettogewinn von Microsoft stieg im vergangenen Quartal um 22 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 1,40 Dollar war um 14 Cent besser als erwartet.