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Airbus wehrt sich : Das war ganz bestimmt kein „Zuckerl“

  • -Aktualisiert am

Peter Gauweiler soll’s jetzt richten. Bild: dpa

Gegen Airbus werden Korruptionsvorwürfe laut. Peter Gauweiler soll’s jetzt richten und wehrt sich. Er beklagt „Missbrauch der Staatsgewalt“ durch Österreich. Und prüft eine Amtshaftungsklage gegen den dortigen Verteidigungsminister.

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          Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern Airbus schlittert in die wohl größte Krise seiner Geschichte. Gerade erst musste die Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus ihre Investitionen bis zum Jahresende auf Eis legen, nun folgt mit neuen Korruptionsvorwürfen die nächste schlechte Nachricht. Intern und extern laufen Ermittlungen – in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Der jüngste Vorwurf: Mithilfe von schwarzen Kassen und Mittelsmännern habe das Unternehmen den Verkauf ziviler und militärischer Flugzeuge in Indonesien, Kasachstan und sogar in Österreich gefördert. Verkaufsagenten sollen über viele Jahre Millionen kassiert haben, um im militärischen aber auch im zivilen Bereich die Flugzeuge von Airbus an den Mann und das Land zu bringen. Wie die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet, steht eine Anklage durch die Münchner Staatsanwaltschaft kurz bevor. Gleich mehrere frühere EADS-Manager und deren Mitarbeiter stünden im Fokus. Das wollte die Münchner Staatsanwaltschaft bislang nicht bestätigen. Doch so viel ist klar: Airbus-Chef Tom Enders, der sich derzeit als großer Aufräumer präsentiert, gerät unter Druck. Das will er nicht hinnehmen.

          Um die Chancen auf den Verkauf der Militärflugzeuge zu verbessern, setzte EADS, wie Airbus früher hieß, auf Vermittler, die Geschäfte an Land ziehen sollten. Dabei soll Schmiergeld geflossen sein. Die Millionen sollen über eine Zwei-Mann-Firma namens Vector in London an die Strohmänner weitergeleitet worden sein. Eine schwarze Kasse also? Nach bisherigen Erkenntnissen soll von dieser zweifelhaften Geschäftspraxis vor allem die Rüstungssparte von Airbus profitiert haben. Im Rüstungsgeschäft ist es nicht ungewöhnlich, dass sogenannte Gegengeschäfte ausgehandelt werden oder mit Vermittlungsagenten gearbeitet wird. Gerade im Vergleich mit der amerikanischen Konkurrenz Boeing muss Airbus um seine Aufträge kämpfen. Der ewige Rivale fliegt den Europäern mit seinen Militärflugzeugen zunehmend davon. Und auch die französischen Flieger aus dem Haus Dassault sind harte Konkurrenz.

          Als großen Erfolg verbuchte Airbus daher die 18 Eurofighter, die Österreich 2003 bestellte. Um den Auftrag an Land zu ziehen, musste Airbus zusichern, Österreich Geschäfte im Wert von vier Milliarden Euro zu besorgen. Diese sollten die österreichische Wirtschaft ankurbeln. Diese Gegengeschäfte sorgten aber besonders in Österreich für Aufsehen - und wurden von zwei Untersuchungsausschüssen unter die Lupe genommen. Hinzu kommt ein schwerwiegender Vorwurf des österreichischen Verteidigungsministeriums: Airbus habe bewusst Fakten zur Beschaffenheit und Ausrüstung der Eurofighter verschleiert, um den Auftrag zu bekommen, so der Vorwurf des österreichischen Verteidigungsministers Hans Peter Doskozil. Er hat im Februar eine Strafanzeige eingereicht.

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