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Airbus-Sanierung : Die Gewerkschaft sieht noch Spielraum

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Von einem Erfolg der deutschen Interessenvertretung sprach Wirtschaftsminister Michael Glos: „Ich finde es richtig, dass wir in gemessener Form deutsche Interessen gewahrt haben.“ Das Sanierungsprogramm verteile sowohl die Lasten als auch die Zukunftstechnologien angemessen zwischen den beteiligten Ländern. „Die deutsche Seite wurde nicht über den Tisch gezogen“, sagte er. Die angekündigten Stellenstreichungen nannte Glos „schmerzhaft“. Er vertraue aber auf die Zusage, dass sie sozialverträglich gestaltet würden.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte: „Die Landesregierung begrüßt die Standortsicherung für die Airbus-Werke in Norddeutschland.“ Die Lasten würden im Konzern fair verteilt. Wulff kritisierte aber das Herauslösen der Werke in Varel und Nordenham. „Hier handelt es sich bisher um Vorhaben des Managements und noch nicht um abschließende Entscheidungen.“ Ebenso zufrieden zeigte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Trotz der schmerzhaften Einschnitte beim Personal werde der Standort Hamburg mittel- und langfristig durch die Entscheidungen gestärkt, sagte er. Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall sieht für das Hamburger Airbus-Werk jetzt eine „sehr gute Zukunftsperspektive“.

„Wenig Licht und viel Schatten“

Der deutsche Airbus-Betriebsrat und die IG Metall Küste kritisierten die Beschlüsse hingegen als „falschen Schritt mit wenig Licht und viel Schatten“. „Die positiven Entscheidungen zur A320-Familie dürfen den Blick auf die Unsicherheit tausender Beschäftigter nicht verdecken“, sagte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste. „Wir werden das Konzept des EADS-Boards so nicht akzeptieren“, erklärte der Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender von Airbus, Rüdiger Lütjen. Der Betriebsrat werde sich entschieden für den Erhalt aller Standorte innerhalb der Airbus Deutschland GmbH einsetzen.

Auch die französischen Gewerkschaften bei Airbus haben mit Empörung auf den Restrukturierungsplan des Flugzeugherstellers reagiert. Wenn man die Umsetzung des Planes mit dem Namen Power8 zulasse, „dann ist das der Ruin von Airbus“, sagte Xavier Petrachi, Vertreter der Gewerkschaft CGT. Er kündigte „spontane Aktionen an“, wie es sie schon im nordfranzösischen Airbus-Werk Méaulte gegeben hat, als ein Teil der Beschäftigten kurzfristig die Arbeit niederlegte.

Royal verlangt ein „Moratorium“

Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat unterdessen angekündigt, dass sie im Fall ihrer Wahl den Restrukturierungsplan stoppen werde. Sie beabsichtige auch, die gesamte Führung des Flugzeugbauers auf den Prüfstand zu stellen. „Ich verlange ein Moratorium“, sagte die Politikerin, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin treffen soll.

In London wurde der auf die britischen Airbus-Werke entfallende Sanierungsplan von Industrievertretern als „fair und ausgewogen“ bezeichnet. Dort sollen 1600 von 11.000 Arbeitsplätzen wegfallen. Wirtschaftsminister Alistair Darling hatte sich im Vorfeld des Sanierungsplans für den Erhalt der beiden Produktionsstätten eingesetzt. Die Ängste, dass der Ausstieg von BAE Systems aus dem Airbus-Konsortium im vergangenen Jahr negative Folgen für den Bestand der britischen Flugzeugindustrie haben könnte, „sind durch das Votum von Airbus fürs erste zerstreut“, hieß es im Wirtschaftsministerium.

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