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Luftfahrt : Airbus fliegt Boeing davon

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Der amerikanische Flugzeugkonzern Boeing rechnet nicht vor 2005 mit einer Erholung der Luftfahrtmarktes. Zudem bringt ihn Airbus in Bedrängnis. Der Konkurrent aus Europa liefert 2003 erstmals mehr Maschinen aus.

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          Airbus bringt den amerikanischen Flugzeugriesen Boeing immer stärker in Bedrängnis. Nicht nur, daß der europäische Konkurrent in diesem Jahr erstmals mehr Verkehrsflugzeuge ausliefern wird, als der langjährige Branchenführer und deutlich vollere Auftragsbücher hat.

          Ein neuerdings immer deutlicher erkennbarer Trend löst in Seattle zunehmend Besorgnis aus: Mehr und mehr Airlines setzen inzwischen ausschließlich auf Airbus. Nicht weniger als 19 europäische, asiatische und amerikanische Fluggesellschaften nutzen inzwischen nur noch europäische Jets oder stellen ihre Flotten Schritt für Schritt ganz auf Airbus-Maschinen um.

          Weltweit Neukunden für Airbus

          Darunter sind natürlich auch mehrere kleinere Airlines, die es sich wirtschaftlichen Gründen gar nicht erlauben können, Flugzeuge der beiden führenden Hersteller einzusetzen. Aber allen voran setzt jetzt der deutsche Ferienflieger LTU, gewiß kein Leichtgewicht, ganz auf Airbus. Auch Germanwings und Aero Lloyd haben bereits reine Airbus-Flotten. Genauso wie so bekannte internationale Carrier wie die arabische Qatar, Air Jamaica, Hongkongs Dragonair, die libanesische MEA oder die im Mittelmeerraum immer stärker expandierende Cyprus Airways. Auf dem Weg zur reinen Airbus-Flotte sind die South African Airways, die Technik und Kosten als wichtigste Faktoren nennt, die expandierende amerikanische Frontier Airlines oder auch die irische Aer Lingus.

          Natürlich gibt es vor allem in Nordamerika nach wie vor bedeutende Airlines wie Continental, Alaska Airlines oder Delta Air Lines, die nach alter Tradition ausschließlich Boeing-Flugzeuge im Dienst haben, aber daß die Airbus-Flotten auch in den Vereinigten Staaten kontinuierlich wachsen, bereitet Boeing schon erhebliche Kopfzerbrechen. Selbstverständlich werden viele große Fluggesellschaften wie British Airways, die von Staats wegen ohnehin auf Airbus eingeschworene Air France oder auch die Deutsche Lufthansa immer bemüht sein, mit beiden großen Herstellern zusammenzuarbeiten. Schon um nicht einseitig von einem der Unternehmen abhängig zu werden.

          Auch die Lufthansa hat bei Airbus eingekauft

          Doch selbst Lufthansa, über Jahrzehnte ein treuer Boeing-Kunde, ist in jüngster Zeit so „Airbus-lastig“ geworden, was sich in naher Zukunft noch verstärken wird, daß weitsichtige Lufthanseaten bereits ernsthaft überdenken, wie sie diesem Trend entgegenwirken können. Air Canada, America West Airlines, Mexicana und Frontier Airlines, angesehene und wichtige amerikanische Gesellschaften, haben längst viele Airbus-Maschinen im Dienst. Auch der Riese Northwest Airlines aus Minnesota geht diesen Weg. Der große Ostküsten-Billigflieger Jetblue aus New York ist sowieso auf Airbus umgeschwenkt. Genauso wie in Europa die spanische Iberia und die österreichische AUA.

          Mindestens genauso hart trifft es Boeing, daß viele bekannte asiatische Unternehmen, die jahrzehntelang vorrangig amerikanische Jets eingekauft haben, sich neuerdings stärker nach Toulouse und Hamburg orientieren. Das gilt beispielsweise für Indian Airlines, Air India, Royal Jordanian Airways und Gulf Air. In China einschließlich Dragonair und der mächtigen Cathay Pacific (beide Hongkong) sowie Air Macau sind bereits 193 zwei- und vierstrahlige Airbusse im Einsatz. Vor allem die tonangebende China Eastern Airlines aus Schanghai setzt betont auf europäische Jets.

          Selbst die traditionsreiche russische Aeroflot, die in der Krise der einheimischen Flugzeugindustrie immer stärker westliches Gerät einsetzt, wird künftig mehr Airbus- als Boeing-Jets fliegen. Und immerhin haben sich schon jetzt mit Emirates, Qatar, Singapore Airlines und Malaysia Airlines vier der führenden asiatischen Airlines für den doppelstöckigen Riesen Airbus A380 entschieden; auch Korean Air will acht A380 bestellen. Daß sich besonders die Twinjets der A320-Familie einschließlich der erfolgreichen „Hamburger Jets“ A319 und A321 stetig besser verkaufen, dürfte nicht zuletzt auf die wachsende Akzeptanz dieser Flugzeuge bei den Passagieren zurückzuführen sein.

          Geräuschpegel und Bequemlichkeit als Pluspunkte

          In einer repräsentativen Umfrage des einschlägigen Londoner Meinungsforschungsinstitutes Skytrax, die rund 70.000 Passagiere bei normalen Airlines wie auch Billigfliegern erfaßte, haben 57 Prozent eindeutig die Flugzeuge der A320-Familie in punkto Geräuschpegel, Sitzbequemlichkeit, Geräumigkeit, Gepäckablagen und Ambiente bevorzugt. Argumente, auf die Airlines sehr hören.

          Boeing kann aber wenigstens auf Unterstützung aus Washington bauen: Die taiwanesische Fluggesellschaft China Airlines wollte ursprünglich ihre Großraum-Flotte auch ganz auf Airbus umstellen, soll aber durch amerikanisches Eingreifen veranlaßt worden sein, auch Boeing-Jets zu ordern.

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