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Rüstungspolitik : Airbus-Chef greift Verteidigungsministerium an

  • Aktualisiert am

Tom Enders Bild: dpa

Der Chef des Luftfahrtkonzerns Airbus wehrt sich gegen die Kritik an der Rüstungsindustrie. Zum Auftrag für den Militär-Transporter A400M sagt er: So einen Vertrag würden wir nicht nochmal unterschreiben.

          Airbus -Chef Tom Enders attackiert den Umgang des Verteidigungsministeriums mit Rüstungsprojekten. „Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche“, sagte der Manager in einem Interview dem Magazin „Cicero“. Zudem stimme sich die Verwaltung bei Wehrvorhaben viel zu wenig mit der Truppe als Endkunde ab. Es werde der Sache daher nicht gerecht, den Schwarzen Peter allein bei der Industrie zu suchen. Das Ministerium reagierte gelassen auf die Kritik. „Herr Enders hat Recht: Es gibt Fehler auf Seiten der Industrie, aber auch auf Seiten der Verwaltung - und die zählt das Gutachten auf 1500 Seiten auf“, sagte Ministeriumssprecher Jens Flosdorff.

          Er bezog sich dabei auf eine externe Studie im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die in wichtigen Vorhaben der Bundeswehr Missmanagement in großem Stil bemängelt. Das Gutachten weist auf rund 140 Probleme und Risiken bei neun Rüstungs-Großprojekten hin, die ein Volumen von 57 Milliarden Euro umfassen. Die Gutachter kritisierten auch, dass der Bund seine Verträge mit der Rüstungsindustrie schlecht vorbereite. Von der Leyen hat indes wiederholt beklagt, dass sich etwa die Auslieferung des Militärtransporters A400M von Airbus um Jahre verzögert.

          Enders bekräftigte frühere Aussagen, wonach sein Konzern nie wieder einen Vertrag wie den für den A400M unterzeichnen würde. „Wir werden uns nicht noch einmal in die Tasche lügen und von Regierungen zu Programmvereinbarungen drängen lassen, wenn die zugrunde liegenden Termine und Budgets von vorneherein unrealistisch sind“, sagte er. Sein Unternehmen habe beim A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen müssen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen.

          Für Entwicklung und Bau des A400M hatten die Bestellnationen mit Airbus in Anlehnung an die zivile Luftfahrt einen Festpreis vereinbart, was bei militärischen Entwicklungen unüblich ist. Im Laufe der Zeit stiegen die Kosten um Milliarden, zudem verspätete sich die Auslieferung der Flugzeuge um Jahre. Zu den Problemen trug bei, dass die Staaten aus industriepolitischen Gründen auf der Entwicklung eines neuen europäischen Triebwerks bestanden, was sich kompliziert gestaltete. Die Bundeswehr soll den ersten A400M, der langfristig die alternde Transall-Flotte ersetzen wird, nun Ende November erhalten. Das Rüstungsgutachten rät der Bundesregierung, Schadenersatz von Airbus zu fordern, weil der A400M auch dann zunächst nicht alle Anforderungen erfüllen wird.

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