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Airbus baut 10.000 Stellen ab : „Schmerzhafte Einschnitte“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Das europäische Luftfahrtunternehmen will bei seiner Sanierung auf Entlassungen verzichten. In Deutschland sollen in den kommenden 4 Jahren 3.700 Stellen entfallen. Das Sanierungsprogramm sei eine gute Grundlage, „um Airbus aus dem Dreck zu ziehen“, sagt EADS-Vorstand Tom Enders.

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          Der angeschlagene europäische Flugzeugbauer Airbus plant in den kommenden vier Jahren harte Sanierungsschritte. Wie Airbus-Chef Louis Gallois am Mittwoch in Toulouse bekanntgab, sollen 10.000 Stellen wegfallen, davon allein 3.700 in Deutschland und 4.300 in Frankreich. Mindestens drei Werke stehen zur Disposition.

          Außerdem will Airbus die Entwicklungszyklen verkürzen, die Produktivität steigern und den Druck auf die Zulieferer erhöhen. So will die Airbus-Mutter EADS die Tochter wieder auf Rendite trimmen. So sollen die jetzt beschlossenen Einschnitte ab dem Jahr 2010 den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um mindestens 2,1 Milliarden Euro erhöhen. Die Aktie von EADS gab am Mittwoch 0,47 Prozent auf 25,48 Euro nach.

          Von den 4.300 betroffenen Stellen in Frankreich entfallen auf 1.100 auf die Airbus-Zentrale in Toulouse. Hinzu kommen 1.600 Arbeitsplätze in Großbritannien sowie 400 in Spanien. 5.000 der genannten Stellen sind laut Gallois mit „Zeitarbeitskräften oder Unterauftragnehmern“ besetzt. Entlassungen soll es im Zuge des „Power8“ genannten Sanierungsprogramms keine geben. Die beschlossenen Anpassungen sollen durch natürliche Fluktuation, Vereinbarungen über freiwilliges Ausscheiden und weitere Maßnahmen erfolgen. „Bislang sieht das Management keine Notwendigkeit für Entlassungen“, hieß es.

          10.000 Stellen fallen weg

          Neue Konzernstruktur

          Airbus will ihre Unternehmensabläufe zur Überwindung der Krise optimieren und dazu die komplizierte Mehr-Länder-Struktur abschaffen. Statt der bisher acht nationalen wird es jetzt „vier transnationale Kompetenzzentren“ geben. Geplant ist, die Entwicklungszyklen für neue Flugzeuge von siebeneinhalb auf sechs Jahre zu verkürzen. Außerdem will Airbus die Produktivität bis 2010 um 16 Prozent steigern. Daher dürfte der Druck auf die Zulieferer steigen. Der Flugzeugbauer erklärte, die Beschaffungskosten reduzieren zu wollen.

          Mit dem Sparprogramm soll die zuletzt defizitäre Tochter wieder auf Rendite getrimmt werden. Ab 2010 sollen die Einschnitte zu einem EBIT-Beitrag von 2,1 Milliarden Euro führen, sagte Gallois. Dabei handele es sich um das „Minimum“. Von 2007 bis 2010 sollen die Maßnahmen insgesamt 5 Milliarden Euro zusätzlichen Cash Flow freisetzen. Zur Umsetzung der harten Einschnitte, besonders im Personalbereich, will EADS im ersten Quartal 2007 Rückstellungen in Höhe von 680 Millionen Euro bilden.

          Mehrere Werke betroffen

          Für drei Werke - darunter Nordenham (Niedersachsen) - sucht der Konzern industrielle Partner. Drei weitere Standorte, Varel (Niedersachsen), Laupheim (Baden-Württemberg) und St.Nazaire-Ville stehen zur Disposition. Hier werde Airbus in den kommenden Jahren nach realisierbaren Möglichkeiten suchen. Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte erwägt Airbus „industrielle Partnerschaften“. Für diese Standorte gebe es bereits „unaufgefordert Angebote möglicher Investoren“, die Kontakte seien aber nur informeller Natur. In der Zwischenzeit sollen auch an diesen Standorten die Kosten gesenkt werden.

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