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Meistverkauftes Flugzeug : Airbus A320 stürzt die Boeing 737 vom Thron

Absatzschlager: Ein A320-Flugzeug in der Endmontage im Hamburger Airbus-Werk Bild: dpa

Die Krise der 737-Max führt zu einem besonderen Wechsel: Airbus hat mit der A320-Modellfamilie die 737 von Boeing vom Spitzenplatz des meistverkauften Flugzeugmodells verdrängt.

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          Das Flugverbot für Boeings neues Modell 737 Max hat schon stark am Ruf des amerikanischen Flugzeugherstellers gekratzt. Nun folgt ein historischer Wechsel in der Luftfahrtindustrie, der Boeing alles andere als beglücken dürfte: Boeing kann zumindest vorerst nicht mehr für sich beanspruchen, die meistverkaufte Flugzeugbaureihe im Portfolio zu haben. Das war bislang die seit 1968 in verschiedenen Versionen ausgelieferte 737-Reihe. Doch nun hat der europäische Rivale Airbus mit den Modellen seiner A320-Familie das Konkurrenzmodell überholt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Obwohl Airbus die A320-Reihe erst 20 Jahre nach dem 737-Jungfernflug auf den Markt brachte, ist die Liste aller Bestellungen und Auslieferungen mittlerweile länger. Bis zum 31. Oktober dieses Jahres sind bei dem europäischen Konzern insgesamt 15.193 Aufträge eingegangen, Boeing kommt zum selben Datum lautet seiner historischen Verkaufsbilanz auf 15.136 Festaufträge. Nach drei Jahrzehnten des Wettkampfs liegt Airbus somit nach Bestellungen hauchdünn vorn.

          Nach abgearbeiten Aufträgen bleibt Boeing aber die Führung: Insgesamt sind in den vergangenen 50 Jahren rund 10.500 Flugzeuge der 737-Reihe ausgeliefert worden, die A320-Familie von Airbus kommt auf etwas mehr als 9000 Auslieferungen. Allerdings droht auch dieser Vorsprung der Amerikaner in den nächsten Jahren zu schwinden: Airbus hat mehr als 6000 Auslieferungen der A320-Familie ausstehen, Boeing führt knapp 4600 offene 737-Bestellungen auf.

          Boeing darf auf Ende der Bestellflaute hoffen

          Zu den Feinheiten der Statistik gehört, dass sich die Airbus-Bestellungen auf die gesamte Modellfamilie vom kleineren A318, über A319, A320 bis hin zum längeren A321 verteilen. Auf die Modellnummer A320 allein entfielen 8650 Bestellungen. Doch auch in den 737-Zahlen steckt Vielfalt – von der Urversion 737-100 bis zur aktuell in den Schlagzeilen stehenden 737 Max 8, dazwischen auch die Militärversion P-8 Poseidon.

          Die jüngsten Aufträge von der Luftfahrtmesse in Dubai sind in den Konzernzahlen noch nicht enthalten. Sie ändern aber auch vorerst nicht die neue Rangfolge, obwohl es Anzeichen gibt, dass die Nachfrageflaute für Boeings 737 Max zu Ende geht. Am Montag hatte die Urlaubsfluggesellschaft Sun Express, die zur Hälfte der Deutschen Lufthansa gehört, eine Option umgewandelt. Sun Express hat nun verbindlich zehn weitere Exemplare geordert – zusätzlich schon bestellten 32 Flugzeugen.

          Am Dienstag folgte nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg ein Auftrag über 20 Exemplare, die an einen namentlich nicht genannten Abnehmer gehen sollen. Die kasachische Gesellschaft Air Astana gab bekannt, eine Absichtserklärung für den Kauf von 30 Flugzeugen des Typ 737 Max 8 unterschrieben zu haben. Bei Airbus hatte indes am Montag Air Arabia aus dem Emirat Sharjah 120 Flugzeuge bestellt, die britische Billigflieger Easyjet orderte 12 Exemplare.

          Für Boeing ist die Messe in Dubai dennoch ein Hoffnungsschimmer. Durch Stornierungen und Bestelländerungen hatte der amerikanische Konzern im laufenden Jahr im Saldo bislang 71 Aufträge für die 737-Reihe verloren. Nun geht es für Boeing darum, Absichtserklärungen im verbindliche Aufträge zu überführen. Gelingt das im Fall von Air Astana, hätte man einen A320-Kunden für das eigene Mittelstreckenmodell begeistert. Im Sommer hatte schon der British-Airways-Mutterkonzern IAG eine Absichtserklärung über 200 737-Max-Flugzeuge abgegeben.

          Boeing arbeitet mit Aufsichtsbehörden an der Zertifizierung einer überarbeiteten Software für die 737 Max. Die Funktionsweise des sogenannten MCAS-System gilt als eine Ursache für zwei Abstürze. Boeing hofft, noch in diesem Jahr eine Freigabe von der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zu erhalten.

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