https://www.faz.net/-gqe-88xww

Kreuzfahrten : Aida macht ein Schiff chinesisch

Zur Aida-Flotte gehören insgesamt 10 Schiffe. Eines wird nun von Deutschland nach China verlegt. Bild: dpa

Gerade sind die Deutschen zur zweitgrößten Kreuzfahrtnation der Welt aufgestiegen, da machen die Chinesen ihnen diesen Platz streitig. Der hiesige Marktführer Aida zieht deshalb nach Informationen der F.A.Z. erstmals ein Schiff vom deutschen Markt ab.

          2 Min.

          Urlaub auf dem Meer – wie keine andere Form des Reisens haben Kreuzfahrten in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr Deutsche in ihren Bann gezogen. Doch in Fernost rechnet sich die Branche künftig größere Wachstumsraten aus. Aida Cruises, der Marktführer hierzulande, zieht deshalb erstmals seit der Jungfernfahrt seines ersten Schiffs im Jahr 1997 einen Urlaubsdampfer vom deutschen Markt ab. Kreuzfahrten „Made in Germany“ sollen zum Exporterfolg werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ab Frühjahr 2017 wird ein Aida-Schiff ab Schanghai, dem neuen Heimathafen, ausschließlich Reisen für den chinesischen und asiatischen Markt anbieten“, sagt Michael Thamm, der Vorstandschef der Reedereigruppe Costa, zu der auch Aida gehört, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Genau wie vor 20 Jahren in Deutschland werden wir auf dem noch jungen asiatischen Kreuzfahrtmarkt ganz neue Zielgruppen erschließen.“ Bislang war die Gruppe lediglich mit der Marke Costa Asia in China vertreten, nun wird die urdeutsche Schiffsreisemarke Aida dort eingeführt. Der gemeinsame Mutterkonzern, der amerikanische Kreuzfahrtgigant Carnival will bis 2017, mit vier Marken und neun Schiffen in Fernost vertreten sein.

          Aida ist mit einem Marktanteil von mehr 40 Prozent hierzulande der Wegbereiter das Wachstums auf dem Seereisemarkt gewesen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Geschäft mit Hochseekreuzfahrten mehr als verdreifacht. 2004 gingen nach Angaben des Deutschen Reiseverbands 583.000 Urlauber aus der Bundesrepublik an Bord, 2014 buchten 1,8 Millionen Reisende eine Kreuzfahrt. Damit haben die Deutschen  Platz zwei unter den Schiffsreisenationen der Welt hinter den Vereinigten Staaten eingenommen. Die Aida-Flotte wuchs auf mittlerweile zehn Schiffe, 2016 werden es zwölf, 2017 aber nur noch elf sein.

          „Der Aufbau einer Kreuzfahrtindustrie ist Teil des Fünf-Jahres-Plans der chinesischen Regierung“

          Für die Costa-Gruppe und die deutsche Marke Aida ist die Verlegung eines Schiffs eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits will das Unternehmen in China nicht den Anschluss verpassen, zumal auch Rivalen wie Royal Caribbean und MSC das Reich der Mitte im Blick haben. Andererseits soll jedes Anzeichen vermieden werden, dass die glorreichen Wachstumsjahre in Deutschland nun zu Ende gehen könnten. „Nächstes Jahr steuern wir auf die Marke von zwei Millionen Passagieren aus Deutschland zu. Der Drang zu Kreuzfahrten ist ungebrochen, wir können die nächste Million angehen“, ist Thamm überzeugt. Neubauten, die 2019 und 2020 in Dienst gestellt werden sollen und die größer als die vorhandenen Schiffe, sind, sind für deutsche Urlauber vorgesehen. „In den nächsten fünf Jahren wird sich die Kapazität, die wir auf den deutschen Markt bringen, nahezu verdoppeln“, sagt Thamm.

          Doch in China werden die Wachstumsraten größer sein. „Der Aufbau einer Kreuzfahrtindustrie ist Teil des Fünf-Jahres-Plans der chinesischen Regierung. Die Branche dort wird bis zum Jahr 2020 auf etwa 4,5 Millionen Gäste wachsen“, schätzt er. Das bedeutet, der Markt wird sich binnen weniger Jahre mehr als vervierfachen.  Das bedeutet: Die Deutschen werden den gerade erst errungenen zweiten Platz unter den Kreuzfahrernationen der Welt schon  wieder abgeben müssen – an die Chinesen. Nicht ausgeschlossen, dass sie kurz darauf auch die Amerikaner vom Kreuzfahrerthron stoßen.

          Weitere Themen

          Erste Container aus China erreichen Rügen

          „Neue Seidenstraße“ : Erste Container aus China erreichen Rügen

          Ein Schiff mit den ersten 41 Containern aus China ist am Dienstag in den Hafen Mukran eingelaufen. Die neue Verbindung soll schneller sein als der Landweg durch Polen. Angetreten hatten die Container ihre Reise Anfang November auf einem Testzug.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.