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Hochwasserkatastrophe : Tausende Bewohner im Ahrtal im Winter ohne Heizung

  • Aktualisiert am

Rohrbauer verlegen am Mittwoch an der Ahr eine neue Gasleitung. Bild: dpa

Etwa 3500 Netzanschlüsse könnten frühestens ab Dezember wieder Gas bekommen, teilte der örtliche Energieversorger mit. Die Zahl der Menschen, die Notunterkünfte benötigen, könnte sich so noch erhöhen.

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          Viele Opfer der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands müssen im Winter ohne Heizung auskommen. Da große Teile des Erdgasnetzes durch die Wassermassen im Juli zerstört wurden, könnten viele Menschen im Ahrtal zunächst nicht versorgt werden, teilte der örtliche Energieversorger EVM am Donnerstag mit. Für einen Teil der Betroffenen sollen Notunterkünfte bereitgestellt werden.

          In Bad Neuenahr-Ahrweiler werden nach EVM-Angaben etwa 3500 Netzanschlüsse frühestens ab Dezember wieder Gas bekommen. Betroffen sei vor allem das Stadtgebiet nördlich der Ahr, sagte eine Sprecherin. Südlich der Ahr sollten die Haushalte im Laufe des Oktober wieder angeschlossen werden. Dann beginnt üblicherweise die Heizsaison mit ersten Frosttagen. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bat die Energieversorger EVM und Ahrtalwerke, die Bürger mit alternativen Heizmöglichkeiten zu unterstützen. Das könnten mobile Flüssiggastanks oder eine Anbindung an das weniger zerstörte Fernwärmenetz sein, sagte Bürgermeister Guido Orthen.

          Ein gewisser Teil der Anwohner werde aber nicht rechtzeitig eine Lösung bekommen. Für diese Menschen werde man Notunterkünfte in Form von Containern bereitstellen. Orthen sagte, es gehe vermutlich um einige hundert Betroffene. „Wir haben aktuell einen Bedarf für etwa 150 Personen.“ Die Zahl werde sich aber erhöhen, da vielen vermutlich erst jetzt bewusst werde, dass die Energieversorgung nicht überall sichergestellt sei.

          Fehlende Ahr-Überquerungen erschweren Wiederaufbau

          Der SWR berichtete, auch weiter oben im Ahrtal blickten viele Anwohner mit Sorge auf den kommenden Herbst und Winter. Die Ortschaften dort seien schon vorher nicht an das Gasnetz angeschlossen gewesen, die Häuser hätten in der Regel eigene Gas- oder Heizöltanks. Gerade in den besonders betroffenen Orten wie Dernau, Altenahr, Ahrbrück oder Schuld seien viele der Tanks zerstört oder weggeschwemmt worden.

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          Nach Angaben der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) wurden im Ahrtal 133 Kilometer Erdgasleitungen und mehr als 7000 Netzanschlüsse sowie zahlreiche Gasdruckregel- und Messanlagen durch das Hochwasser beschädigt oder komplett zerstört. „Es handelt sich hier um das größte Schadensereignis in der Geschichte unseres Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärte Vorstandschef Josef Rönz. Die Reparaturen liefen mit Hochdruck. Da aber auch sämtliche Ahr-Überquerungen zerstört seien, sei der Wiederaufbau der Gasversorgung besonders aufwändig.

          Die Deutsche Post teilte unterdessen am Donnerstag mit, dass 130 Fahrzeuge zerstört oder beschädigt und eine Filiale „fast komplett leergespült“ worden seien, so Post-Vorstand Tobias Meyer den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Zwar habe es Krisenpläne bei der Post gegeben. „Aber ein solches Szenario konnte niemand voraussehen“, sagte Meyer. Noch immer ist nach Angaben der Post unklar, wieviele Briefe und Pakete in den Fluten verloren gingen. „Das lässt sich abschließend nicht sagen“, sagte Meyer.

          Am Nachmittag vor der Flut seien die Filialen noch geleert worden, auch die Fahrzeuge seien zumeist leer gewesen. Jedoch seien einige Sendungen verloren gegangen und auch einige Briefkästen habe die Post „gar nicht mehr gefunden“. Spätestens nach einer Woche habe überall dort, wo noch jemand gewohnt habe, die Post wieder zugestellt werden können.

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