https://www.faz.net/-gqe-92zrj

Artenvielfalt : „Das Problem sind die Monokulturen“

  • -Aktualisiert am

Steht Glyphosat auch im Zusammenhang mit dem Insektensterben?

Dieses Herbizid wird in großem Stil eingesetzt und trägt zu dem starken Rückgang von Pflanzenarten bei. Da der Insektenreichtum auf eine vielfältige Pflanzenwelt angewiesen ist, trägt Glyphosat auch zum Rückgang der Insekten bei.

Und die Neonikotinoide?

Ja. Sie töten Insekten sehr effektiv, verändern aber auch deren Verhalten. Es gibt viele Beispiele: Die Bestäubungsleistung der Bienen geht zurück, Honigbienen finden ihre Völker nicht mehr, Hummeln zeugen weniger Königinnen für das kommende Jahr, Blattkäfer finden keine Partner mehr.

Der Agrarchemiekonzern Syngenta bestreitet diesen Zusammenhang bezüglich der Wildbienen.

Das ist verkehrt. Es gibt eine breite Literatur zu solchen Verhaltensänderungen. In der staatlichen Zulassung und Risikobewertung aber werden verhaltensändernde Wirkungen nicht berücksichtigt.

Welche Rolle spielt der Strukturwandel, die immer größeren Felder?

Der Pflug spielt eine Rolle, die immer größeren Felder, die Beseitigung aller störenden Randstrukturen. Wir haben in einer Studie Niedersachsen, wo die Äcker 3 Hektar groß sind im Schnitt, verglichen mit Thüringen, wo sie 20 Hektar groß sind. Das Ergebnis: Kleine Felder fördern die Artenvielfalt genauso stark wie bei einer Umstellung von konventioneller auf organische Bewirtschaftung.

Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

Mehr erfahren

Es gibt doch seit Jahren das Greening – EU-Vorgaben für Randstreifen?

Das wurde auf Druck der Bauernverbände so stark aufgeweicht, dass von der eigentlichen Idee der Feldrandstreifen und anderer ökologischer Vorrangflächen auf 5 Prozent der Landwirtschaft kaum etwas geblieben ist. Die Bauern dürfen Zwischenfrüchte wie Senf als Greening-Maßnahme angeben, und man darf dort Pestizide sprühen.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde ähnlich viel wie heute gedüngt und gespritzt. Wieso sinkt der Insektenbestand seit 1990 nochmals?

Das hat mich auch überrascht. In den 1970er Jahren war man davon ausgegangen, dass der extreme Artenrückgang hinter uns liegt – wegen der Entwässerung fast aller Moore, der Flurbereinigung, der Monotonisierung auch der Weinberge. Doch auch gegenwärtig schreiten die Artenverluste immer weiter fort, und die Felder werden immer größer. Mit dramatischen Folgen auch für die Vögelbestände: Halbierung der Populationen von Feldsperling, Rebhuhn, Kiebitz in den letzten Jahrzehnten – alles Insektenfresser.

Welche Rolle spielt der zunehmende Energiepflanzenanbau für die Stromerzeugung, vor allem der von Mais?

Maiskulturen sind sehr artenarm und besonders unwirtlich.

Warum kämpfen die Landwirte nicht selbst gegen das Insektensterben – schließlich sind Insekten wichtig als Bestäuber und Fressfeinde der Schädlinge?

Die Landwirte erkennen das oft nicht, sie haben das Thema nicht im Blick. Sie denken, sie selbst bekämpfen die Schädlinge – und es gäbe genügend Bienen.

Der Bauernverband sagt, es gäbe noch Klärungsbedarf wegen des Insektensterbens.

Diese reflexartige Abwehr ist nicht überraschend, aber sehr gewagt.

Weitere Themen

Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

Topmeldungen

Angeschlagener DFB-Präsident: Am Ende des „Falls Löws“ könnte der Sturz von Fritz Keller (links) stehen.

Machtkampf im kriselnden DFB : Unter Geiern

Der Fall „Löw“ ist ein exemplarisches Beispiel für das systemische Versagen des DFB. Zu Hochform laufen einige Funktionäre im Führungszirkel nur noch auf, wenn es um Machterhaltung und Fallenstellen geht.
Eine riesige Euro-Münze überragt die Menschen in der Innenstadt von Frankfurt am Main als die ersten Euro-Starterkits mit einem Sortiment von Euro-Münzen ausgegeben werden.

Einführung des Euro 2002 : Schon wieder neues Geld

Auf ihre D-Mark waren die Deutschen so stolz wie auf ihre Nationalmannschaft. Entsprechend emotional einschneidend war für viele die Einführung des Euros am 1. Januar 2002. Teil 16 unserer Serie „Deutschland seit 1945“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.