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Agrarhandel : Deutschland stärkt seine Stellung

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Die Lebensmittelwirtschaft macht aus Sojabohnen als Futtermittel für Schweine Schwarzwälder Schinken Bild: dapd

Deutschlands Lebensmittelbranche ist international erfolgreich: Die Agrarausfuhr ist auf Rekordniveau gestiegen. Allerdings besteht weiter ein Importüberschuss.

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          So viele Lebensmittel wie im vergangenen Jahr hat Deutschland noch nie ins Ausland verkauft. 60 Milliarden Euro habe der Exportwert betragen, teilte das Bundesagrarministerium kürzlich mit. Das kann den Eindruck erwecken, Hühnerfleisch, Kartoffeln und Rapsöl aus Deutschland überschwemmten den Weltmarkt. Aber so ist es nicht. Der Rekordwert kam vor allem deswegen zustande, weil Lebensmittel laut der Weltagrarorganisation FAO im vergangenen Jahr so teuer waren wie lang nicht. Die exportierte Menge an Lebensmitteln ist hingegen sogar zurückgegangen.

          Gleichwohl ist diese Branche auch international erfolgreich - erfolgreicher als etwa vor 20 Jahren. Der Anteil Deutschlands an der EU-Produktion stieg in dieser Zeit deutlich, etwa von Getreide, Raps, Kartoffeln, Geflügel- und Schweinefleisch und Milch. Auch stieg die Ausfuhr, verglichen mit 1995, nicht nur in Euro gemessen, sondern auch in Tonnen deutlich. Rund 55 Millionen Tonnen „Güter der Ernährungswirtschaft“ wurden 2011 ins Ausland verkauft, 40 Millionen Tonnen waren es 1995, wie das Agrarministerium für diese Zeitung berechnete. Von der Gesamtmenge waren rund 39 Millionen Tonnen pflanzlichen Ursprungs (etwa ein Viertel Zuwachs) und 12 Millionen tierischen (knapp 50 Prozent).

          Der viertgrößte Nettoimporteur der Welt

          Wegen der Verderblichkeit der Waren und hoher Transportkosten ist der Agrarmarkt aber weniger „globalisiert“ als andere Gütermärkte; ein Großteil des Austauschs findet unter Nachbarländern statt. So gingen mehr als drei Viertel des deutschen Exports 2011 in EU-Staaten, gefolgt von Entwicklungs- und Schwellenländern (weniger als 10 Prozent) und, mit minimalem Anteil, Russland und den Vereinigten Staaten.

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          Während Deutschlands Gesamtwirtschaft seit Jahren Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaftet, ist die agrarische Handelsbilanz defizitär. Für die exportierten Maschinen werden sozusagen Trauben, Tierfutter oder Kaffee eingeführt. Zuletzt nahm aber der Lebensmittelexport schneller zu als die Einfuhr, er verdreifachte sich laut Agrarministerium in den vergangenen 20 Jahren (die Inflation wurde nicht herausgerechnet). In dieser Statistik sind die meisten Erzeugnisse auch der Lebensmittelwirtschaft eingerechnet. Kauft ein Unternehmen zum Beispiel Zucker aus Brasilien und verkauft daraus gemachte Bonbons nach Frankreich, erscheint beides in der Handelsbilanz.

          Deutschland ist, gemessen am heutigen Lebensstandard, trotzdem auf Lebensmittel auf dem Ausland angewiesen. Es ist der viertgrößte Nettoimporteur (Import minus Export) von Lebensmitteln auf der Welt. Mit der Ausfuhr stieg immer auch die Einfuhr: Der Import von Lebensmitteln nach Deutschland verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu. Dass der Export schneller steigt, liegt weniger am Produktivitätswachstum der Landwirtschaft, sondern an der international erfolgreichen Lebensmittelwirtschaft: Sie macht aus kolumbianischen Kaffeebohnen Dalmayr-Kaffee oder aus Sojabohnen als Futtermittel für Schweine einen Schwarzwälder Schinken.

          Chinas Aufstieg steht noch bevor

          Der Handel mit Lebensmitteln nimmt auf der Welt schnell zu. Das spiegelt einerseits die wachsende, internationale Arbeitsteilung auch in diesem Sektor wider. Andererseits ist sie Folge des Bevölkerungswachstums. Deswegen sind die Zuwächse der Agrarerzeugung nicht in Deutschland oder in der EU am größten, sondern in Asien, wo Wohlstand und Bevölkerung am schnellsten wachsen. „Der Anteil Europas an der mengenmäßigen Weltagrarproduktion hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast halbiert“, errechnete der Agrarwissenschaftler Folkard Isermeyer vom Heinrich-von-Thünen-Institut - von rund 33 auf 18 Prozent. Derweil nahm die landwirtschaftliche Erzeugung in Europa in manchen Segmenten leicht zu, in anderen leicht ab - von Milch demnach etwa um 16 Prozent, von Fleisch nahm sie - trotz industrialisierter Produktionsstrukturen - mengenmäßig nur leicht um 6 Prozent zu. In Asien stieg sie um 387 Prozent.

          Drei Viertel des Agrarimports der EU kommen aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Export dorthin findet in viel geringerem Ausmaß statt. Auch weil die lang umstrittenen Exportbeihilfen der EU in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich reduziert wurden - von mehr als 10 Milliarden (1993) auf zuletzt rund 150 Millionen Euro.

          Die EU zählt für manche Getreidearten gleichwohl zu den ertragreichsten landwirtschaftlichen Anbauregionen der Welt. Laut amerikanischem Agrarministerium wurde in der EU 2011 rund ein Fünftel des Weizens auf der Welt geerntet (China 17, Indien 12 Prozent), aber nur 7 Prozent der Maisernte (Vereinigte Staaten 40, China 20, Brasilien 7 Prozent). Größte Exportnationen waren 2011 laut der Welthandelsorganisation WTO die Vereinigten Staaten (rund 131 Milliarden Dollar Exportwert), gefolgt von den Niederlanden (87) und Deutschland (79). Die Versorgung wurde andererseits in Ländern wie Japan, China und Großbritannien großteils mit Import gesichert. Das wird sich China betreffend nach Einschätzung von Experten bald ändern. China ist in einem staatlich kontrollierten, behutsamen Umstieg von einem kleinbäuerlichen zu einem hochtechnisierten Agrarland. Die Staatsführung will nicht, dass plötzlich die vielen Bauern arbeitslose Wanderarbeiter werden.

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