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Zweimal Eurotunnel : China plant längste Unterwasserverbindung der Welt

Der Mega-Tunnel soll die Hafenstädte Dalian (hier im Bild) und Yantai miteinander verbinden. Bild: REUTERS

Für 26 Milliarden Euro wird die Bohai-Bucht östlich von Peking unterquert. Baubeginn könnte schon nächstes Jahr sein. Die Aktienkurse steigen.

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          Den längsten Kanal und die längste Brücke der Welt haben die Chinesen bereits gebaut, jetzt planen sie auch den bei weitem längsten Unterwassertunnel. Eine 123 Kilometer lange Eisenbahnverbindung soll die Bohai-Bucht unterqueren, die östlich von Peking und seiner Nachbarmetropole Tianjin liegt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Strecke wäre länger als die beiden bisherigen Rekordhalter zusammen, der Seikan-Tunnel in Japan (54 Kilometer) und der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal (50 Kilometer).

          Nach Angaben der regierungsnahen Zeitung „China Daily“ vom Freitag könnte mit dem Bau schon im kommenden Jahr begonnen werden. 2026 soll er fertig sein. Die Kosten betrügen 220 Milliarden Yuan oder 26,4 Milliarden Euro. Das wären 11 Milliarden Euro mehr als bei dem europäischen Projekt, das Mitte 1993 eröffnet wurde.

          Vierzig Minuten Fahrzeit statt mehrerer Stunden

          Das Mega-Vorhaben verbindet die Hafenstädte Dalian und Yantai miteinander, die in den Provinzen Liaoning im Norden und Shandong im Süden liegen. Die Fähre benötigt bisher drei bis sechs Stunden, die Fahrzeit mit dem Autoreisezug wird hingegen nur 40 Minuten betragen. Zum Einsatz kommen Schnellbahnen mit einem Durchschnittstempo von 190 Kilometern in der Stunde.

          Wer bisher mit Auto oder Zug zwischen den beiden Städten verkehren wollte, musste die Bucht westlich umfahren und im Falle der Bahn mindestens einmal umsteigen. Die Landstrecke ist je nach Verlauf 1400 bis 1700 Kilometer lang, wofür wenigstens 14 Stunden nötig sind.

          Noch ist das Vorhaben allerdings nicht beschlossen. Seit 2009 wurde es immer wieder dem Nationalen Volkskongress vorgelegt, Chinas einmal jährlich tagendem Pseudoparlament. 2011 fand die Idee Eingang in die Regionalplanung der Provinz Shandong, die der Staatsrat als Zentralregierung gebilligt hat. Die Zeitung berichtet jetzt, dass der endgültige Entwurf dem Staatsrat im April vorgelegt werden könnte.

          Zwischenstopp auf einer Strand-Insel

          Geplant sind drei parallel verlaufende Röhren, zwei für die Schienenwege, die mittlere als Versorgungstunnel. Der Durchmesser des Wartungsstollens wird sieben Meter betragen, die beiden anderen sind drei Meter größer. Vor allem die Nordostprovinz Liaoning, die zur alten Mandschurei gehört, erhoffe sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, da sie künftig näher an die boomenden Küstenzentren im Süden heranrücke, schreibt „China Daily“.

          Der Bohai-Tunnel führt über zwei bewohnte Inselgruppen, die Changshan und Huangcheng heißen. Erste ist für ihre Sandstrände bekannt. Dort wird deshalb eine Zwischenstation eingerichtet, die über eine Aufzugsanlage zu erreichen sein soll.

          Geringe Inflation beflügelt Chinas Börsen

          Gute Nachrichten gibt es heute nicht nur aus der Welt der Infrastruktur, sondern auch von den Finanzmärkten. In den meisten Ländern Asiens steigen die Aktienkurse. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific ohne Japan gewinnt 0,7 Prozent hinzu und könnte die Woche mit der höchsten Steigerung seit vier Monaten beenden.
          Verluste gibt es hingegen in Japan, weil der Yen an Wert zugelegt hat, was der Handelsnation die Exporte verhageln könnte. Asiens Börsen feiern, dass die Inflation in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, im Januar nicht gestiegen ist. Der Verbraucherpreisauftrieb betrug wie im Dezember 2,5 Prozent im Jahresvergleich.

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