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Zu viele Schadstoffe : Maggi-Nudeln sollen in ganz Indien verboten werden

Maggi-Nudeln werden in Indien aus dem Programm genommen Bild: AFP

Schon heute ist der Verkauf von Maggi-Nudeln in 17 indischen Bundesstaaten untersagt, und die Belastung der Nudeln mit Blei zieht immer weitere Kreise. Indien möchte nun den Lebensmittelriesen Nestlé verklagen.

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          Die Welle, die auf Nestlé in Indien zurollt, wird größer. Nun will Indien den Schweizer Lebensmittelriesen auf Schadenersatz verklagen. Der Verkauf von Maggi-Nudeln ist nun in 17 indischen Bundesstaaten untersagt, sie werden aus den Regalen entfernt. Indische Lebensmittellabore hatten eine teilweise enorme Belastung mit Blei festgestellt und moniert, der enthaltene Geschmacksverstärker MSG sei nicht wie vorgeschrieben auf den Packungen ausgewiesen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Lebensmittelaufsicht Food Safety and Standards Authority of India hat inzwischen alle Bundesstaaten aufgefordert, das Nestlé-Produkt aus dem Verkauf zu nehmen. Nach ihrer Auskunft haben die Schweizer auch die Herstellung der Fertig-Nudeln in ihrer Fabrik im indischen Nanjangud angehalten. Gleichwohl wehrt sich Nestlé gegen die Vorwürfe und erklärt, seine Produkte seien verzehrbar. Nun wollen die Inder auch weitere Schnellgerichte untersuchen, beispielsweise von Knorr, Nissin Cup Noodles, Doodles und CHing’s Secret. Nach Berichten indischer Zeitung werde die Lebensmittelaufsicht alle sieben Nestlé-Fabriken in Indien nun besuchen und überprüfen.

          Trotz vorangegangener Lebensmittelskandale etwa mit Pepsi-Cola versucht Indien nun erstmals augenscheinlich, ein multinationales Unternehmen auf Schadenersatz zu verklagen. Dies soll über die einflussreiche Kommission zur Beilegung von Konsumentenstreitigkeiten (NCDRC) abgewickelt werden. Sie hatte gerade gegen die Lufthansa eine Strafe von rund 20000 Euro verhängt, weil sie in der Business Class Sitze mit einem zu geringen Neigungswinkel anbot, obwohl sie Schlafsitze beworben hatte. Nestlé werden nun „unfaire Handelspraktiken“ unterstellt. Bislang, so die Schweizer, sei noch keine Klageschrift bei ihnen eingetroffen.

          Allerdings brechen auch in Indien selber alte Konflikte auf: Eine Abgeordnete der Regierungspartei warf indischen Müttern vor, faul zu sein, weil sie ihre Kinder mit Fertigprodukten wie von Nestlé ernährten, statt selber zu kochen. Auch werden Stimmen lauter, Nahrungsergänzungsmittel oder Baby-Nahrung von Nestlé künftig nicht länger in Apotheken verkaufen zu dürfen. Denn damit werde fälschlicherweise unterstellt, diese Produkte seien für die Kleinkinder gesund.

          Immer mehr erinnert die öffentliche Debatte an eine Art anti-kolonialen Kampf: so rechnen die indischen Zeitungen nun vor, Nestlé Indien gebe jährlich ein Vielfaches der Laborkosten für Maggi-Werbung aus. Nun will die indische Händlervereinigung auch die Markenbotschafter der Maggi-Nudeln verklagen – allesamt weltbekannte Bollywood-Größen wie Preity Zinta oder Amitabh Bachchan. „Einige Fernsehkanäle bauschen das Thema zu einer Schlacht Maggi gegen Indien auf. Dass das Unternehmen in seiner Verteidigung die Möglichkeit nennt, dass indische Labore andere Testmethoden anwenden und deshalb zu anderen Ergebnisse kommen, als Angriff gegen die indischen Fähigkeiten zu betrachten, erscheint etwas übertrieben“, heißt es in einem Kommentar der Times of India. „Die Angst, dass die Welt Indien nicht ernst genug nimmt und dass es eine tiefe Verschwörung gäbe, dieses Land schlecht zu machen, sitzt so dicht unter der Oberfläche, dass die kleinste Provokation sie zum Ausbruch bringt.“

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