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Zockende Seniorin : Mit über 70 an die Skat-Weltspitze

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Roswitha Körper aus Marktheidenfeld (Bayern) hat gute Karten. Bild: dpa

Kopfrechnen und Glück entscheiden beim Skatspiel. Beides hat Roswitha Körper perfekt ausgenutzt: Die 74-Jährige aus Bayern ist Doppelweltmeisterin im Skatspielen. Für ihre Leidenschaft reist sie durch die ganze Welt.

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          Roswitha Körper reizt gern. Und zwar schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Nun hat sie ihrer Leidenschaft die Krone aufgesetzt. Die 74-Jährige hat sich in Paraguay den Weltmeistertitel im Skatspielen geholt. Und das gleich zweimal: Sie ist Senioren-Skatweltmeisterin sowohl im Einzel- als auch im Teamwettbewerb geworden. „Es ist schon ein großes Glück, überhaupt in die Nationalmannschaft einberufen zu werden. Und dann noch der Titel: Das ist der krönende Höhepunkt. Das erreicht man nie wieder“, sagt die Unterfränkin.

          Eine Vitrine in ihrem Arbeitszimmer in Marktheidenfeld zeugt davon, dass sie ihrem Hobby schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich nachgeht. „Hier stehen nur meine wichtigsten Pokale“, sagt sie und verweist auf die Regale und Schränke in einem Zimmer. Der Glanz von Gold- und Silberpokalen beherrscht den Raum: Überall stehen große und kleine Trophäen, hängen Medaillen an dicken Kordeln. Weltmeisterin, Bayerische Meisterin, Mainfränkische Meisterin - mit diesen Titeln kann sich die fröhliche Rentnerin schmücken. „Nur die Deutsche fehlt mir noch in meiner Sammlung“, sagt sie mit einem breiten Lachen.

          Üben müsse sie für ihre Erfolge nicht. „Es geht einem in Fleisch und Blut über. Das muss man nicht trainieren.“ Das Spiel hänge ohnehin von den Menschen ab, mit denen sie spiele. „Das Skatspielen ist so variantenreich. Da kommt es drauf an, was die Spieler draus machen“, sagt Körper. Zweimal in der Woche trifft sie sich mit Gleichgesinnten zum Skat klopfen, manchmal spielt sie auch im Internet.

          Zu ihrem Hobby kam Körper durch ihre Eltern. „Am Abend spielte man bei uns Skat“, sagt sie. Beruflich viel im Außendienst unterwegs, vertrieb sie sich außerdem später gerne die Zeit mit Kollegen und Kunden am Abend in den Hotels mit dem Kartenspiel.

          „Skat ist ein super Gedächtnistraining, gerade auch für ältere Leute“, findet sie und bedauert es, dass die Jugend von heute nicht mehr so interessiert daran ist. „Es gibt einfach zu viel Ablenkung für die jungen Leute. Leider können viele gar kein Kopfrechnen mehr, da könnte Skat schnell abhelfen.“ Die Formel für Erfolg im Skatspiel aus Sicht der Seniorin: 60 Prozent Glück, 35 Prozent Rechnen - und 5 Prozent die Fehler der anderen.

          Der durchschnittliche Skatspieler sei deutsch und mindestens 50 Jahre alt, sagt Rainer Grunert, Präsident der Internationalen Skatspieler-Vereinigung. In Deutschland sind in diesem und dem Deutschen Skatverband rund 30.000 Skatspieler registriert. Dem stehen rund 5000 Skatspieler aus dem restlichen Europa und Übersee gegenüber.

          Die Wiege des Skatspiels steht im ostthüringischen Altenburg. Dort taucht es unter einem Eintrag vom 4. September 1813 erstmals im Heft einer Spielgemeinschaft auf. Die Gruppe kombinierte dabei Elemente aus den Spielen Tarock, L’Hombre, Schafkopf und Solo zu einem neuen Spiel.

          Geld ist nicht der Anreiz

          Verbandschätzungen zufolge spielen in Deutschland mindestens 20 Millionen Menschen daheim, in der Kneipe und im Internet Skat. „Es ist eben ein deutsches Spiel“, sagt Grunert. Das zeige sich auch bei den alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. „Es gewinnen meistens die Deutschen“, so der 59-Jährige.

          Das größte Problem der Skatverbände sei tatsächlich der fehlende Nachwuchs. „Die Jugend, die Karten spielt, beschäftigt sich eher mit Poker.“ Vom Aussterben sei das Kartenspiel dennoch nicht bedroht. Zum einen trommelten immer mehr Vereine und machten für sich Werbung; zum anderen will das Kartenspiel immaterielles Kulturerbe der Unesco werden.

          Roswitha Körper reist indes weiter zu privaten Skatspielen und Meisterschaften, um sich mit Spielern aus aller Welt zu messen. Las Vegas, Bad Füssing, Südamerika - kaum ein Weg ist ihr zu weit. Am liebsten sind ihr Einzelwettbewerbe. „Da kann ich freier aufspielen und auch mal Riskantes wagen.“ Hin und wieder gewinnt sie dabei und räumt auch Preisgelder ab.

          Geld ist jedoch nicht der Anreiz für die mehrfache Großmutter. „Selbst, wenn man gewinnt, deckt das Preisgeld oft gerade einmal die Fahrtkosten. Es geht vielmehr um die Ehre oder um die Ranglisten“, sagt Körper. Es sei ein teures Hobby. „Aber ich verbinde einfach meine beiden Leidenschaften miteinander: Skat spielen und Reisen.“ Und 2016 will die Marktheidenfelderin ihre Weltmeistertitel in Las Vegas verteidigen.

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