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Striktere Regeln : Zetsche fürchtet Folgen des VW-Skandals für Daimler

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der IAA Bild: Reuters

Gefahr für Daimler? Vorstandschef Zetsche warnt vor einem Generalverdacht gegen die Autoindustrie. Er fürchtet, das könnte zu schärferen Regeln für Diesel-Autos in Europa führen.

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          Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, fürchtet, dass der Volkswagen-Betrugsskandal die Legislative in Europa veranlassen wird, die Regeln für die Zulassung von Diesel-Fahrzeugen zu verschärfen. Das würde auch den Daimler-Konzern treffen. Rund 70 Prozent seiner in Europa abgesetzten Autos werden mit einem Dieselmotor betrieben. Die europäische Industrie sei bereits in Brüssel mit einem Gesetzesentwurf konfrontiert worden, der das Aus für viele Dieselautos bedeutet hätte, sagte Zetsche in Washington.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Nichtregierungsorganisationen und andere Kritiker der Diesel-Technik nutzten die Gunst der Stunde. Der Daimler-Chef verwies darauf, dass es physikalisch unmöglich sei, die vereinbarten Emissionsziele für den Klimaschutz ohne Diesel zu erreichen. Dieselautos emittieren weniger Kohlendioxid als Fahrzeuge mit Benzin-Verbrennungsmotor und verbrauchen weniger Treibstoff. In Verruf gekommen sind dieselbetriebene Volkswagen-Fahrzeuge, die deutlich mehr Stickoxide emittierten als erlaubt und diese Regelverletzung durch eine betrügerische Software im Auto vor den Testern der Behörden in aller Welt verbargen.

          Eine Konsequenz zieht die EU-Kommission offenbar schon sehr bald aus der VW-Affäre: Sie will künftig die Behörden der Mitgliedstaaten bei der Genehmigung von Kraftfahrzeugen überwachen. Das kündigte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska in der „Süddeutschen Zeitung“ vom Donnerstag an.

          Abwälzen auf andere

          Mit jeder neuen Wendung im VW-Skandal sieht sich Daimler laut Zetsche aufs Neue mit dem Generalverdacht konfrontiert, dass die ganze Automobilindustrie bei den Emissionen trickse. Er habe den Eindruck, dass Volkswagen selbst diesen Verdacht „triggere“. Er verurteile die Konkurrenz aus Wolfsburg dafür aber nicht. Als Daimler vor 15 Jahren mit den Elchtest-Problemen der A-Klasse konfrontiert worden sei, habe man auch versucht, die Probleme auf andere abzuwälzen. Deshalb wolle er heute auch nicht mit dem Zeigefinger auf Volkswagen deuten. Fakt sei aber: „Sie haben betrogen und wir nicht.“

          VW-Abgasskandal : Regierung macht Druck auf Volkswagen

          Er glaube aber auch, dass der globale Ruf der deutschen Autoindustrie und der deutschen Ingenieure nicht nachhaltig beschädigt sei. „Wenn sich in ein paar Jahren der Rauch gelegt hat, wird man hoffentlich höchsten noch ein paar Kratzer im Lack sehen.“

          Elektroautoabsatz „lächerlich“

          Die emissionsfreien Elektroautos haben Zetsche zufolge bisher viel weniger Kunden gefunden als von der Politik kalkuliert. Mit lächerlichen Zahlen von wenigen Tausend sei Daimler Marktführer gewesen. Gleichwohl investiere der Konzern viele Hundert Millionen in die Technologie und erwarte eine wichtigen Durchbruch mit einer neuen Batterietechnik, die deutlich größere Leistung verspreche.

          Im Moment seien Elektroautos nur mit finanziellen Anreizen durch den Staat zu verkaufen. Oder der Produzent hat eine sehr coole Marke und einen sehr coolen Vorstandschef. Damit spielte Zetsche auf den Autokonzern Tesla und seinen Chef Elon Musk an. „Daimler ist der einzige Autokonzern, der bisher mit Elektroautos Geld verdient hat“, sagte Zetsche. Zur Erkärung: Daimler ist früh bei Tesla ein- und mit hohem Gewinn wieder ausgestiegen.

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