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Yahoos Zukunft : Was nun, Marissa Mayer?

Satz mit X: Marissa Meyer als Yahoo-Chefin im Januar 2014 in Las Vegas. Bild: AP

Der Internetkonzern Yahoo stellt sich zum Verkauf. Vorstandsvorsitzende Marissa Mayer gibt zwar weiter Durchhalteparolen aus, stellt sich aber auch selbst ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus.

          So etwas hört man in einer Analystenkonferenz selten. Nein, die Weihnachtsfeier habe nicht 7 Millionen Dollar gekostet, sagte Marissa Mayer, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Internetkonzerns Yahoo nach der Vorlage von Quartalszahlen. Und nein, das Unternehmen habe seit ihrem Antritt keine 450 Millionen Dollar für Gratisessen in der Kantine bezahlt. Beide Zahlen seien „grobe Unwahrheiten“ und „um mehr als das Dreifache übertrieben“, sagte die Managerin.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Was bewog sie dazu? Im Dezember hatte ein Hedgefonds-Manager Mayer heftig kritisiert und in einer fast 100 Seiten langen Präsentation ein desolates Bild von Yahoo gezeichnet. Und darin wurden auch die Zahlen für die Weihnachtsfeier und das Kantinenessen genannt, als Indiz dafür, dass Yahoo trotz seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten sorglos mit Geld um sich wirft.

          Patente und Immobilien verkaufen

          Dass Mayer sich zu diesen Rechtfertigungen gezwungen sieht, unterstreicht, wie sehr sie unter Druck steht. Das machten auch all die anderen Nachrichten deutlich, die Yahoo hatte. Das Unternehmen kündigte an, „strategische Alternativen“ zu überprüfen, eine Formulierung, die üblicherweise Offenheit für einen Verkauf signalisiert. Weiterhin will Yahoo noch einmal 15 Prozent der Belegschaft oder mehr als 1500 Arbeitsplätze abbauen.

          Außerdem sollen verschiedene Produkte aufgegeben und „nicht-strategische Vermögenswerte“ wie Patente und Immobilien abgestoßen werden. Derweil will Yahoo an seinem Plan festhalten, sein Kerngeschäft in eine neue Gesellschaft abzuspalten und damit von der Beteiligung am chinesischen Internetkonzern Alibaba zu trennen.

          Wenig greifbare Ergebnisse

          Es hört sich alles etwas verwirrend an: Einerseits einen Verkauf erwägen, andererseits andere große strukturelle Veränderungen vorantreiben und dabei, wie Mayer zu versichern versuchte, weiter in zukunftsträchtige Geschäfte zu investieren. „Unsere Situation ist komplex“, gab die Yahoo-Chefin zu.

          Und stellte sich damit selbst ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Denn sie war 2012 als große Hoffnungsträgerin geholt worden, um den strauchelnden einstigen Internetpionier zu früherer Relevanz zurückzuführen. Das ist ihr nicht gelungen. Wettbewerber wie Facebook und der Google-Mutterkonzern Alphabet haben gerade beeindruckende Wachstumsraten gemeldet. Yahoo tritt dagegen auf der Stelle und sagt für das angelaufene Jahr sogar einen deutlichen Umsatzrückgang voraus.

          Die nun signalisierte Offenheit für einen Verkauf kommt wohl nicht ganz aus freien Stücken. Der Hedgefonds Starboard Value, der einen Anteil an Yahoo hält, setzt das Unternehmen seit einiger Zeit unter Druck und hat das Prüfen eines Verkaufs und auch einen Führungswechsel gefordert. Nun werden Erinnerungen an das Jahr 2008 wach, als die Zukunft von Yahoo als unabhängiges Unternehmen schon einmal auf dem Spiel stand.

          Damals versuchte der Softwarekonzern Microsoft, Yahoo zu kaufen, und bot zeitweise 47,5 Milliarden Dollar. Yahoo leistete aber Widerstand, und Microsoft zog sich schließlich zurück. Heute ist Yahoo an der Börse nur noch 28 Milliarden Dollar wert, und der größte Teil davon entfällt auf die 15-Prozent-Beteiligung an Alibaba. Die geplante Trennung des Yahoo-Kerngeschäfts von der Alibaba-Beteiligung könnte einen Verkauf erleichtern – ebenso wie all die anderen nun angekündigten Schritte, um Yahoo zu verschlanken.

          Weniger Mitarbeiter und kein Wachstum

          Es gibt mehrere mögliche Käufer für das Kerngeschäft von Yahoo. Der Telekommunikationskonzern Verizon, der im vergangenen Jahr schon den Wettbewerber AOL übernommen hat, hat öffentlich Interesse signalisiert. Auch Beteiligungsgesellschaften wären denkbare Kandidaten.

          Mayer hat Yahoo seit ihrem Antritt radikale Einschnitte verordnet. Im Jahr ihres Einstiegs hatte Yahoo noch mehr als 14.000 Mitarbeiter, nach dem jetzt angekündigten abermaligen Stellenabbau sollen es nur noch 9000 sein. Was ihr nicht gelungen ist, ist eine Rückkehr auf den Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr erzielte Yahoo sogar etwas weniger Umsatz als 2012. Mayer verwies in der Telefonkonferenz auf Fortschritte im Geschäft mit Videoformaten oder auf mobilen Plattformen.

          Weniger Umsatz als Facebooks Gewinn

          Allerdings musste Yahoo auf der anderen Seite auch zugeben, dass der von Mayer eingefädelte Zukauf der Blogging-Plattform Tumblr bislang die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hat. So wurde das Ziel verfehlt, mit Tumblr im vergangenen Jahr einen Umsatz von 100 Millionen Dollar zu erzielen. Yahoo schrieb deshalb rund ein Fünftel des Kaufpreises für Tumblr von 1,1 Milliarden Dollar ab.

          Das war nur eine von einer ganzen Reihe von Abschreibungen, die sich auf 4,5 Milliarden Dollar addierten. Diese Abschreibungen führten dazu, dass Yahoo insgesamt für das vergangene Quartal einen Nettoverlust von 4,4 Milliarden Dollar ausgewiesen hat, ein Mehrfaches des Konzernumsatzes von 1,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz von Yahoo war niedriger als der Nettogewinn, den das soziale Netzwerk Facebook gerade ausgewiesen hat. Yahoo wird heute von deutlich jüngeren Internetunternehmen abgehängt. Das muss eine ernüchternde Erkenntnis für Marissa Mayer sein.

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