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Chinas Staatschef in Deutschland : Was China von uns will

Auf deutschem Boden: Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping und seine Ehefrau Peng Liyuan auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel Bild: dpa

Zum ersten Mal seit acht Jahren kommt ein chinesischer Präsident zum Staatsbesuch nach Deutschland. Wie offen werden Xi Jinping und Angela Merkel sprechen? Welche Wünsche Xi im Gepäck hat und was Deutschland sich von ihm verspricht.

          Großer Bahnhof in Berlin, Xi Jinping kommt! Als Staats-, Partei- und Militärchef der Volksrepublik China ist der Sechzigjährige der mächtigste Mann der Welt neben Barack Obama. Politiker in Deutschland und anderswo wollen sich gut mit ihm stellen, die Industrievertreter sowieso.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          In Berlin ist die Unterzeichnung eines Bündels an Wirtschaftsverträgen geplant. Darunter sind wichtige Vorhaben von Siemens, Bayer, der Deutschen Börse und den Autobauern. Außerdem wird man vereinbaren, in Frankfurt die erste Abwicklungsstelle (Clearing und Settlement) für Handels- und Finanzgeschäfte in Renminbi (Yuan) innerhalb der Europäischen Währungsunion zu errichten.

          Die deutsche Wirtschaft sucht in China vor allem neue Märkte, die Politik will, dass das Land mehr internationale Verantwortung übernimmt, im Klimaschutz etwa, im Umgang mit irrlichternden Ländern wie Nordkorea, Syrien, Iran, neuerdings auch Russland. Was aber will Peking von uns? Hier die wichtigsten Punkte:

          1. Technik

          Gerade heute hat Xi Jinping in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. noch einmal klargemacht, dass China vor allem an „Technologie“ interessiert sei. Das ist zwar die falsche, aus dem Englischen („technology“) übernommene Bezeichnung für Technik. Aber entscheidend ist, dass China auf deutsche Ingenieurkunst baut. Im Gegenzug bietet man dafür seinen riesigen Markt an.

          Bei Xi liest sich das so: „Die Verbindung zwischen dem Markt Chinas und der Technologie Deutschlands wird ohne Zweifel die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in China und Europa kräftig befördern und für das Leben der einfachen Menschen viele Vorteile bringen. Wenn chinesische Wachstumsraten und deutsche Qualität sich die Hand reichen, dann wird das für die Wirtschaften Chinas und Europas, ja der ganzen Welt enorme Wachstumsmöglichkeiten schaffen.“

          Dagegen ist nichts zu sagen. Doch muss China dann auch einen besseren Schutz des Geistigen Eigentums garantieren.

          2. Hochwertige Kapitalgüter

          Je besser die chinesischen Produkte sind, desto notwendiger sind auch entsprechend gute Maschinen und Anlagen, um sie herzustellen. China selbst ist der größte Maschinen- und Anlagenbauer der Welt, aber von der Qualität her können die Chinesen den Deutschen noch nicht das Wasser reichen.
          Deshalb importiert die Volksrepublik immer mehr Spezialausrüstung aus Deutschland. China ist inzwischen der wichtigste Auslandsmarkt für die deutschen Hersteller.

          Die Sache hat auch eine Kehrseite, denn mit diesen Maschinen machen die Chinesen uns beim Endprodukt gehörig Konkurrenz, zum Beispiel in der Photovoltaik. Deutsche Hersteller von Solarmodulen haben kaum eine Chance gegen die chinesischen Wettbewerber. Und die produzieren ihre billige Massenware vor allem auf deutschen Anlagen.

          China möchte die Produktivität seiner Wirtschaft erhöhen, wozu es die Automatisierung vorantreibt. Dieser Trend kommt deutschen Roboterherstellern zugute. Der Absatz von Industrierobotern hat in China in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent zugenommen.

          Ein Ende ist nicht abzusehen, denn die Notwendigkeit zur Automatisierung wird mit dem immer knapper werdenden Arbeitskräfteangebot und den wachsenden Qualitätsansprüchen eher steigen als fallen.

          3. Prestigeträchtige Konsumgüter

          Mit Abstand wichtigster Markt ist China auch für die deutsche Automobilindustrie. Der Wolfsburger Hersteller Volkswagen verkauft hier schon jedes vierte Fahrzeug und verdient je Auto deutlich mehr als anderswo. Das liegt daran, dass die Chinesen viel Geld bezahlen für deutsche Qualität und deutsches Design, vor allem aber für das Markenimage.

          Am deutlichsten zeigt sich das in der Oberklasse: Audi, BMW, Mercedes, Porsche dominieren 80 Prozent dieses Markts. Die großen Karossen werden alle aus Deutschland importiert, während die Volumenmodelle im Land selbst gebaut werden.

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