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Chinas Staatschef in Deutschland : Was China von uns will

Heute werden die Autobauer in Xis Beisein neue Milliardenverträge unterzeichnen: So will Daimler mit seinem Joint-Venture-Partner eine weitere Milliarde  Euro in den Ausbau der chinesischen Werke stecken. Von der Fläche her wird der Standort in Peking sogar größer als das Stammwerk in Sindelfingen.

Auch andere Premiumprodukte wollen die Chinesen von uns: Die Hamburger Edelmarke Montblanc ist heiß begehrt, ebenso teure Töpfe von Fissler, Zwilling, WMF. Montblanc hat in China mehr als 100 Geschäfte, das Modehaus Hugo Boss aus Metzingen sogar 140, davon allein 13 in Peking.

4. Eine saubere Umwelt

Während dieser Text zustande kommt, herrscht in Peking vergleichsweise gute Luft, weil es heute früh geregnet hat. Dennoch beträgt der Wert für die besonders gefährlichen Feinstaubpartikel PM 2,5 noch immer 126 Mikrogramm je Kubikmeter. Das ist das Fünffache dessen, was die Weltgesundheitsorganisation WHO für vertretbar hält.
Jedes Jahr sterben 1,2 Millionen Menschen an der Belastung. Die hohen Umweltkosten vernichten in China die Wirtschaftsleistung eines ganzen Landes wie Belgien oder Argentinien.

Nicht nur deshalb muss sich die Führung etwas einfallen lassen, sondern vor allem, weil die Menschen in all dem Dreck aufmüpfig werden. Um keine Unruhen zu riskieren, sind schnelle Erfolge nötig. Dafür braucht man die Erfahrung und das Knowhow aus Deutschland, wo viele erfolgreiche Umwelt-Unternehmen zuhause sind.

In der Zusammenarbeit geht es um die Elektromobilität und um die Gebäudedämmung, aber auch um die Kreislaufwirtschaft. Aktuelles Beispiel: Unter den Industrieverträgen heute in Berlin ist auch eine Vereinbarung des Berliner Abfall- und Recyclingunternehmens Alba mit zwei chinesischen Partnern.

In der Stadt Jieyang in der Südprovinz Guangdong (Kanton) will Alba die erste Anlage zur Herstellung „Grüner Kohle“ bauen. Das ist ein Verfahren, um aus den nicht-verwertbaren Bestandteilen von Siedlungsmüll Pellets für die Wärme- uns Stromerzeugung zu formen.

Die Anlage wird in der Sino-German Metal Eco City aufgestellt. Diese angeblich erste ökologische Siedlung Chinas entsteht in Jieyang auf 23 Quadratkilometern. Die Gesamtinvestitionen betragen 50 Milliarden Yuan (6 Milliarden Euro), im Jahr 2020 soll das Vorhaben fertig sein.

Aus Chinas Abfällen mehr zu machen und damit auch noch Geld zu verdienen, lohnt sich allemal. Kein anderes Land produziert mehr Müll, 70 Prozent des Hausabfalls kommen völlig unbehandelt auf die Deponien. Albas Grüne-Kohle-Anlage zieht die Wertstoffe aus dem Abfall, separiert die Schadstoffe und verwandelt den Rest in Energie.

5. Respekt

„Freundschaft gründet auf Respekt, Vertrauen und Toleranz, und das gilt auch für den Umgang von Staaten“, schreibt Xi Jinping heute in der F.A.Z. Um in den deutsch-chinesischen Beziehungen weiter voranzukommen, seien „Mut, Aufgeschlossenheit und Weltblick“ nötig.

Der nächste Satz ist harter Tobak: „Lasst uns die vom Volk der anderen Seite gewählte Grundordnung und seinen Entwicklungsweg verstehen und respektieren, lasst uns Rücksicht nehmen auf die gegenseitigen Kerninteressen und entscheidenden Anliegen.“

China streicht gern die Gemeinsamkeiten mit Deutschland heraus, auch Xi tut das in seinem Text ganze Absätze lang. Doch natürlich kann keine Rede davon sein, dass Chinas autoritäres Ein-Parteien-Regime in ähnlicher Weise vom „Volk gewählt“ wäre, wie das im demokratischen Rechtsstaat Deutschland der Fall ist.

Wenn China „Respekt“ für seine Sicht der Dinge einfordert, dann muss das auch andersherum gelten. Zu den „Kerninteressen“ der deutschen Seite gehört die Wahrung der Menschenrechte, gehören Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Wenn die Beziehungen zwischen den Ländern wirklich so gut sind, wie beide Regierungen beteuern, dann sollte man darüber offen reden können.

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