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Neues World Trade Center : Der Bahnhof kostet mehr als das Hochhaus

Der im Bau befindliche World Trade Center Transportation Hub Bild: AP

Nicht nur in Deutschland werden Bauprojekte teurer als geplant. In New York entsteht gerade die U-Bahn-Station unter dem neuen World Trade Center. Ihre Kosten sind alles andere als unterirdisch.

          Budgets für Bauprojekte sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind, und mit genauso viel Vorsicht sind Zeitpläne zu genießen. In Deutschland, wo Prestigebauten wie der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie zu Albträumen geworden sind, weiß man das nur zu gut. Aber auch die amerikanische Metropole New York kann einige Beispiele für ein krasses Missverhältnis zwischen Plan und Realität liefern.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ein besonders eklatanter Fall ist der World Trade Center Transportation Hub, ein hauptsächlich unterirdischer Bahnhofs- und Einkaufskomplex auf dem Gelände der am 11. September 2001 attackierten Zwillingstürme des World Trade Center. Die Kosten dieses Projekts nähern sich nun nach einem Bericht der „New York Times“ der Marke von 4 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie im ursprünglichen Budget vorgesehen. Damit wäre es teurer als der gerade eröffnete Nachfolgeturm für die beiden zerstörten Wolkenkratzer. Dieser Bau, der den Namen „One World Trade Center“ trägt, hat 3,9 Milliarden Dollar gekostet. Das Bahnhofsgebäude soll im nächsten Jahr eröffnet werden. Ursprünglich sollte es schon 2009 fertig sein.

          Der Transportation Hub ist ein spektakuläres Element in der Erneuerung des vor dreizehn Jahren verwüsteten Areals. Er wurde vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava entworfen. Seine Flügelkonstruktion an der Oberfläche soll an einen Vogel erinnern, wobei man auch an einen Igel oder einen Dinosaurier denken könnte.

          Wie die „New York Times“ schreibt, haben die Designextravaganzen von Calatrava maßgeblich dazu beigetragen, dass das Projekt nun so teuer wird. So habe der Architekt darauf bestanden, dass das Innere des Komplexes keine Säulen hat und sehr spezifische Stahlelemente zum Einsatz kommen, die nur im Ausland gefertigt werden konnten. So hätten am Ende allein die Kosten für Stahl mit 474 Millionen Dollar zu Buche geschlagen.

          Daneben seien die Kosten aber auch von politisch motivierten Entscheidungen in die Höhe getrieben worden. So habe George Pataki, der frühere Gouverneur des Bundesstaates New York, nicht zulassen wollen, dass ein Teil einer U-Bahn-Linie zwischenzeitlich geschlossen wird, was es notwendig gemacht habe, den Komplex um diese Bahn herum zu bauen. Die Zeitung suggerierte, Pataki könnte dabei ein politisches Motiv gehabt haben, denn diese Bahn wird stark von New Yorkern aus einem damals für ihn wichtigen Wahlbezirk genutzt.

          Das Projekt wurde auch vom Hurrikan Sandy im Jahr 2012 in Mitleidenschaft gezogen. Den damaligen Schaden beziffert die Zeitung auf mehrere hundert Millionen Dollar.

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          Immerhin eine teure Idee hat die für den Bau verantwortliche New Yorker Hafenbehörde dem Architekten ausgetrieben. So hatte er ursprünglich vorgesehen, dass sich das Flügeldach des Projekts öffnen kann. Nach einigem Hin und Her wurde dieser Plan im Jahr 2008 aufgegeben.

          Der World Trade Center Transportation Hub ist nicht das einzige Projekt in diesem Teil New Yorks, das sich verzögert hat und teurer geworden ist als ursprünglich geplant. Der nahegelegene U-Bahnhof Fulton Center, der kürzlich eröffnet worden ist und mit dem Transportation Hub verbunden werden soll, sollte ursprünglich schon 2007 fertig sein. Und aus den zunächst geplanten Kosten von 750 Millionen Dollar wurden 1,4 Milliarden Dollar.

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