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Wohnen in Down Under : Normalbürger können in Sydney bestenfalls mieten

Opera House in Sydney Bild: AFP

Der Immobilienmarkt in Australiens Metropolen schäumt über. Der Schatzkanzler rät Häuslebauern, sich einen besser bezahlten Job zu suchen.

          Blase oder nicht? Wohl kein Immobilienmarkt weltweit ist derzeit so umstritten wie derjenige in Sydney. Auf der einen Seite jene, die ihn für vollkommen überteuert halten: Immerhin kostet die durchschnittliche Wohnimmobilie nun fast eine Million australische Dollar (713000 Euro). Die anderen, unter ihnen die Regierungspolitiker, mahnen zur Ruhe, machen die Warner lächerlich. Wenn es aber eine Blase ist und sie platzt, das wissen auch die Politiker, wird es einen sehr lauten Knall geben.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Glenn Stevens, der australischen Notenbankgouverneur, bezeichnete Teile von Sydneys Immobilienmarkt in dieser Woche als „verrückt“. Gleichwohl senkt er die Zinsen weiter und heizt damit den Markt noch mehr an. „Ja, ich bin sehr in Sorge mit Blick auf Sydney und einiges, was dort vorgeht, ist verrückt. Aber wir haben eine Ausrichtung auf die ganze Nation“, gab Stevens zu Protokoll. Grant O’Brien, der Vorstandsvorsitzende von Woolworths, der größten Einzelhandelsgruppe in Australien, sagt: „Ich glaube nicht, dass die Blase eine Größe erreicht hat, angesichts derer die Menschen einhalten und zweimal Nachdenken, was sie heute einkaufen.“ Schatzkanzler Joe Hockey, berühmt-berüchtigt dafür, nicht gerade mit Samthandschuhen vorzugehen, erzeugte einen Aufschrei, als er die Probleme in den australischen Metropolen schlicht leugnete. Häuser in Sydney seihen augenscheinlich nicht „unbezahlbar, denn die Menschen kaufen sie ja weiterhin Immobilien“. Dann fügte Hockey an, die Leute sollten sich halt einen guten Job mit gutem Gehalt suchen, wenn sie ein Haus kaufen wollten. Das klang vielen sehr zynisch.

          Denn die Hürde liegt hoch, nicht nur aufgrund der Arbeitslosenrate von 6 Prozent. 152000 australische Dollar Jahreseinkommen braucht ein Erstkäufer in Sydney, will er die marktübliche, 30 Jahre laufende Hypothek für ein Haus abzahlen, rechnet der Australian Financial Review vor. Dafür müsste er schon im Management eines größeren Unternehmens angestellt sein. Immer noch 115000 Dollar Jahreseinkommen sind in Melbourne notwendig, um eine erste Immobilie zum Durchschnittspreis zu kaufen. Australiens Metropolen – für Lehrer, Verkäufer, Beamte sind sie inzwischen unbezahlbar.

          „Der Markt schäumt über, denn Investoren glauben, Preise könnten nur steigen. Sydney zeigt einige dieser Anzeichen, und das nun seit einiger Zeit. Die Preise steigen um 15 Prozent jährlich“, warnt Paul Bloxham, der Chefvolkswirt der Bank HSBC. Das aber ist nur der Durchschnitt. In manchen Vororten Sydney haben sich die Preise in Jahresfrist um 30 Prozent erhöht.

          Jegliche Eingriffe in den Markt, wie eine Begrenzung der Kreditvergabe, die die Opposition fordert, lehnt die Regierung ab. Wohl aber nehmen die Bemühungen zu, Ausländer – hier vor allem reiche Chinesen – zu überprüfen: 196 Immobilienkäufe von Ausländern nehmen die Behörden gerade ins Visier. Denn den Neuankömmlingen ist es nicht erlaubt, ihr (Schwarz)geld in Bestandsimmobilien zu stecken – die schönen Villen mit Blick auf die Bucht bleiben Australiern vorbehalten. Dennoch finden sich immer wieder Wege für reiche Chinesen, über Strohmänner Villen zu erwerben. Schatzkanzler Hockey hat eigenhändig einen Nachbarn zur Überprüfung gemeldet. Hockey selber wohnt mit seiner Frau, einer Investmentbankerin, in einer alten Villa in Hunters Hill. 2004 hatten sie sie für 3,5 Millionen Dollar erworben. Heute wird ihr Wert auf mindestens 5,4 Millionen Dollar geschätzt.

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