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Wachstum : Australien macht weiter Tempo

Wirkt unwirklich: Opal-Abbau in Coober Pedy, Australien Bild: Freddy Langer

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert kennt Australien keine Rezession. Auch diesmal übertrifft die Wachstumsrate der zwölfgrößten Volkswirtschaft der Welt die Erwartungen.

          Australien wächst deutlich schneller als erwartet. Die Wirtschaftsleistung des bodenschatzreichen Landes legte im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent zu. Analysten hatten mit einem Wachstum von höchstens 1,9 Prozent gerechnet. Mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad im letzten Quartal hat das Bodenschatzland nun seit einen Vierteljahrhundert eine Rezession vermieden; sie schien zu drohen, als die Wirtschaftsleistung im Vorquartal im Vergleich zu den drei vorherigen Monaten leicht schrumpfte. Im Quartalsvergleich legte die Leistung nun um 1,1 Prozent zu.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Entgegen den Erwartungen stehen alle Zylinder, bis auf die produzierende Industrie, unter Dampf: Die höheren Preise für Bodenschätze wie Erz und Kohle stützen den Export. Der Ausstoß der Agrarwirtschaft stieg über das Jahr um kräftige 23,7 Prozent. Auch der Tourismus wächst längst jenseits der Rucksackreisenden: Im vergangenen Jahr wurde mit 8,2 Millionen Gästen ein Anstieg von 11 Prozent im Jahresvergleich gemessen und auch der Inlandstourismus erreichte das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten.

          Deshalb werden gerade 102 Hotels mit insgesamt fast 30.000 Zimmern gebaut. Sydney selber hat ein neues Veranstaltungszentrum mit Hotelhochhaus am Wasser gebaut, das das Kongressgeschäft stärken wird. Vor allem aber geben die Verbraucher wieder mehr Geld aus. Ihr Beitrag liegt bei fast der Hälfte des Zuwachses des Bruttoinlandsproduktes.

          Keine Wohnungen für Durchschnittseinkommen

          Und dies trotz weiter rasch steigender Hauspreise. Sie legen in der Metropole Sydney so schnell zu, wie zuletzt 2002. Von Januar auf Februar wurden Häuser dort 2,6 Prozent teurer. Im Jahresvergleich ist dies eine Verteuerung von 18,4 Prozent. Damit legten die Preise für Immobilien in Sydney innerhalb von fünf Jahren statistisch betrachtet um 74,9 Prozent zu – Menschen mit normalen Einkommen, wie Lehrer, Polizisten oder Krankenschwestern finden in der Stadt praktisch keine Wohnung mehr.

          In der Wirtschaftshauptstadt Melbourne stiegen sie um weitere 13,1 Prozent, in der Hauptstadt Canberra um 15 Prozent. Inzwischen kaufen mehr und mehr Spekulanten – zurückhaltend „Investoren“ genannt – die eindeutig auf ein weiteres Anziehen der Preise und Kapitalgewinne setzen: So liegt die Rate dieser Investoren bei 57 Prozent aller Nehmer von Hauskrediten – normalerweise pendelt sie um ein Drittel der Gesamtsumme.

          Investitionen schrumpfen weiter

          Mit Blick auf die überraschend guten Wachstumszahlen erklärte Schatzkanzler Scott Morrison am Mittwochmorgen: „Wir wachsen weiterhin schneller als die OECD-Länder. Die heutigen Zahlen wurden von einer robusten Erholung im Konsum getrieben. Und das trotz eines zu geringen Lohnwachstums. Die Australier beweisen Vertrauen in ihre Volkswirtschaft.“ Die Löhne stiegen im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent. Besorgniserregend bleibt, dass die Investitionen über das Jahr gerechnet um 6 Prozent schrumpften und Australien keinen Weg findet, seine Industrieproduktion auf breiter Fläche zu sichern.

          Scott betonte, dass die Erholung der Bodenschatzmärkte Australien das „geringste Leistungsbilanzdefizit gemessen am Bruttoinlandsprodukt seit 1980“ beschert habe. Die Regierung liest die dennoch erfolgte Wachstumssteigerung als den Erfolg ihrer Politik. Vertrauen braucht sie, denn Ministerpräsident Malcolm Turnbull enttäuschte viele Australier bislang. Derzeit ringt er mit der Opposition im eigenen Lager und sucht einen Weg, die auf Kohle setzende Energiepolitik mit dem Umweltschutz in Einklang zu bringen.

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