https://www.faz.net/-gqe-8egwk

Wahlspenden in Amerika : Der Wahlkampf der gekniffenen Millionäre

Donald Trump gewann lange, ohne nennenswert Geld für den Wahlkampf auszugeben. Bild: AP

Viele Großspender sehen ihre Wahlkampfgelder in Rauch aufgehen. Denn Trump hat die Regeln eines effektiven Wahlkampfes geändert.

          3 Min.

          Ende Januar 2015 gaben die Brüder Charles und David Koch, schwerreiche Industrielle aus Wichita, Kansas bekannt, sie würden zusammen mit befreundeten Millionären aus ihrem konservativen Netzwerk bis zu 900 Millionen Dollar in die Präsidentschaftswahlen stecken, so viel  Geld wie nie zuvor. Das bestätigte nur das allgemeine Urteil, Amerikas reiche Familien würden mit ihren finanziellen Zuwendungen einen unangemessen starken Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen und der Kandidatenauswahl in den Vorwahlen ausüben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Es ist alles anders gekommen als gedacht: Der Republikaner Donald Trump akzeptiert keine hohen Geldzuwendungen und liegt vorne in Vorwahlen mit bisher 12 gewonnenen Bundesstaaten. Der Demokrat Bernie Sanders verweigert ebenfalls Großspenden und konnte in sieben Bundesstaaten obsiegen. Kandidaten mit der besten finanziellen Ausstattung dagegen mussten inzwischen das Feld räumen, wie Jeb Bush, dessen Wahlkampfteam rund 30 Millionen Dollar vergeudet hat, während das ihn unterstützende Komitee (SuperPAC) laut der unparteiischen Organisation Opensecret knapp 100 Millionen Dollar in den Wind schreiben durfte.

          Jeb Bush ist nicht mehr im Rennen, seine reichen Freunde aus Florida und Texas sind um eine Erfahrung reicher oder eine Illusion ärmer. Bush war der großzügige Geldverbrenner auf der republikanischen Seite, doch auch die anderen Verlierer wie Scott Walker, Chris Christie oder Ben Carson haben vergebens Millionen ausgegeben für Veranstaltungen und Werbung. Das ist dem Charakter der Wahl geschuldet, die nur einer gewinnen kann. Das macht eine frühe Investition in einen Kandidaten prinzipiell hochriskant für die Großspender.

          Radiowerbung und Beleidigungen über Twitter statt hohe Werbeausgaben

          Das heißt aber nicht, dass Geld wirkungslos ist. Aber es wirkt anders, als vermutet. Der Ökonom Tyler Cowen beschreibt folgendes Phänomen: Kandidaten, die zu schwach sind, Trump in den Vorwahlen zu schlagen, sind auch dank der finanziellen Unterstützung von Spendern noch nicht schwach genug, um aus dem Rennen auszuscheiden. So sieht sich Trump nicht ein oder zwei Gegnern gegenüber, wie das in früheren Vorwahlen zumeist der Fall war, sondern drei und bis vor kurzem vier Gegenspielern.

          Auch deshalb gelang es Trump vorne zu bleiben, obwohl er in der Gesamtsumme nur rund ein Drittel der für republikanische Präsidentschaftsbewerber abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann. In gewisser Weise erleichtern die Großspender seiner Gegner Trump das Geschäft.

          Trump selbst allerdings hat auch seine Verdienste: Er hat die alte Anleitung für erfolgreiche Wahlkämpfe komplett umgeschrieben. Er gewann lange, ohne nennenswert Geld auszugeben. Er führte die Umfragen, ohne bis in den Dezember hinein Wahlwerbung zu machen, als seine Gegner schon Millionen in TV-Spots gesteckt hatten. Dann begann Trump, ganz der sparsame Unternehmer, vorsichtig mit Radiowerbung. In den ersten Bundesstaaten Iowa und New Hampshire hatte Trump im Vergleich zu den Gegnern zudem nur wenige Helfer, er schickte auch kaum Reklamebriefe heraus, um sich zu loben oder Gegner zu beschädigen.

          Der Unternehmer setzt auf seine Berühmtheit, die er einer Fernsehshow verdankt, und er setzt auf Twitter - das allerdings mit besonderer Virtuosität, wie Tim Dickinson, Reporter des Rolling Stone beschrieben hat. Twitter ist von seiner Anlage her das ideale Mittel zur Verbreitung schlichter Botschaften. Trump nutzt das Netzwerk, um politische Gegner, unliebsame Journalisten, Volksgruppen und ganze Nationen zu beleidigen. Die New York Times hat die Herabwürdigungen in bemerkenswerter Akribie aufgelistet. Die Zeitung kommt, Stand 4. März, auf 202 Personen, Plätze und Dinge, die Trump herabgewürdigt hat. Aber wir sind heute schon ein paar Beleidigungen weiter.

          Negativ-Werbung soll Trumps Siegeszug noch stoppen

          Die Beleidigungen haben den ersten Vorteil für den sparsamen Immobilienunternehmer, dass sie umsonst sind. Auf Twitter finden sie unmittelbar Resonanz. Weil dort auch die politischen Journalisten unterwegs sind, finden die Trumps rohe giftige Tweets oft auch Eingang in die Medien. Und ein beglückter Trump hat keinen Cent dazu bezahlt. Nun könnten die anderen Bewerber auch Twitter. Doch für klassische Wahlkampfmanager ist sehr wichtig, der Herr über der Botschaft zu bleiben. Deshalb lesen sich die Tweets der anderen Kandidaten geschliffen und stehen damit im scharfen Kontrast zu der rohen Wucht der Trumpschen Tweets. Die Taktik funktioniert: Kein anderer Kandidat kriegt mit so wenig finanziellem Aufwand so viel Zustimmung. Seine Veranstaltungen sind stets bestens besucht.

          Jetzt allerdings verschärft sich der Ton noch einmal zwischen den Kandidaten der republikanischen Partei. Großspender, offenbar orchestriert von dem gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, finanzieren nun Negativ-Werbung in großem Stil, um Trumps Siegeszug doch noch zu stoppen. Das meiste Geld geht nach Florida. Dort liegt Trump in den Umfragen vor Marco Rubio, er wäre kaum noch zu bremsen, wenn er dort gewönne.

          Die Alternative ist allerdings aus Sicht der Großspender auch nicht verheißungsvoll. Sollten sie Trump aufhalten und ihren Wunschkandidaten installieren können, hätte der an der eigenen Basis den Ruf des Putschisten und würde von den Demokraten als Ziehsohn der Milliardäre verunglimpft. Die Brüder Koch haben jetzt mitgeteilt, dass sie sich an einer Demontage Donald Trumps nicht beteiligen. Sie haben in früheren Kampagnen schon genug Lehrgeld gezahlt. Sie wissen: Es ist nicht leicht, mit Investitionen in Wahlkämpfe Erträge zu erzielen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er wedelt noch, sie merkelt schon: Habeck, Baerbock und die „Merkel-Raute“

          Heimlich für Merz? : Die Grünen hoffen auf Merkel-Stimmen

          Die Grünen wollen regieren. Das ginge mit einer Laschet-CDU leichter als mit einer Merz-CDU. Vor allem wollen sie jedoch stärkste Partei werden. Den Platz dafür in der politischen Mitte könnte eher Merz als Laschet schaffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.