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Kürzungen und Verbote : Wie Indiens Beamte Firmen ausbremsen

Monsanto ist wichtig für Indien. Bild: dpa

Verbraucherschutz oder Drangsalierung? Maßnahmen indischer Behörden treffen ausländische Konzerne hart. Die Klagen werden zusehends lauter.

          Und schon wieder liegen Konzerne über Kreuz mit der Führung des Wachstumsmarktes Indien. Nachdem Indien über das Wochenende 344 Kombinationspräparate von Arzneimittelherstellern verboten hatte, setzen diese sich nun zu Wehr. Zeitgleicht droht der amerikanische Agrarchemiekonzern Monsanto das Land zu verlassen, nachdem Indien dessen Lizenzgebühren um 70 Prozent gekürzt hat.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Monsanto, Pfizer und Abbott sind die jüngsten Fälle, in denen sich Weltkonzerne über eine unfaire Behandlung in Indien beschweren. Zuvor fühlten sich beispielswiese schon Vodafone, Cairn Energy oder Nestlé von den Behörden in Indien drangsaliert, obwohl Ministerpräsident Narendra Modi fast schon verzweifelt versucht, für Indien als Standort und Markt zu werben.

          Innovationsfeindlichkeit kritisiert

          Monsanto ist für das Land mit seinen 1,3 Milliarden Menschen wichtig: Die Amerikaner brachten 2002 genetisch veränderte Baumwolle, die gegen Schädlinge resistent ist und heute von mehr als sieben Millionen Bauern auf dem Subkontinent genutzt wird. Auch aufgrund der neuen Baumwolle wurde Indien zum weltweit größten Hersteller. Künftig soll Monsanto 49 Rupien (66 Eurocent) je 450 Gramm Saatgut bekommen – eine Kürzung von 70 Prozent. Der Verkaufspreis der Saatpackung wird bei 800 Rupien gedeckelt, bislang waren es 750 Rupien. Damit sinkt die Lizenzgebühr für Monsanto von einem Anteil von 20 auf nur noch 6 Prozent.

          „Diese Deckelung würde uns zwingen, jeden Aspekt unserer Aufstellung in Indien zu überdenken“, drohte der Konzern nun. Shilpa Divekar Nirula, Monsanto-Chefin in Indien, erklärte, das Unternehmen werde die neueste Generation seiner Saaten nicht Indien einführen, sollte die Kürzung aufrecht erhalten werden. „Es ist schwierig, neue Technologien nach Indien zu holen, in eine Umwelt, wo Eingriffe der Regierung, die Innovationen ausbremsen, es unmöglich machen, diese Innovationen zu refinanzieren, und wo die Heiligkeit von Verträgen nicht geachtet wird.“ Schon im Oktober wurde bekannt, dass neun Saat-Unternehmen, die das genveränderte Saatgut der Amerikaner nutzen, sich weigerten, die volle Lizenzgebühr abzuführen.

          Streit um Nutzen von Medikamenten

          Auch die Pharmahersteller schließen die Reihen. 2014 hatte Indien Fachleute darangesetzt, 6000 Kombinationspräparate auf ihre Effektivität und Sicherheit zu prüfen. 344 von ihnen wurden nun verboten, weil sie keinen “therapeutischen Nutzen” besäßen. Damit könnte der Umsatz der Branche in Indien um gut eine halbe Milliarde Dollar sinken, schätzen Analysten. Am schwersten getroffen werden die Hersteller Pfizer und Abbott. Schon 2007 hatten die Inder versucht, 300 Kombinationspräparate zu verbieten. Die Hersteller aber setzen die Anordnung per Gerichtsbeschluss außer Kraft. Auch diesmal erklärte die Vereinigung der Pharmahersteller, der Prozess der Überprüfung sei nicht transparent.

          Nun hat das Hohe Gericht in Neu Delhi der Klage von Pfizer stattgegeben, die auf ein Aussetzen des Banns für den Hustensaft Corex zielte. Die Richter setzen das Verbot solange aus, bis es zu weiteren Verhandlungen kommt. Heute wird das selbe Gericht auch über den Bann des Hustensaftes Phensedyl von Abbott Laboratories entscheiden. Er trägt rund 3 Prozent zum Umsatz von rund einer Milliarde Dollar von Abbott in Indien bei. Beide Unternehmen erklärten, sie seien nie informiert worden, dass es eine solche Untersuchung gebe. Pfizer erklärte zugleich, es habe eine Genehmigung für den Verkauf von Corex von der Bundesregierung.

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